International Conference

"Fibre Networks: Demand and analyses of costs and benefits"

June 6 - 7 2011, Berlin, Germany

Am 6. und 7. Juni 2011 fand in Berlin die international ausgerichtete WIK-Konferenz zum Thema „Fibre Networks - Demand and analyses of costs and benefits" statt. Die Veranstaltung bot Vertretern von Regulierungsbehörden, Netzbetreibern, Diensteanbietern und unabhängigen Marktexperten aus der ganzen Welt ein Forum zur Diskussion der Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nachfrage nach breitbandigen Internetzugängen und -diensten. Darüber hinaus wurden die vielfältigen Aspekte erörtert, die für eine Bewertung des Nutzens hochbitratiger Infrastruktur relevant sind. Neben Europäern aus zahlreichen Ländern trugen auch Teilnehmer aus Neuseeland, Japan, den USA, Kanada und Südafrika zu einer angeregten Diskussion aus unterschiedlichsten Perspektiven bei.

Dr. Karl-Heinz Neumann (WIK) leitete die Konferenz mit einem Überblick über die aktuelle Diskussion um Breitbandnachfrage und die erwarteten Nutzenaspekte von breitbandiger Infrastruktur ein. Er führte aus, dass weltweit hochbitratige Infrastrukturen aufgebaut werden und damit eine steigende Verfügbarkeit hoher Bandbreiten zu konstatieren ist, deren Nutzung jedoch derzeit gering sei. Das Ziel der Konferenz bestehe darin, durch Diskussion empirischer Erkenntnisse aus zahlreichen Ländern und die Bewertung der kritischen Fragestellungen aus der Perspektive von Politik, Marktteilnehmern und Wissenschaft einen Beitrag zu einem möglichst fundierten Verständnis der wichtigsten Herausforderungen zu schaffen und Ansätze für Handlungsoptionen zu erkennen.

Session I „Broadband demand: Empirical evidence from USA and Japan"

Die von J. Scott Marcus (WIK) moderierte Session zeigte empirische Erkenntnisse aus den Breitbandmärkten in den USA und Japan auf. John Horrigan, Ph.D. (TechNet, USA), gab in seinem Vortrag „Trends and prospects in broadband adoption in the U.S." Einblick in die Breitbandnutzung US-amerikanischer Haushalte. Er machte deutlich, dass es dabei auch wichtig sei zu verstehen, warum etwa ein Drittel der US-Amerikaner keinen Breitband-Zugang haben und welche Probleme daraus resultieren, wenn bestimmte Dienste nicht genutzt werden können(z.B. Online-Bewerbungen). Derzeit haben 66% der US-amerikanischen Bevölkerung zu Hause Zugang zum Breitband-Internet, schwerpunktmäßig über DSL und Kabel. Auf diesem Niveau stellt sich in den USA eine weitere Ausweitung der Breitband-Penetration schwierig dar, da es einen relativ großen Anteil von „Non-Adopters" gibt, die nur schwierig zu aktivieren sind. Der Kostenfaktor des Breitbandzugangs bildet dabei den wichtigsten Hinderungsgrund für die Nutzung von Breitband. Als wichtigste demographische Einflussfaktoren nennt Horrigan Bildung und Einkommen. Lediglich für 5% der Nutzer ist fehlende Verfügbarkeit von Breitband der Grund für die Nicht-Nutzung.

