Diskussionsbeiträge

Nr. 409: Der Markt für Over-The-Top Dienste in Deutschland

Autoren: René Arnold, Christian Hildebrandt, Martin Waldburger
Juni 2016

Zusammenfassung

Traditionelle Telekommunikationsdienste wie Telefonie und SMS verlieren zusehends an Bedeutung oder stagnieren praktisch. Over-the-top (OTT) Kommunikationsdienste wie WhatsApp erfreuen sich dagegen großer Beliebtheit. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich im Bereich der Inhaltedienste. Auch hier treten neue und erfolgreiche Akteure auf, die das Internet als ihre Plattform nutzen. Durch die politische Debatte zum Level Playing Field, aber auch durch den Einfluss, den OTT-Dienste auf den Kernauftrag von Regulierungsbehörden haben, stellt sich die Frage, welche Substitutionsbeziehungen tatsächlich zwischen traditionellen Angeboten und OTT-Diensten bestehen.

Dieser Diskussionsbeitrag nutzt eine repräsentative Verbraucherbefragung, um die vermuteten Substitutionsbeziehungen zu analysieren. Es zeigt sich, dass Konsumenten insbesondere im Bereich der Kommunikationsdienste tatsächlich OTT-Dienste in Situationen einsetzen, in denen sie früher TK-Dienste genutzt haben. Genauso gibt es aber eine Vielzahl von Kommunikationsanlässen, die erst durch OTT-Dienste entstehen. Besonders relevant für die aktuelle Debatte ist das Ergebnis, dass es gerade die zusätzlichen Funktionen wie Bild- und Videonachrichten sind, die Verbraucher zum Wechsel motivieren. Somit handelt es sich nicht um eine direkte funktionale Substitution, sondern eher um eine grundsätzliche Veränderung im Kommunikationsverhalten.

Ebenso stößt eine funktionale Abgrenzung der Dienste als Begründung für die Anwendung der Vorschriften des TKG schnell an ihre Grenzen. Setzt man das Kriterium gleicher Funktionalität zu breit an, so würden auch Dienste unter die Vorschriften fallen, bei denen dies nicht oder nur am Rande zutrifft. Bei einer zu engen Definition müssten dagegen sehr wahrscheinlich nur Teilbereiche bestimmter Dienste den entsprechenden Vorschriften genügen. Dies ist nicht nur technisch schwierig umzusetzen, sondern auch argumentativ ggf. nur schwer begründbar. Marktforscherische Methoden, die die tatsächliche Verwendung messen, können fundierte Aufklärung darüber leisten, welche TK-Dienste mit welchen OTT-Diensten in Konkurrenz zueinander stehen und deshalb bei Analysen zur Marktmacht mit berücksichtigt werden sollten. Dabei wird die marktforscherische Analyse auch der Dynamik des Marktumfelds gerecht und kann einen schnellen und fundierten Überblick liefern.

Nicht zuletzt zeigt der Diskussionsbeitrag sowohl für OTT-Kommunikationsdienste als auch für OTT-Streamingdienste einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensität dieser Dienste und der Zahlungsbereitschaft von Konsumenten für höhere Bandbreiten, mehr High-Speed Datenvolumen bzw. hochwertige Endgeräte. Somit eröffnen OTT-Dienste auch wesentliche neue Umsatzpotenziale für Telekommunikationsunternehmen.

Der Diskussionsbeitrag ist als pdf-Datei verfügbar und kann gegen eine Schutzgebühr von 7 Euro inkl. MwSt. bestellt werden.

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