Meldung

15.02.1991

Nr. 62: Telekommunikation und ältere Menschen

Renate Wald, Frank Stöckler

Telekommunikation und ältere Menschen
Nr. 62 / Februar 1991
(rework 1992)

Zusammenfassung

Telefonkommunikation ist zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Alltags geworden. Für ältere Menschen mag dies in besonderer Weise gelten: Kommunikation per Telefon zu führen und aufrechtzuerhalten, scheint eine den Bedürfnissen und den Gewohnheiten älterer Menschen entsprechende Kommunikationsform zu sein; sie erlaubt z.B., nach eigenem Belieben Kommunikation aufzunehmen und abzubrechen, und wahrt eine für erstrebenswert gehaltene "Intimität auf Distanz". Gleichzeitig dient Telefonkommunikation der Initiierung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte, der Pflege des Beziehungsnetzes und der Organisation des Alltags. Für jene, die allein leben, an ihre Wohnung gebunden sind oder im Heim leben, stellt sie den Kontakt zur Außenwelt her. Die These, daß das Telefon zur Isolation beiträgt, bedarf auf Grund dieser Ergebnisse einer genaueren Überprüfung.

Diese Thesen sind das Resultat einer ersten Analyse der vorliegenden Ergebnisse aus der Gerontologie und der Telefonsoziologie. Trotz oder gerade anhand der in dieser Studie gewonnenen Einblicke in das Kommunikationsverhalten und die Nutzung von Telekommunikationsdiensten werden die Wissenslücken und damit die Forschungsdefizite deutlich. Die Studie legt damit die Basis für die Generierung gerontologisch, alltags- und kommunikationstheoretisch fundierter Hypothesen.

Über die bekannten Funktionen der Kommunikation und der Alltagsorganisation hinaus könnten Telekommunikationsdienste, stärker als bisher praktiziert, zur Integration und Sicherheit älterer Menschen beitragen. Notrufdienste und andere Service-Leistungen müßten einerseits stärker an den Erfahrungshorizont und den Alltagsbedarf angebunden werden, andererseits fehlt es aber offenbar auch an der "altengerechten" Gestaltung von Endgeräten und Benutzeroberflächen.

Insgesamt betrachtet identifiziert die Studie eine Fülle von Forschungsdefiziten, deren Bearbeitung einerseits analytische empirische Sozialforschung, andererseits aber auch Technik-Gestaltungsforschung, inclusive der damit notwendigen Pilotversuche, erforderlich macht.