Meldung

15.09.1993

Nr. 117: Nutzung der Telekommunikation durch ältere Menschen - Qualitative Studie in ausgewählten Lebenslagen und sozialen Situationen

Norbert Kordey

Nutzung der Telekommunikation durch ältere Menschen - Qualitative Studie in ausgewählten Lebenslagen und sozialen Situationen
Nr. 117 / September 1993

Zusammenfassung

Mit der qualitativen Analyse der Nutzung und Anwendungsmöglichkeiten der Telekommunikation durch ältere Menschen konnte ein vertieftes Verständnis in das Nutzungsverhalten und die Anwendungsmöglichkeiten von Telekommunikation in der Alltagswelt älterer Menschen gewonnen werden.

Im dreiteiligen Hauptteil der Arbeit ist die faktische Nutzung des Telefons durch ältere Menschen, die Entwicklung von Verhaltens- und Bedarfstypen sowie Anforderungen der älteren Menschen an die Telekommunikationsendgeräte und -dienste konkretisiert worden. Aus 53 Tiefeninterviews und 7 Gruppendiskussionen konnten im Rahmen dieser qualitativen Studie 6 unterschiedliche Verhaltens- und 4 Bedarfstypen hinsichtlich des Nutzungs- und Kommunikationsverhaltens von Telekommunikation generiert werden. Ausgewählte Einzelbeschreibungen über individuelle Lebenslagen geben anhand von Kommunigrammen Aufschluß über das persönliche Kommunikationsnetz einschließlich der Telefonkontakte. Detailliert wurden von den älteren Menschen Aussagen zu bestehenden allgemeinen, wie auch zu altersspezifischen "Telekommunikations-Diensten" sowie zur Funktionalität von Endgeräten erhoben.

Die Bedeutung der Telekommunikation für die Aufrechterhaltung von Kommunikationsbeziehungen ist groß und nimmt mit zunehmenden Alter, trotz reduzierter Kontaktnetze, zu. Insbesondere die Integrationsfunktion des Telefons, die Vermittlung einer "psychologischen Nachbarschaft", ist für die Älteren bedeutsam. Ergänzt wird dies durch die hohe Bedeutung der "Sicherheitsfunktion", die das Telefon, der Haus-Notruf oder der im Pilotversuch befindliche Haus-Tele-Dienst zu geben vermag.

Die Akzeptanz des Telefons ist bei den untersuchten Senioren hoch. Ältere Menschen sind in Hinblick auf das Angebot neuer Dienste, Endgeräte und der Tarifregelung noch immer unzureichend informiert. Letzteres ist auffällig, da die Kostenempfindlichkeit der älteren Menschen relativ hoch ist. Betrachtet man die Bandbreite der Nutzung von Telekommunikation durch ältere Menschen (Gehörlosentelefon, Vitaphon, TeleRing, Telefonseelsorge oder Haus-Notruf) wird das Nutzungspotential der Telekommunikation für ältere Menschen deutlich.

Das Design und die Handhabung von Kommunikationstechnologie ist verbesserungswürdig. Zukünftige Kommunikationstechnologie sollte auf ein "transgenerational Design" ausgerichtet sein. Insbesondere den älteren, nicht mehr im Berufsleben stehenden Mitbürgern, muß die Erlangung von technischer Kompetenz, die zur Nutzung unabdingbar ist, ermöglicht werden.

Der Nutzen einer interaktiven Kommunikationstechnologie wächst mit der Anzahl der zu erreichenden Teilnehmer. Eine Anforderung an die Gestaltung neuer "Techniken für die Kommunikation" sollte daher sein, weitestgehend von allen gesellschaftlichen Gruppen eingesetzt zu werden, um so der Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsschichten, z.B. älterer Menschen durch kreative Kommunikationslösungen vorzubeugen.