Internationale Konferenz

Superfast Broadband - A Lack of Supply or a Lack of Demand?

Am 25. und 26. November 2013 fand in Bonn im Rheinhotel Dreesen die international ausgerichtete WIK-Konferenz zum Thema „Superfast Broadband – A Lack of Supply or Lack of Demand?" statt.

Die Veranstaltung bot fast 100 internationalen Vertretern aus Politik, Industrie und Wissenschaft ein Forum zur Diskussion der Herausforderungen im Zusammenhang mit der zu beobachtenden Nachfragelücke zwischen Verfügbarkeit und Penetration.

Dr. Karl-Heinz Neumann (WIK) verdeutlichte in seinem Einführungsvortrag zunächst, dass in den vergangenen Jahren viele Länder durch umfangreiche private und öffentliche Investitionen eine hohe Verfügbarkeit von schnellen Breitband-Anschlüssen erreicht haben, die Nutzung dieser Infrastruktur sich jedoch bisher eher langsam entwickelt. Anschließend gab er einen Überblick über die ausgestaltete deutsche Breitband-Strategie, die sich den verstärkten Ausbau hochbitratiger Anschlüsse (mindestens 50 Mbps) zum Ziel gesetzt hat (2014: 75% Verfügbarkeit, 2018: 100% Verfügbarkeit). Mitte 2013 hatten 99,8% aller bundesdeutschen Haushalte Zugang zu mindestens 1 Mbps und 58,4% Zugang zu mindestens 50 Mbps. Als wesentliche Treiber des Breitbandausbaus fungierten LTE, die Implementierung von DOCSIS 3.0 durch die Kabelnetzbetreiber, der VDSL-Ausbau der Deutschen Telekom und die Glasfaseraktivitäten der deutschen Regional- und City Carrier. Bei den derzeit noch laufenden Koalitionsverhandlungen steht auch die Ausgestaltung der nationalen Breitbandstrategie zur Diskussion, wobei finanzielle Aspekte und Investitionsanreize noch zu klären sind.

Roberto Viola (Europäische Kommission) hob in seiner Keynote Speech die Eckpunkte der Digitalen Agenda und die Bedeutung des kürzlich von der Europäischen Kommission präsentierten „Connected Continent"-Ansatzes vor. Er zeigte zunächst, dass „Standard Breitband-Anschlüsse" in der EU nahezu flächendeckend verfügbar sind. Er wies jedoch darauf hin, dass die Abdeckung ländlicher Gebiete in einigen EU-Mitgliedsstaaten noch eine große Herausforderung sei, insbesondere bei NGA: während in der gesamten EU 54% der Haushalte Zugang zu NGA (VDSL, Kabel Docsis 3.0 und Glasfaser) haben, sind in ländlichen Gebieten nur 12% der Haushalte anschließbar. Abschließend machte Viola deutlich, welche Bedeutung die breitbandige Infrastruktur für die Schaffung von Arbeitsplätzen und für Wirtschaftswachstum hat und zeigte die Erreichung einzelner Ziele im Rahmen der Digitalen Agenda anhand der Digital Agenda Scoreboard 2013.

Session I „National Broadband Strategies – Objectives and Achievements"

In der von Prof. Arnold Picot (LMU Ludwig Maximilians-Universität, München) moderierten Session wurde die Umsetzung der Digitalen Agenda in den nationalen Breitbandstrategien ausgewählter EU-Mitgliedsländer in den Blick genommen und durch ein außereuropäisches Beispiel ergänzt.

Zunächst stellte Bertrand Vandeputte (Mission France Très Haut Débit, Frankreich) die beim Telekommunikationsministerium angesiedelte Mission „Très Haut Débit" vor. Der in diesem Rahmen formulierte Plan wurde erst im Jahr 2013 gestartet und setzt sich zum Ziel, bis 2013 Breitband flächendeckend verfügbar zu machen und bis 2022 Bandbreiten von mind. 30 Mbps flächendeckend auszubauen. Die zu diesem Zweck erforderlichen Investitionen in den Aufbau von NGA-Infrastruktur werden auf etwa 20 Mrd. Euro geschätzt, von denen zwei Drittel mit öffentlichen Mitteln finanziert werden soll. Bisher wurden etwa 30 Ausbauprojekte von Kommunen durchgeführt. Der gesamte Plan „Très Haut Débit" soll einem umfassenden Monitoring unterliegen und im Jahr 2014 soll eine Observatory Website eingerichtet werden.

