Meldung

15.03.2000

Nr. 202: Beschäftigungswirkungen der Liberalisierung im Telekommunikationssektor in der Bundesrepublik Deutschland

Martin Distelkamp, Dieter Elixmann, Christian Lutz, Bernd Meyer, Ulrike Schimmel

Beschäftigungswirkungen der Liberalisierung im Telekommunikationssektor in der Bundesrepublik Deutschland
Nr. 202 / März 2000

Zusammenfassung

Der Telekommunikations(TK)-Dienstleistungsmarkt in Deutschland ist mit der Aufhebung des Infrastrukturmonopols im Jahr 1996 und des Sprachdienstmonopols der Deutschen Telekom zum 1.1.1998 mittlerweile vollständig dem Wettbewerb geöffnet. Die vorliegende Untersuchung setzt sich zum Ziel, die Beschäftigungseffekte für die deutsche Volkswirtschaft zu quantifizieren, die sich in einer umfassenden Sichtweise als Folge der o.g. Liberalisierungsschritte im TK-Markt ergeben. Der betrachtete Zeitraum der empirischen Analysen erstreckt sich bis zum Jahre 2005 einschließlich.

Konstitutive Bestandteile des Untersuchungsdesigns sind dabei zum einen eine Identifizierung und Quantifizierung von Primärimpulsen der Liberalisierung und zum anderen ein sektoral disaggregiertes gesamtwirtschaftliches ökonometrisches Prognose- und Simulationsmodell für die Volkswirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. Die Untersuchung ist vom WIK deshalb in Kooperation mit der Osnabrücker Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GwS) durchgeführt worden, die über ein solches Modell verfügt.

Folgende Primärimpulse der Liberalisierung sind im Rahmen der Analysen berücksichtigt worden:

  1. Preissenkungen von TK-Diensten,

  2. die Änderung der Investitionspolitik der DTAG sowie die Investitionen der neuen Wettbewerber,

  3. ein veränderter Konsum der privaten Haushalte mit Blick auf TK-Dienste und Endgeräte (z.B. breitbandiger Teilnehmeranschluss),

  4. Preisänderungen bei Bankdiensten durch eine erhöhte Online-Nutzung sowie Änderungen bei Unternehmen außerhalb des TK-Sektors mit Blick auf

  5. Investitionen in Ausrüstungen, um neue TK-Dienste besser nutzen zu können sowie

  6. den Bezug von Vorleistungen durch Produktinnovationen im TK-Sektor.


Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich die Liberalisierung im TK-Markt in einer gesamtwirtschaftlichen Sichtweise eindeutig positiv auf den Arbeitsmarkt in Deutschland niederschlägt. Gegenüber einer "Welt ohne TK-Liberalisierung" sind insgesamt Beschäftigungseffekte zu verzeichnen, die zum Ende des Betrachtungszeitraumes bei ca. +150.000 Erwerbstätigen liegen. Die Hauptbeiträge für diese Entwicklung liegen vor allem in den Wirkungen des Preiswettbewerbs sowie in der gesteigerten Nachfrage privater Haushalte nach innovativen TK-Produkten und –Diensten. Die Wirkungen der übrigen Primärimpulse auf den Arbeitsmarkt sind langfristig eher vernachlässigbar. Kurz- und mittelfristig führen vorgezogene Investitionen aufgrund der Liberalisierung jedoch ebenfalls zu beträchtlichen positiven Beschäftigungseffekten. Im TK-Bereich wirkt sich die Liberalisierung langfristig eher negativ auf die Beschäftigungslage aus: Im Jahre 2005 ergibt sich ein negativer Beschäftigungssaldo von rd. 12.000 Erwerbstätigen.