Tatsuo Takita (Infocom Research, Japan) verdeutlichte in seiner Präsentation die Einflussfaktoren auf die Nachfrageentwicklung nach Breitbandzugängen in Japan. Zunächst zeigte er auf, dass FTTH seit 2008 in Japan die wichtigste Zugangstechnologie zu Breitband ist. Die Breitbandpenetration selbst hingegen ist in Japan weniger hoch als in internationalen Vergleichsländern (2009: ca. 60%). Die Breitbandadoption in Japan war im Jahr 2001/2002 durch einen starken Anstieg der DSL-Penetration geprägt, der durch aggressive Preisreduktionen in Folge steigenden Wettbewerbs ausgelöst wurde. In Japan besteht eine deutliche Lücke zwischen der bereits heute hohen Verfügbarkeit von DSL und FTTH und der tatsächlichen Nutzung dieser Zugangsmöglichkeit. Dabei haben v.a. Alter und Einkommen erheblichen Einfluss auf die Nachfrage, während Geschlecht und Zugangsort (ländlich/städtisch) sich weniger stark auf die Nutzung auswirken. Tatsuo Takita stellte anschließend die genutzten Dienste in Japan vor, bei denen im Wesentlichen keine Unterschiede zwischen schmalbandigen und breitbandigen Zugängen festzustellen sind. Der größte Unterschied besteht bei „personal web"-Diensten, die deutlich häufiger über Breitband genutzt werden.

Session II „Economic and social benefits of broadband"

Die zweite Session widmete sich der Bewertung des möglichen Nutzens breitbandiger Infrastruktur. Die von Dieter Elixmann (WIK) moderierte Session begann mit einer Bewertung der ökonomischen Auswirkungen von Breitband durch Prof. Bart van Ark (The Conference Board, USA). Van Ark bezog sich dabei auf den gesamten ICT-Bereich, dessen Charakter als „General Purpose Technology" er aufzeigte. Er legte insbesondere Erkenntnisse aus zwei einschlägigen Studien dar, von denen sich die eine auf einzelne Wirtschaftssektoren bezieht und die andere gesellschaftliche, kulturelle und ökonomische Veränderungen durch ICT adressiert. Van Ark stellte fest, dass in den USA bis 2007 Investitionen in ICT und „Multifactor Productivity" stärker ausgeprägt waren als in den EU-15-Ländern, wobei sich seit 2007 das Produktivitätswachstum abschwächt. Der internationale Vergleich machte darüber hinaus die wachsende Bedeutung der „emerging economies" für ICT-Investitionen deutlich. In Bezug auf die gesellschaftliche Bedeutung von ICT hob van Ark hervor, dass sich gesellschaftliche und technische Aspekte neuer Technologien wechselseitig beeinflussen und Nutzer so erheblichen Einfluss auf die technische Entwicklung haben.

Die nachfolgende Präsentation von Prof. Tobias Kretschmer (Universität München) bezog sich ausschließlich auf Breitband und konzentrierte sich auf die Bewertung ökonomischer Auswirkungen. Kretschmer verdeutlichte zunächst die methodischen Probleme, makroökonomische Effekte von Breitband-Penetration zu messen und zeigte danach die Grundlagen seines ökonometrisch ausgerichteten Modells auf. Kretschmer führte aus, dass es am sinnvollsten sei, ausschließlich infrastrukturbezogene Kennzahlen als Kriterium zu nutzen. Für diese Kriterien liegen Daten von OECD und ITU vor, die für den Zeitraum von 1996-2007 eine gute Ausgangsbasis für die Anwendung eines ökonometrischen Modells bieten. Auf der Basis dieses Modells können signifikante Steigerungen des BSP/Kopf als Folge höherer Breitbandpenetration konstatiert werden. So steigt das BSP/Kopf nach der Einführung von Breitband um 2,7-3,9% pro Jahr.

Key Note „The European Commission’s perspective on fostering the deployment of broadband networks and the utilisation of its potentials"

