WIK Conference

Platforms. Data. Policy.

What next for the Digital Single Market?

18. Oktober 2018, Le Châtelain Hotel, Rue du Châtelain 17, 1000 Brüssel

„Big Data treibt die kreative Zerstörung des Kapitalismus an. Datenströme, nicht Geldströme, sorgen in Zukunft für Wohlstand. Denn Daten ermöglichen es wesentlich besser als Preise, Märkte zu koordinieren." Mit diesen und weiteren zentralen Einsichten über die Datenökonomie aus seinem Bestseller „Das Digital" eröffnete Prof. Dr. Viktor Mayer-Schönberger (Oxford Internet Institute) in seiner Keynote die erste WIK Konferenz, die sich ausschließlich mit Themen der Daten- und Plattformökonomie beschäftigte. Er legte damit die Grundlage für die Veranstaltung.

Doch was wissen wir eigentlich über Unternehmen der Datenökonomie? Es zeigte sich, dass es wenig systematisch aufbereitete Daten zum Funktionieren von Online-Plattformen und Unternehmen der Datenökonomie gibt. Solche systematisch aufbereitete Daten sind jedoch die Grundvoraussetzung, um eventuelle Marktmacht, missbräuchliches Verhalten oder einen tatsächlichen Regulierungsbedarf festzustellen.

Dr. Werner Stengg (DG CONNECT) stellte unter anderem das erst kürzlich eingerichtete „EU Observatory on the Platform Economy" vor, das zum Ziel hat, genau dieses Wissen zu generieren und zu analysieren. Sarah Wanquet von Liveramp berichtete in ihrer Keynote von Möglichkeiten, die Datenökonomie insbesondere im Bereich der personenbezogenen Daten, die für die zielgruppengerechte Ausspielung von Werbung benötigt werden, fairer zu gestalten.

Doris Gemeinhardt-Brenk erläuterte das kürzlich veröffentlichte neue Grundsatzpapier der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu „Daten als Wettbewerbs- und Wertschöpfungsfaktor in den Netzsektoren". Es betont, dass Daten nicht mit typischen Produktionsfaktoren vergleichbar sind und sich ihre Rolle je nach Netzsektor deutlich unterscheiden kann. Deshalb müssen sowohl Analyseinstrumente als auch eventuelle neue Regeln maßgeschneidert angepasst werden. Nur so können ungewollte Nebenwirkungen vermieden werden.

Die Session zu Interoperabilität von Kommunikationsdiensten im neuen European Electronic Communications Code unter Leitung von Scott Marcus (Bruegel) stellte fest, dass es bisher keinen Handlungsbedarf in diesem Bereich gibt. Dr. René Arnold (WIK) präsentierte eine noch unveröffentlichte Studie des WIK, die empirisch belegt, dass Konsumenten die technischen Grenzen zwischen verschiedenen Diensten dazu nutzen, um ihre sozialen Kontakte in Gruppen zu organisieren. William Echikson (CEPS) unterstricht, dass Interoperabilitätsauflagen negative Auswirkungen auf das dynamische Ökosystem von Messengerdiensten hätten. Anais Le Gouguec (ARCEP) deutete an, dass eine Interoperabilitätsverpflichtung möglicherweise sinnvoll sein könnte, um Netzwerkeffekte besonders großer Anbieter von Messengerdiensten zu schwächen. Sie gab jedoch zu bedenken, dass dabei nationale Unterschiede der Telekommunikationsmärkte einbezogen werden müssen. Aktuell sieht sie jedoch keinen Handlungsbedarf. Zunächst müssten hierfür tatsächlich Marktmacht und Missbrauch durch einzelne Akteure festgestellt werden.

Die letzte Session des Tages unter Leitung von Christian Hildebrandt (WIK) beschäftigte sich mit Algorithmen und ihrer Rolle für Online-Plattformen und Netzwerke. Ansgar Koene (University of Nottingham) präsentierte die wesentlichen Ergebnisse des Forschungsprojekts UnBias, das sich mit dem Einfluss von Algorithmen auf unsere Gesellschaft auseinandersetze. Jakob Kucharczyk (CCIA) warf einen Blick auf den Entwurf zur Platform-to-Business Regulation und fokussierte dabei insbesondere auf Regelungen zu Rankings. Daniel Richter (Monopolkommission) und Robert Stil (ACM) wiesen auf mögliche neue wettbewerbliche Probleme hin, die durch den Einsatz von Preisalgorithmen und verschiedenen Möglichkeiten der Kollusion entstehen können.

In Summe machte die Konferenz „Platforms.Data.Policy." des WIK deutlich, dass die Datenökonomie zahlreiche Herausforderungen für Politik, Regulierung und Wettbewerbsaufsicht mit sich bringt.  

René Arnold
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Conference organisation:
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