Meldung

05.03.1996

Nr. 157: Determinanten der Diffusion neuer Telekommunikationsdienste

Alwin Mahler

Determinanten der Diffusion neuer Telekommunikationsdienste
Nr. 157 / März 1996

Zusammenfassung

Im Telekommunikationsbereich sind in den letzten Jahren eine Vielzahl neuer Dienste angeboten worden. Einige dieser Dienste weisen bereits eine relativ hohe Verbreitung auf; andere dahingegen wurden vom Markt kaum angenommen und es ist fraglich, ob es überhaupt zu einem "take-off" kommen wird. Somit stellt sich die Frage, was die Determinanten für die Diffusion innovativer TK-Dienste sind und wo Diffusionshemmnisse liegen. Hier knüpft die vorliegende Studie aus Sicht der Theorie und der Empirie an. Als Analyserahmen wird dabei der allgemeine, interdisziplinäre diffusionstheoretische Ansatz von Rogers herangezogen. Gemäß diesem Ansatz sind für die Diffusion insbesondere die Innovation, die Zeit und das "soziale System" wichtige Bausteine. Hinsichtlich der Diffusion von TK-Diensten ergibt sich, daß dem Phänomen der Externalitäten und dem damit eng verbundenen Problem der Kompatibilitätsstandards eine zentrale Bedeutung zukommt. Diese Eigenschaften können in Verbindung mit der Komplexität insbesondere neuerer TK-Dienste zu einer Beeinträchtigung der für den Diffusionsverlauf grundsätzlich als relevant erachteten Merkmale der Innovation führen. Für die Diffusionskurve hat dies typischerweise zur Folge, daß zu Beginn nur sehr wenige die Innovation übernehmen (linksschiefer Diffusionsverlauf). Für den weiteren Verlauf der Diffusion ist es insbesondere aufgrund der Externalitäten, die eine gegenseitig abhängige Nachfrage bedingen, entscheidend, eine "kritische Masse" an Teilnehmern zu erreichen. Die Wirkungsweise der Spezifika von TK-Innovationen hängt allerdings stark von den das soziale System kennzeichnenden wechselseitigen Beziehungen, im konkreten Fall der Interaktion wirtschaftlicher Akteure auf Märkten, ab.

Im Kontext dieses theoretischen Rahmens wurden eine Fülle von Hypothesen bezüglich der Diffusion von TK-Diensten herausgearbeitet. Diese sind anhand einer Primärdatenerhebung im Bankensektor bezüglich des Einsatzes neuer TK-Dienste überprüft worden. Danach ergibt sich zwischen der Innovativität der Adoptoren und der Größe des Unternehmens, u.a. gemessen anhand der Bilanzsumme oder der Anzahl der Beschäftigten, sowie der vorhandenenen "technologischen Ausstattung" bzw. des Know-hows der erwartete positive Zusammenhang. Dieser ergibt sich hingegen nicht für das Unternehmenswachstum und die allgemeine Innovationsfreudigkeit des Unternehmens. Im Hinblick auf Adoptionshindernisse neuer TK-Dienste bestätigt sich die gemeinhin für die Diffusion vermutete relativ hohe Bedeutung einer geringen Verbreitung, der Komplexität und der organisatorischen Kompatibilität der Innovation, nicht jedoch die der personellen und technologischen Kompatibilität bzw. der Standardisierung. Auch für die in der Literatur genannten Erklärungszusammenhänge des linksschiefen Diffusionsverlaufs findet sich keine generelle Bestätigung in den vorliegenden Daten. Ein von Dienst zu Dienst unterschiedliches Auftreten der Spezifika - insbesondere der direkten Netzeffekte - deutet darauf hin, bei Studien zur Diffusion von TK-Diensten von der Betrachtung konkreter Dienste und deren Anwendungskontext auszugehen. Zudem gilt es bei jeder dienstespezifischen Diffusionsuntersuchung die generell aus ökonomischen Modellen abgeleiteten Implikationen für die Diffusion von TK-Diensten auf ihre Relevanz hin zu überprüfen.