Reinald Krüger (Europäische Kommission) hielt eine Key Note Speech, die die politischen Ansätze der Europäischen Kommission beim Aufbau breitbandiger Infrastruktur aufzeigte. Er erläuterte zunächst die Eckpunkte der Digital Agenda, die eine von sieben Initiativen im Rahmen der Europe 2020 Strategy zur Überwindung der Krise und als Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen bildet. Breitbandiger Internetzugang wird dabei als grundlegende Basis für Wachstum, Produktivität und soziale Integration in Europa betrachtet. Das Ziel der Digital Agenda besteht darin, bis zum Jahr 2013 Breitband-Zugänge für alle Europäer bereitzustellen, die im Jahr 2020 Bandbreiten von 50 Mbit/s im Download erreichen. Unter den bisher eingesetzten Instrumenten hob Krüger die NGA-Recommendation, das Radio Spectrum Policy Programme und Communication on Broadband hervor. Heute verfügen 95% der Europäer über festnetzgestützten Breitband-Internet-Zugang und bis 2013 wird das Ziel der flächendeckenden Verfügbarkeit höchstwahrscheinlich erfüllt sein. Krüger machte deutlich, dass die für das Jahr 2020 angestrebten Bandbreiten nur erreichbar sind, wenn deutlich mehr Investitionen in Glasfaser erfolgen. Die Europäische Kommission vertritt den Standpunkt, dass Regulierung nur dann erfolgen sollte, wenn zu wenig Wettbewerb feststellbar ist. Dabei soll das Prinzip der Technologieneutralität berücksichtigt werden. Es ist eine intensive Interaktion zwischen den nationalen Regulierungsbehörden und der europäischen Kommission erforderlich. Seit dem 25. Mai 2011 gilt, dass Regulierungsmaßnahmen der nationalen Regulierungsbehörden von der Kommission und der BEREC notifiziert werden müssen.

Session III „Broadband demand - Residential and business perspectives"

Die Session, die von Dr. Karl-Heinz Neumann (WIK) geleitet wurde, konzentrierte sich auf empirische Erkenntnisse zur Breitbandnachfrage im Privatkundensegment und im SME-Segment. Dr. Wolf Osthaus (United Internet AG) stellte in seiner Präsentation die Marktforschungsergebnisse von United Internet vor. Er konstatierte, dass das Interesse an höherer Bandbreite von der aktuellen Nutzungssituation abhängt. Vor allem Nutzer aus ländlichen Gebieten sind mit ihrem bisherigen Internet-Zugang unzufrieden. Das Interesse an neuen Diensten entwickelt sich mit der Möglichkeit des Nutzers, neue Dienste kennenzulernen. Der Bandbreitenbedarf wird Osthaus zufolge insbesondere durch video-basierte Anwendungen geschaffen. Die Zahlungsbereitschaft für höhere Bandbreite ist der Befragung zufolge gering: 38% der Befragten sind nicht bereit, zusätzliche Kosten für höhere Bandbreiten auf sich zu nehmen. Im Durchschnitt besteht bei knapp 50% der Nutzer eine Bereitschaft, etwa 5 Euro pro Monat für höhere Bandbreiten auszugeben. Die höchste Zahlungsbereitschaft besteht bei denjenigen, die mit der bisherigen Performance ihrer Internetverbindung unzufrieden sind, d.h. insbesondere bei Nutzern aus ländlichen Gegenden.

Anschließend führte Raakhi Odedra (Scottish Government) die Ergebnisse einer im September/Oktober 2010 in Schottland durchgeführten Studie über die gegenwärtige und zukünftige Nutzung von Breitbandzugängen in kleinen und mittleren Unternehmen aus. Diese basierte auf einer telefonischen Befragung einer als repräsentativ anzusehender Stichprobe. Eine wichtige Fragestellung dieser Studie bezog sich darauf, ob die Bandbreite der angebotenen Zugänge das Wachstum und die Produktivität der Unternehmen behindere. Derzeit sind 75% der schottischen Unternehmen an Breitband-Internet angeschlossen, wobei Mikrounternehmen eine Penetrationsrate von 72% aufweisen und Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten 95%. E-Mail und allgemeine Internetrecherche sind dabei die mit Abstand bedeutendsten Dienste. 82% der Nicht-Nutzer geben an, dass der Nutzen des Internets für ihr Unternehmen sehr begrenzt sei. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen möchte zukünftig jedoch ein weiteres Spektrum an Diensten nutzen. Dabei ist ein Drittel der Unternehmen bereit, für mehr Bandbreite zukünftig höhere Ausgaben zu tätigen, wobei mehrheitlich um die 5 Euro Zusatzkosten akzeptiert werden. 67% der Befragten erwarten durch höhere Bandbreite eine Produktivitätssteigerung.

