Meldung

15.08.1998

Nr. 187: Bestimmung der Kosten des Universaldienstes

Lorenz Nett, Werner Neu

Bestimmung der Kosten des Universaldienstes
Nr. 187 / August 1998

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit werden die wesentlichen konzeptionellen Aspekte diskutiert, die es bei der Bestimmung der Kosten des Universaldienstes zu beachten gilt. Um dem Leser die Möglichkeit zu geben, eine Abschätzung hinsichtlich der Bedeutung der Universaldienstkosten vorzunehmen, werden zunächst die wesentlichen den Universaldienst definierenden Bestimmungen sowohl auf europäischer Ebene als auch auf der nationalen, deutschen Ebene ausführlich präsentiert. Ein Ausblick für die Zukunft rundet diesen Teil des Beitrages ab.

Die Versorgung mit Basissprachtelefondienst von in ihrer Gesamtheit unprofitablen Regionen, von Kundengruppen oder Telefonzellen, die keine kostendeckende Erlöse einbringen, stellen die Hauptkomponenten dar, die direkte Universaldienstkosten verursachen. Diese Komponenten vor Augen werden die wesentlichen Gesichtspunkte diskutiert, die bei der Bestimmung sowohl der bei der Bereitstellung des Universaldienstangebotes in jeder Region oder an jene Kundengruppen vermeidbaren Kosten als auch der damit verbundenen entgangenen Erlöse zu beachten sind. Im Zusammenhang mit den vermeidbaren Kosten seien exemplarisch und stichwortartig angeführt: der angemessene Kostenstandard, die anzuwendende Abschreibungsmethode, die praktische Generierung der langfristigen inkrementellen Kosten, die Behandlung versunkener Kosten, die Behandlung von Gemeinkosten sowie Kriterien zur Abgrenzung unprofitabler Regionen. Bei der Ermittlung der entgangenen Erlöse werden sämtliche zu erfassenden Komponenten in einer als angemessen erscheinenden Zerlegung beschrieben. Insbesondere widmen wir uns im weiteren explizit dem Thema "Eliminierung von Doppelzählungen" und stellen eine uns adäquat erscheinende Methode der praktischen Umsetzung derselbigen dar.

Ausführlich wird auch auf die indirekten Effekte eingegangen, die mit dem Universaldienstanbieterstatus verbunden sind. Besondere Aufmerksamkeit wird in diesem Zusammenhang dem Lebenszykluseffekt sowie dem Reputationseffekt gewidmet. Aus einer detaillierten Diskussion ergibt sich unmittelbar, daß dem Effekt "Ubiquität" sowie den Implikationen von umfassender Information hinsichtlich des Telefonnutzungsverhaltens im Zusammenhang mit dem Universaldienstangebot lediglich eine untergeordnete Bedeutung zukommt, da diese vornehmlich der Marktführerschaft eines Anbieters zuzuschreiben sind.

Hinsichtlich des Angebotes von Notrufdiensten, Telefonauskunftsdiensten sowie Verzeichnisdiensten wird argumentiert, daß diese Dienste im Wettbewerb bereitgestellt werden, so daß diese keiner expliziten Verpflichtung eines Anbieters bedürfen. Im Anschluß wird erörtert, warum das Anschlußdefizit, Pensionsverpflichtungen und spezielle Dienste für gesundheitlich beeinträchtigte Personenkreise nicht Element der Universaldienstkostenbestimmung sein sollten.

Die Darstellung verdeutlicht, wie schwierig es ist, die Kosten des Universaldienstes adäquat zu determinieren. Insbesondere ergibt sich, daß bisherige Untersuchungen noch weit davon entfernt sind, als valide Basis für Kompensationszahlungen herangezogen zu werden. Die Berechnungen von OFTEL deuten allenfalls darauf hin, daß es für die gegenwärtigen Universaldienstanbieter ggf. wenig erfolgversprechend erscheint, ein Projekt zur Bestimmung der Universaldienstkosten zu initiieren, da das zu erwartende Ergebnis nur vergleichsweise geringe Kompensationszahlungen erwarten läßt.