Diskussionsbeiträge

Nr. 413: Die Bedeutung von Telekommunikation in intelligent vernetzten PKW

Autoren: Sebastian Tenbrock, René Arnold

Zusammenfassung

Die Vernetzung von Automobilen – auch Connected Car genannt – ist in den letzten Jahren immer stärker vorangeschritten. Die Anbindung an das Kommunikationsnetz erfolgt derzeit entweder durch fest eingebaute SIM-Karten (Built-in) oder durch SIM-Karten, die entweder in einen Slot ins Fahrzeug eingesteckt werden oder die bereits in ein mitgebrachtes Endgerät (Smartphone, Tablet) eingesteckt sind (Brought-in).

Das WIK schätzt, dass derzeit etwa 4,6 Mio. der rund 44 Mio. in Deutschland zugelassenen PKW über Connected-Car-Systeme verfügen. Davon nutzen etwa 3,1 Mio. Built-in- und 1,5 Mio. Brought-in-SIM-Karten. Zudem geht das WIK davon aus, dass diese Zahl sich bis 2018 auf über 9 Mio. annähernd verdoppelt. Im Jahr 2015 verfügten etwa die Hälfte der Neuzulassungen in Deutschland über Connected-Systeme; dieser Anteil ist im Vergleich zu den Vorjahren beträchtlich angestiegen. Built-in-Konnektivität wird vor allem bei Herstellern im Premiumsegment eingesetzt, während Brought-in überwiegend von Herstellern im Volumensegment verwendet wird. Um das hier entstehende Datenvolumen und damit die Belastung von Mobilfunknetzen abzuschätzen, hat das WIK verschiedene Szenarien zugrunde gelegt: Je nach Nutzungsintensität wird das gesamte Datenvolumen von Connected Cars zwischen 1,15 bis 5,58 Petabyte prognostiziert. Aufgrund der stark steigenden Anzahl von Fahrzeugen mit Connected-Car-Technologie war in den letzten Jahren ein sehr starker Anstieg des Datenvolumens zu verzeichnen; es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung in den folgenden Jahren fortsetzt.

Dienste, die auf Konnektivität von Fahrzeugen aufbauen, werden nicht nur von Automobilherstellern und Zulieferern angeboten, sondern auch Telekommunikationsunternehmen und Over-The-Top (OTT) Diensteanbieter sind in den Connected-Cars-Markt vorgedrungen. Die wesentlichen Dienste lassen sich unter die drei übergeordneten Kategorien Sicherheit, Infotainment und Komfort subsumieren, wobei ein einzelner Dienst auch mehr als einer Kategorie zuzuordnen ist. Für die Umsetzung der einzelnen Dienste kooperieren die oben genannten Anbieter mehr oder weniger eng miteinander. Telekommunikationsunternehmen stellen den OEM ihre SIM-Karten zur Verfügung und betreiben Backend-Infrastrukturen. Google und Apple, die ihre Dienste und Anwendungen ins Fahrzeug bringen, haben globale Allianzen mit zahlreichen OEM geschmiedet.

Angesichts der steigenden Zahl von Diensten ist es realistisch, dass die oben genannten Akteursgruppen neue Strategien und Geschäftsmodelle im Bereich Connected Car verfolgen: Denkbar sind u.a. MVNO-Modelle für OEM, der Betrieb von Plattformen für Connected-Car-Dienste durch Telekommunikationsunternehmen, eine noch tiefergreifende Auswertung der Daten aus den Sensoren im Fahrzeug und die Betätigung in angrenzenden Felder wie z.B. Gesundheit und Versicherungen. Trotz bestehender rechtlicher Fragestellungen stellt der Bereich des vollautomatisierten und autonomen Fahrens ein wichtiges perspektivisches Wachstumsfeld dar.

Der Diskussionsbeitrag ist als pdf-Datei verfügbar und kann gegen eine Schutzgebühr von 7 Euro inkl. MwSt. bestellt werden.