Session IV „Broadband demand - empirical evidence from Europe"

Unter dem Vorsitz von Roland Montagne (IDATE) leitete Prof. Hartwig Tauber (FTTH Council) die Session, die sich auf empirische Erkenntnisse über die Breitbandnutzung in Europa bezog, mit einem Überblick über den Stand der FTTB/FTTH-Penetration weltweit ein. Er zeigte auf, dass Asien weltweit mit Abstand führend ist. In Europa wird die Spitzenposition bei der FTTB/FTTH-Penetration von Litauen belegt, gefolgt von Schweden und Norwegen. In Gesamteuropa waren 2010 erst 8,4 Mio. Haushalte an FTTB/FTTH angeschlossen. Bis zum Jahr 2015 erwartet der FTTH Council jedoch einen starken Anstieg auf insgesamt 32,6 Mio. angeschlossene Haushalte. In Bezug auf Preise führte Tauber aus, dass FTTH derzeit an ein Premium-Segment vermarktet wird und etwas teurer als andere Technologien ist - wobei zu beachten ist, dass die vermarkteten Produktbündel auch höherwertige Dienste enthalten als konkurrierende Angebote. Den zukünftigen Bandbreitenbedarf bewertet Tauber mit Blick auf die Vielfältigkeit der möglichen Dienste für Privat- und Geschäftskunden hoch, insbesondere durch die zunehmende Bedeutung videobasierter Dienste in vielen Bereichen. Die zu erwartenden positiven Effekte von FTTH seien Tauber zufolge schwierig zu bewerten, da die Technologie erst seit wenigen Jahren verfügbar ist. An einigen Fallbeispielen konnte er jedoch exemplarisch aufzeigen, wie durch FTTH insbesondere in ländlichen Gegenden positive Effekte erreicht wurden, z.B. durch Stop des Bevölkerungsrückgangs, zunehmende Unternehmensansiedlung und bessere Versorgung älterer Menschen mit eHealth Services.

Dr. Pieter Nooren (TNO) fokussierte in seinem Vortrag am Beispiel der Niederlande auf die Entwicklung von Services in verschiedenen Sektoren der Wirtschaft. Die Niederlande haben mit knapp 38% Breitband-Penetration (Jan. 2010) eine Spitzenposition in Europa. Die Bandbreiten, die der niederländischen Bevölkerung zur Verfügung stehen, sind insgesamt sehr hoch, variieren jedoch erheblich: Für 98% der Bevölkerung sind Breitbandzugänge mit bis zu 30 Mbit/s verfügbar, 90% können bis zu 100 Mbit/s im Download beziehen. Der Schwerpunkt der breitbandigen Internet-Zugänge liegt jedoch auch in den Niederlanden noch bei weniger als 10 Mbit/s. Der Bandbreitenbedarf ist, insbesondere durch Video-Dienste getrieben, stark wachsend. Besonders hervorzuheben sind hierbei der Entertainmentbereich und Anwendungen im Bereich Gesundheit und Bildung. Neben der Bandbreite gibt es Nooren zufolge jedoch auch noch andere Kriterien, die für den sozi-ökonomischen Wert von Breitband entscheidend sind, insbesondere Verfügbarkeit, Open Access, Wettbewerb und Qualität. Durch die stärkere Interaktion verschiedener Wirtschaftssektoren gewinnen „Virtual Service Connections" an Bedeutung, die nicht nur auf Basis von „best-effort"-Qualität übermittelt werden können.

