Meldung

25.03.1996

Nr. 158: Darstellung und Analyse der Finanzdienste von La Poste

Wolfgang Elsenbast

Darstellung und Analyse der Finanzdienste von La Poste
Nr. 158 / März 1996

Zusammenfassung

Der Erfolg der Finanzdienste von La Poste in Frankreich ist im Rahmen der Neufestlegung der vertraglichen Beziehungen zwischen der Deutschen Post AG und der Deutschen Postbank AG von Interesse. Im Vergleich zu Deutschland (und einer Vielzahl anderer Staaten) besitzt die französische Post einen vergleichsweise hohen Marktanteil im Bereich der Finanzdienstleistungen und sichert somit eine bessere Auslastung ihres Filialnetzes. Zu einer ökonomischen Einordnung dieses Erfolges ist es aber notwendig, die politischen Vorgaben von La Poste als auch die Entwicklung der Finanzdienste unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Eigenschaften des französischen Finanzmarktes zu untersuchen.

Die Finanzdienste von La Poste können nicht mit einer Bank verglichen werden. La Poste ist vielmehr ein Vermittler von Finanzdienstleistungen. La Poste unterliegt politischen Vorgaben bei den Finanzdienstleistungen, welche sich in erster Linie auf den Vertrieb der Produkte der nationalen Sparkasse beziehen. Im Bereich des Kreditwesens bestehen enge Beschränkungen des Tätigkeitsfeldes. Bemerkenswert ist, daß die Finanzdienste weitgehend eigenverantwortlich in der Erbringung ihrer Dienstleistungen sind.

Bedingt durch den mengenmäßigen Erfolg kann La Poste eine vergleichsweise hohe Auslastung des Filialnetzes gewährleisten. Dabei gilt es zu berücksichtigen, daß der Erhalt der Filialnetzdichte staatlicherseits (bzw. für die Jahre 1996 und 1997 durch eine Eigenverpflichtung) weitgehend festgelegt ist. La Poste kann folglich ihr Filialnetz nicht nach ökonomischen Kriterien optimieren.

La Poste hat durch eine aktive Vertriebspolitik, deren Ziel eine konsequente Einführung neuer Produkte ist, einen wesentlichen Marktanteil bei den Finanzdienstleistungen gesichert (bzw. im Kerngeschäft sogar ausgeweitet). Ob die vorliegende Marktpräsenz tatsächlich einen ökonomischen Erfolg darstellt, kann aber aufgrund des Fehlens einer aussagefähigen Kostenrechnung nicht belegt werden. Die Marktposition wurde in erster Linie begünstigt durch (i) eine relativ frühzeitige Öffnung des Zugangs zu komplexeren Finanzdienstleistungen, (ii) das Vorrecht steuerbegünstigte Sparbücher anzubieten (Livret A) und (iii) durch erfolgreiche Kooperationen auf dem in der jüngsten Vergangenheit expandierenden Lebensversicherungsmarkt. Allerdings weisen Lebensversicherungen in Frankreich vorwiegend einen Sparplancharakter auf. Infolgedessen ist der Erfolg von La Poste nicht direkt mit der Entwicklung von (ehemaligen) Postbanken in anderen Ländern vergleichbar.