Meldung

10.03.1994

Nr. 125: Elastizitäten im Telekommunikationsbereich - Angewandte Nachfrageanalyse in den USA und Kanada (vergriffen)

Dieter Elixmann


Elastizitäten im Telekommunikationsbereich - Angewandte Nachfrageanalyse in den USA und Kanada

Nr. 125 / März 1994

(vergriffen) Zusammenfassung


In den USA und Kanada stützen seit den 60er Jahren Regulierungsbehörden wie Telekommunikationscarrier Entscheidungen zunehmend auf Ergebnisse der angewandten Nachfrageanalyse. Ein zentraler Fokus dieser ökonometrischen Schätzungen sind Elastizitäten, insbesondere Preiselastizitäten. Das Gewicht, das in Nordamerika einer möglichst genauen Kenntnis der strukturellen Merkmale der Nachfrage beigemessen wird, erklärt sich zum einen aus Spezifika der Regulierungspraxis. Zum anderen verlangt die zunehmende Wettbewerbsintensivierung von den Carriern, ihre Tarif- und Produktpolitik auf die Bedürfnisse des Marktes, d.h. insbesondere der der Kunden, einzustellen.


Die vorliegende Untersuchung stellt Methodologie und Ergebnisse von Arbeiten aus Nordamerika vor, die auf verschiedene Themenbereiche der Nachfrage nach Telekommunikationsdiensten fokussieren. Dazu gehört die Analyse der Bestimmungsgründe der Telefonpenetration der privaten Haushalte, die Schätzung von Verkehrselastizitäten, die Untersuchung der Determinanten der Nachfrage von Carriern bei Carriern, die Beurteilung der Auswirkungen von Regulierungs- und Wettbewerbspolitik in den USA auf Preise und Wettbewerb, die Identifikation von Nutzerpräferenzen im Rahmen der Preis- bzw. Produktpolitik eines Carriers, sowie die Ableitung von Eigenschaften der Nachfrage nach internationalem Verkehr.


Mit Blick auf die zum Einsatz kommenden Methoden bei der empirischen Schätzung von Elastizitäten ist im letzten Jahrzehnt ein gewisser Paradigmenwechsel festzustellen. Früher beruhten die ökonometrischen Untersuchungen hauptsächlich auf reinen Zeitreihendaten. Heute werden in vielfältiger Form zusätzlich Querschnittsinformationen berücksichtigt (z.B. Paneldaten). Darüber hinaus verwenden viele Arbeiten mittlerweile "discrete-choice" Modelle. Dies führt in der Regel auf die Klasse der "Probit-" bzw. "Logit-Ansätze".


Die Preiselastizität der Telefonpenetration der privaten Haushalte ist sehr klein. Als Orientierungsgröße kann man einen Wert von -0,05 (in Kanada näher bei Null als in den USA) ansehen. Die Größenordnung der Preiselastizität der Fernverkehrsnachfrage liegt bei -0,5. Dabei ist der intraLATA Fernverkehr in den USA bzw. der Verkehr zwischen benachbarten Provinzen in Kanada weniger preissensitiv, wohingegen die Elastizität des die Staatengrenzen überschreitenden nationalen Fernverkehrs in den USA wie auch zwischen weit entfernten Provinzen in Kanada über diesem Wert liegt. In jedem Fall nimmt die Elastizität mit der Entfernung zu. Neben der Entfernung sind Verkehrselastizitäten im Telefondienst auch von der tarifären Zeitzone und dem Nutzerkreis mehr oder weniger abhängig.


Das Bestehen eines "reverse-calling effects", d.h eine Externalität gemäß dem Prinzip "Wenn Du mich anrufst, ruf ich zurück", wird durch viele Untersuchungen belegt. Dieser ist für den nationalen Verkehr quantitativ durchaus erheblich: Verkehr in eine Richtung erzeugt zu rd. 50 % Verkehr in die andere Richtung. Für den internationalen Verkehr ist dieser Effekt bei weitem nicht so ausgeprägt und liegt in der Größenordnung von 10 %. Der Diskussionsbeitrag ist vergriffen und nicht mehr verfügbar.