Panel-Diskussion „Broadband networks and their utilisation - the policy context"

Die den ersten Konferenztag abschließende Paneldiskussion über die politischen Rahmenbedingungen für den Aufbau von Breitbandinfrastruktur und Breitbandnutzung wurde von J. Scott Marcus (WIK) moderiert. Die Teilnehmer an dieser Paneldiskussion waren Reinald Krüger (EU-Kommission), der bereits wesentliche Grundzüge des europäischen Rahmen in seiner Key Note ausgeführt hatte, Bärbel Vogel-Middeldorf (BMWi), Dr. Ross Patterson (Commerce Commission, Neuseeland) und Prof. Arnold Picot (Ludwig-Maximilians-Universität, München).

Vogel-Middeldorf führte wesentliche Ziele und Eckpunkte der Breitbandstrategie der Bundesregierung aus, die im Jahr 2009 entwickelt wurde, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsstärke und Wachstumsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Als grundlegender Treiber für die Breitbandentwicklung sieht die Bundesregierung den Wettbewerb an und setzt auf das Prinzip der Technologieneutralität. Bis Ende 2010 strebte die Bundesregierung eine flächendeckende Versorgung mit Breitbandanschlüssen an und bis 2014 sollen für 75% der bundesdeutschen Haushalte Zugänge von mind. 50 MBit/s verfügbar sein. Für die vollständige Versorgung der bundesdeutschen HH mit Breitband spiele dabei insbesondere die LTE-Technologie eine Schlüsselrolle, aber auch staatliche Hilfen für die Erschließung von nicht auf marktwirtschaftlicher Basis versorgten Regionen.

Anschließend zeigte Dr. Ross Patterson die politischen Rahmenbedingungen für die Entwicklung hochbitratiger Infrastruktur in Neuseeland auf. Die neuseeländische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen ihres ehrgeizigen Breitbandprogramms „Ultrafast Broadband Initiative" bis zum Jahr 2020 für 75% der Neuseeländer eine Versorgung mit breitbandigen Internetzugängen (etwa 100 Mbit/s) zu erreichen. Innerhalb der ersten sechs Jahre der Initiative sollen vorwiegend Unternehmen, Schulen und Gesundheitsdienste mit hohen Bandbreiten angeschlossen werden. Bei der Umsetzung des Breitbandprogramms setzt die neuseeländische Regierung v.a. auf Public-Private-Partnerships. Darüber hinaus gibt es im Rahmen des Programms auch eine Initiative, die sich auf die Erschließung des ländlichen Raumes mit hohen Bandbreiten konzentriert („Rural Broadband Initiative").

Prof. Arnold Picot bewertete aus Sicht eines unabhängigen Experten die wesentlichen Herausforderungen politischer Ziele und Programme. Er machte deutlich, dass er die Pläne auf europäischer Ebene für sehr ehrgeizig hält. Insbesondere wies er darauf hin, dass der Wettbewerb der Infrastrukturen nicht überall funktionieren kann - insbesondere nicht auf ländlicher Ebene. In diesem Zusammenhang thematisierte er auch „Digital Divide" als eine zukünftige Herausforderung für die Politik, die begleitende Investitionen in Bildung erforderlich machen wird. Picot wies im Zusammenhang mit der im Breitbandbereich beobachtbaren Lücke zwischen verfügbarer Infrastruktur und tatsächlicher Nutzung darauf hin, dass dies ein generell bei Infrastruktur zu beobachtendes Phänomen sei. Die Investitionen in Infrastruktur seien daher als Investition in die Zukunft und als Option für zukünftige Innovationen zu betrachten und es sei von einer Lernkurve der Gesellschaft auszugehen.

Bei der sich anschließenden Diskussion wurden vielfältige Themen adressiert und von unterschiedlicher Seite kommentiert. Ein wesentlicher Teil der Diskussion bezog sich auf die Aktivitäten auf kommunaler Ebene und auf die Bedeutung des Wettbewerbs zwischen Kommunen als bedeutenden Anreiz für den Glasfaser-Rollout. Darüber hinaus wurde Open Access als wichtiges Gestaltungselement hervorgehoben. Auch der Dialog der Marktteilnehmer, wie er in Deutschland derzeit im NGA-Forum initiiert wird, fand in der Diskussion Beachtung.

