Meldung

15.06.2000

Nr. 206: Der Markt für Internet Telefonie - Rahmenbedingungen, Unternehmensstrategien und Marktentwicklung

Gabriele Kulenkampff

Der Markt für Internet Telefonie - Rahmenbedingungen, Unternehmensstrategien und Marktentwicklung
Nr. 206 / Juni 2000

Zusammenfassung

Die zunehmende Verbreitung des Internet hat in den 90er Jahren zu der Anwendung des Internet Protokols auf den Bereich der Sprachübertragung geführt. Beobachtbar ist der Markteintritt zahlreicher neuer Anbieter, die Sprachübertragung und Mehrwertdienste mit Hilfe der Internettechnologie vermarkten. In der vorliegenden Untersuchung werden die Strategien dieser neuen Anbieter analysiert sowie deren Auswirkungen auf die Wettbewerbsverhältnisse, die Marktstruktur und -entwicklung untersucht.

Internet Telefonie Gespräche können zwischen zwei Computern, Computer und Telefon sowie zwischen zwei Telefonen als Endgeräte geführt werden. Die Vorteile Internet Telefonie gegenüber dem PSTN liegen in der effizienten Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Bandbreite begründet. Nachteilig ist jedoch, dass kein Quality of Service gewährleistet werden kann. Eine Beseitigung dieser Qualitätsprobleme ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur auf Basis proprietärer Netze möglich. Diese werden in der Regel nur von Anbietern bereitgestellt, bei denen ein Telefon als Endgerät einbezogen wird (Internet Telephony Service Provider, ITSP). Als treibende Kräfte für die Verbreitung der Internet Telefonie wurden im wesentlichen Kosten- und Differenzierungsvorteile identifiziert. Die Kostenvorteile gegenüber dem PSTN resultieren dabei einerseits aus der Umgehung der regulatorisch bedingten Accounting Rates, andererseits aus der effizienteren Ausnutzung von Bandbreite. Differenzierungsvorteile der Internet Telefonie sind auf die Integrationsfähigkeit von VoIP Diensten zurückzuführen, die Anwendungen wie Unified Messaging oder Surf & Call ermöglicht. Auf Basis der Wertschöpfungskette werden die folgenden fünf Anbietertypen identifiziert: Software- und Equipmenthersteller, ISPs, ITSPs, Telefongesellschaften sowie Exchange Carrier. Diese werden anhand der Dimensionen Produktportfolio, vertikalem Integrationsgrad, Kundenfokus, regionalem Fokus sowie Preisstrategie charakterisiert. Um Aussagen über Marktstruktur und -entwicklung machen zu können, werden die relevanten Märkte abgegrenzt. Dabei wird festgestellt, dass die Präsenz der neuen Anbieter als eine Form der Angebotssubstitution auf nicht vollständig wettbewerblichen Telekommunikationsmärkten interpretiert werden kann. Mit der Überprüfung der Erfolgsaussichten der Anbieter von Internet Telefonie auf Basis ressourcenbasierter Wettbewerbsvorteile wird gezeigt, dass die identifizierten treibenden Faktoren der Internet Telefonie den neuen Anbietern keine hinreichenden Kosten- und Differenzierungsvorteile für eine starke Marktpositionierung oder gar Verdrängung der etablierten Anbieter gewährleisten konnten. Die Analyse des deutschen Marktes bestätigt dies.

Die Konfrontation der bisherigen Marktentwicklung mit den bei der Einführung der Internet Telefonie getätigten Prognosen über Marktpotentiale ist nochmals Ausdruck einer noch nicht vollständigen Ausreifung der VoIP Technologie. Da sich das IP jedoch bereits als universelles Übertragungsprotokoll durchgesetzt hat, bleibt lediglich offen, zu welchem Zeitpunkt VoIP eine wesentliche Bedeutung auf den Telekommunikationsmärkten einnimmt. Der treibende Faktor dafür wird in erster Linie die Integrationsfähigkeit der Dienste über IP sein. Erst langfristig werden auch Kostenvorteile durchschlagen.