Meldung

28.12.2022

WIK Working Paper No. 6: Sie sind unter uns: Preissetzungsverhalten von Algorithmen in der Praxis

In diesem Beitrag untersuchen wir Muster und Preisniveaueffekte algorithmischer Preissetzung in den Marktsegmenten für OTC-Antiallergika und -Schmerzmittel in Deutschland. Auf der Grundlage eines neuartigen, stündlich erhobenen Datensatzes, der sich über vier Monate erstreckt und über 10 Millionen Einzelbeobachtungen enthält, kommen wir zu den folgenden Ergebnissen. Erstens ist das Preisniveau für Antiallergika im Vergleich zum Segment Schmerzmittel wesentlich höher, was auf eine geringere Preiselastizität bei Antiallergika zurückzuführen sein dürfte. Zweitens finden wir Belege dafür, dass diese Ausnutzung von Nachfragecharakteristika in Bezug auf die Preissetzungstechnologie heterogen ist. Einzelhändler mit einer fortschrittlicheren Preisalgorithmen setzen deutlich höhere Preisaufschläge für Antiallergika als Einzelhändler mit einer weniger fortschrittlichen Technologie. Drittens setzen Einzelhändler, die fortschrittlichere Preisalgorithmen einsetzen, im Durchschnitt niedrigere Preise. Dieses Resultat ist konträr zu Erkenntnissen aus Simulationen, stimmt hingegen mit empirischen Ergebnissen übereinstimmt, in Situationen, in denen viele Unternehmen auf einem Markt konkurrieren. Schließlich deuten unsere Daten darauf hin, dass Preisfindungsalgorithmen den Web-Traffic der Online-Shops der Einzelhändler als nachfrageseitiges Feedback bei der Preisgestaltung berücksichtigen. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer sorgfältigen Betrachtungsweise von Preisalgorithmen im Rahmen von Wettbewerbspolitik und weisen auf neue Risikopotentiale hin, wenn mehrere Akteure dieselbe Preisfindungsmethode anwenden.