Keynote "Cloud Services - Potentials and challenges"

Der zweite Konferenztag begann mit einer Keynote von Alf-Henry Wulf (Alcatel-Lucent) zum Thema "Cloud Services - potentials and challenges". Wulf machte zunächst deutlich, dass Berater und Analysten sich darin einig sind, dass Cloud Services ein hohes Marktpotenzial besitzen. Er zeigte darauf hin bekannte Beispiele für Cloud Services auf, z.B. youtube, facebook. Allen Cloud Services sei gemeinsam, dass sie hohe Anforderungen an die Netzinfrastruktur stellen, da Connectivity ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Cloud Services ist. Er hob unter den Anforderungen an das Wide Area Network insbesondere Quality of service, No latency, Security, 100% Availability, high speed und low cost hervor. Wulf zeigte die im Zusammenhang mit der Einführung von Cloud services erforderlichen Netzwerkstrukturen und die zukünftige Rolle virtueller Datencenter auf. Er verdeutlichte, dass breitbandige Infrastruktur eine Grundvoraussetzung für Cloud Services ist und dass die bestehende Wide Area Network-Infrastruktur noch nicht ausreichend auf Cloud Services vorbereitet ist.

Session V "Cross-sectoral aspects of future broadband service provision"

Robert Pepper (Cisco) zeigte in seiner Präsentation " Consumer Demand Driving Demand for Fibre" die neuesten Ergebnisse der laufenden Erhebungen von Cisco zur Entwicklung des IP Verkehrs auf. Dem „Cisco Visual Networking Index" (VNI), der nunmehr seit 5 Jahren kontinuierlich erarbeitet wird, liegt ein fundiertes Modell zugrunde, das aktuelle Daten und darauf basierende Prognosen über globale, nationale und regionalen Entwicklungen im Bereich des IP Verkehrs bereitstellen kann. Für den Zeitraum 2010-2015 zeigen die Erhebungen eine Vervierfachung des Verkehrs auf. Pepper machte deutlich, dass die ursprünglich formulierten Prognosen von Cisco dabei noch übertroffen wurden. Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung identifizierte Pepper das Zusammenspiel einer starken Zunahme von Endgeräten und Internet-Nutzern sowie von höheren Bandbreiten der Internet-Zugänge und der stark zunehmenden Bedeutung von rich media content im Bereich der Anwendungen. Pepper zufolge wird der IP-Verkehr im Wesentlichen durch Privatkunden bestimmt: die Prognosen von Cisco zeigen, dass im Jahr 2015 87% des globalen IP-Verkehrs im Consumersegment erzeugt wird.

Dr. Roman Friedrich (Booz&Company) zeigte in seinem Vortrag die Herausforderungen auf, die sich aus der durch Breitband ermöglichten Digitalisierung ergeben. Er unterschied dabei zwischen den Entwicklungen, die im Unternehmensbereich stattfinden („Digital Enterprise") und den Herausforderungen im Privatkundenbereich („Generation C"). Friedrich gab zunächst einen Überblick über die Veränderungen, die in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren durch die Möglichkeiten der Digitalisierung entstehen, und verdeutlichte das Potenzial der Digitalisierung für neue Dienste und Produktivitätssteigerung. Anschließend führte er aus, wie sich das Leben der Consumer, insbesondere durch die „Generation Connected", die mit Mobilfunk und Internet aufgewachsen ist, verändert. Er zeigte den typischen Kaufprozess eines Nutzers dieser Generation auf und verdeutlichte, wie dieses Consumerverhalten auch das Arbeitsleben und die Unternehmen prägen wird.

