Meldung

25.12.1996

Nr. 169: Kosten von vermittelten Leitungen in digitalen Netzen

Marta Garcia Arranz, Klaus D. Hackbarth unter Mitarbeit von Bernd Ickenroth

Kosten von vermittelten Leitungen in digitalen Netzen
Nr. 169 / Dezember 1996

Zusammenfassung

Die Liberalisierungsprozesse und der gleichzeitige technische Fortschritt sorgen für einen zunehmenden Wettbewerbsdruck auf den Telekommunikationsmärkten. Die etablierten und auch die neuen Anbieter unterliegen daher verstärkt dem Zwang, ihre Dienste kostenorientiert zu tarifieren. Dies kann nur unter der Voraussetzung erfolgen, daß der Anbieter in der Lage ist, die tatsächlichen Kosten eines Dienstes möglichst exakt zu ermitteln. Zugleich ist die Berechnung der Kosten einzelner Netzelemente bzw. spezieller auf Basis dieser Elemente erbrachter Dienste eines Netzbetreibers, wie Vermittlung und Übertragung, ein essentieller Input für Entscheidungen des Regulierers über die Angemessenheit von Endkundentarifen und Zusammenschaltungsentgelten nach Maßstäben der Orientierung an den Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung, wie sie z.B. im deutschen Telekommunikationsgesetz verankert sind.

In dieser Studie wird eine Methode vorgestellt, nach der Einheitskosten pro Erlang als Grundlage der Tarifierung von Telefonverbindungen festgestellt werden können. Es wird dabei von den Investitionskosten für vermittelte Schmalbandleitungen der Geschwindigkeitsklasse 64 kbit/s ausgegangen. Aus diesen Investitionskosten werden die jährlichen Kapitalkosten und daraus die entsprechenden Einheitskosten berechnet unter der Annahme verschiedener Verkehrsauslastungen pro Leitung.

Der methodische Ansatz basiert auf einer funktionellen und topologischen Zerlegung des Netzes und einer daraus gewonnenen Klassifizierung der Schmalbandleitungen in verschiedene Leitungstypen, die sich aus einer reduzierten Menge von Referenzverbindungen zusammensetzen. Die Kosten je Leitungstyp ergeben sich dann aus der Addition der Kosten der zugehörigen Referenzverbindungen und den Kosten der sie verbindenden Schnittstellen. Es werden Gesichtspunkte der Netzgestaltung und auslastung durch die Definition zugehöriger Parameter mit entsprechenden Wertebereichen einbezogen. Dabei spiegeln die jeweils aktuellen Werte der Parameter die Situation des zugrundeliegenden Netzes in seinen verschiedenen funktionellen Ebenen wider. Durch Variation dieser Werte wird der Einfluß verschiedener Netzparameter auf die Einheitskosten pro Erlang untersucht.