Keynote "Fixed and mobile broadband networks and services - Complements or substitutes"

Richard Feasey (Vodafone) beschäftigte sich in seiner Keynote mit dem Thema, ob zwischen mobilfunkbasiertem und festnetzbasiertem Breitband komplementäre oder substitutive Beziehungen bestehen. Für ein besseres Verständnis der Thematik unterschied Feasey zunächst zwischen Zugängen und Nutzung. In Bezug auf Zugang sei feststellbar, dass in Europa derzeit etwa 25% der Kunden als „mobile only"-Haushalte (Schmalband) zu bezeichnen sind, wobei zwischen einzelnen europäischen Ländern extreme Unterschiede bestehen. In Bezug auf die Nutzung machte Feasey darauf aufmerksam, dass in Haushalten, die sowohl über mobilfunk- als auch über festnetzgestützten Breitbandzugangsmöglichkeiten verfügen, eine intensive Nutzung der mobilen Zugänge zu Hause beobachtbar ist. Feasey zufolge richtet sich die Wahl der Zugangsmöglichkeit nach dem genutzten Dienst. Breitbandintensive Dienste wie Movies werden bevorzugt über Festnetz genutzt, während Mobilfunk-Besitzer ihr mobiles Endgerät gerne auch zu Hause für den Abruf von E-Mails oder News nutzen. Entscheidend für die zukünftige Entwicklung mobiler und breitbandiger Zugänge und Nutzung sind zahlreiche Faktoren, z.B. Mobile Data Pricing, die Entwicklung von HDTV und die Entwicklung besonders unsicherer Faktoren wie der Umfang der Migration zu Tablets oder die Bedrohung durch Jugendarbeitslosigkeit.

Panel-Diskussion "Broadband networks and service provision - Experiences and expectations of market players"

Die Konferenz endete mit einem Panel, das die Standpunkte unterschiedlicher Marktteilnehmer zum Thema Breitbandinfrastruktur und -dienste zum Thema hatte. Teilnehmer an dem von Karl-Heinz Neumann (WIK) moderierten Panel waren Dr. Joachim Haas (DTAG), Stephan Luiten (Liberty Global Europe), Robert Pepper (Cisco), Rolando Hess (Alcatel-Lucent) und Tatsuo Takita (Infocom Research). Während die anderen Unternehmensvertreter in der Konferenz bereits Gelegenheit zur Präsentation hatten, führten Dr. Joachim Haas (DTAG) und Stephan Luiten (Liberty) kurz die Standpunkte ihrer Unternehmen aus. Haas verdeutlichte zunächst, dass die DTAG grundsätzlich zu erheblichen Investitionen bereit ist. Diese müssten sich jedoch lohnen und sind angesichts der zahlreichen Unsicherheiten u.a. im politischen und regulatorischen Bereich für die DTAG derzeit noch mit zu hohen Risiken behaftet. Luiten machte v.a. den hohen Beitrag von Liberty zum Wettbewerb deutlich. Dadurch, dass Kabelnetzbetreiber im Breitband-Wettbewerb derzeit überdurchschnittlich hohe Bandbreiten bereitstellen, wird auch die Konkurrenz zur Erhöhung der Bandbreiten belebt. Kabelnetzbetreiber seien auch zukünftig in der Lage, hohe Bandbreiten zur Verfügung zu stellen, die den Bedarf der Nachfrager decken. Die sich anschließende Diskussion stellte v.a. auf die Geschäftsmodelle im Breitbandmarkt ab und bewertete das Erfordernis der Investitionen aus verschiedenen Blickwinkeln. Von Seiten der Konferenzteilnehmer wurden interessante Beispiele für erfolgreichen Glasfaserausbau eingebracht, z.B. aus Schweden.

Die Präsentationen der Konferenz stehen zum Download zur Verfügung.

Dieter Elixmann
Tel.: +49 2224 9225-43
Fax: +49 2224 9225-69
d.elixmann(at)wik.org

Karin Wagner
Tel.: +49 2224 9225-42
Fax: +49 2224 9225-69
k.wagner(at)wik.org