Anschließend zeigte Finn Petersen (Ministry of Business and Growth, Danish Business Authority, Dänemark) die nationale Breitbandstrategie in Dänemark auf. Ausgehend von einer heute bereits gut ausgebauten Breitbandinfrastruktur setzt sich Dänemark das Ziel, bis 2020 flächendeckend Breitbandzugänge mit 100 Mbps download und 30 Mbps upload verfügbar zu machen. Zur Zielerreichung wurden 22 Initiativen zur Förderung von festnetzgestützten und mobilen Breitbandanschlüssen formuliert (z.B. Ausbauauflagen bei der Vergabe von Frequenzspektrum, Transparenzschaffung für den Endkunden). Zur Stimulierung der Nachfrage hat die Regierung im September 2013 eine neue „Public sector strategy on digital welfare" gestartet mit Fokus u.a. auf Telemedizin und Digital Education.

Marzena Sliz (Office of Electronic Communications, Polen) führte in ihrer Präsentation aus, wie in Polen die nationale Breitbandstrategie zur Erreichung der Ziele der Digital Agenda ausgestaltet ist. Polen weist im Vergleich zu anderen EU-Mitglieds¬ländern eine gering ausgebaute Breitbandinfrastruktur mit relativ geringen Übertragungsraten auf und steht damit vor großen Herausforderungen. Bis 2020 soll die polnische Bevölkerung flächendeckenden Zugang zu Bandbreiten von mindestens 30 Mbps erhalten und die Hälfte der Bevölkerung mit Bandbreiten von mindestens 50 Mbps versorgt werden. Zur Zielerreichung wurden sowohl Maßnahmen zur Infrastrukturentwicklung als auch zur Stimulierung der Nachfrage entwickelt.

Ein Beispiel für eine nationale Breitbandstrategie außerhalb Europas gab Stephen Gale (Commerce Commission, Neuseeland) . Er zeigte zunächst, dass die in Neuseeland genutzten Bandbreiten des Internet-Zugangs im internationalen Vergleich gering sind. Die sogenannte Ultrafast Broadband Initiative (UFB) setzt sich zum Ziel, FTTH für 75% der Neuseeländer verfügbar zu machen (mind. 100Mbps donwstream, 50 Mbps upstream im Jahr 2020). Darüber hinaus gibt es eine Breitbandinitiative mit Fokus auf ländliche Gebiete (Rural Broadband Initiative RBI), die die übrigen 25% der Bevölkerung adressiert. Auch in Neuseeland zeigt sich, dass bei einer inzwischen weit entwickelten Verfügbarkeit von sehr schnellen Breitbandzugängen der Uptake mit 3 % sehr gering ist. Als ein Hemmnis für die Nachfrage nannte Gale die sehr hohen Preise für Breitbandzugänge.

Session II „Demand for Superfast Broadband – Empirical Evidence"

Die zweite Session konzentrierte sich auf empirische Erkenntnisse zur Nachfrage nach Superfast Broadband und wurde von J. Scott Marcus (WIK) moderiert.

Zunächst stellte Pamela Learmonth (Broadband Stakeholders Group BSG, Vereinigtes Königreich) die BSG als eine Einrichtung vor, die die britische Regierung bei Breitbandfragen berät und sich seit 2012 zunehmend mit der Nachfrageseite des Breitbandmarkts befasst. Die in diesem Zusammenhang entstandenen Studien kamen zu dem Ergebnis, dass sich die Nachfrage nach Superfast Broadband relativ langsam entwickelt, insbesondere im Vergleich zur Breitbandnachfrage der ersten Generation. Ein internationaler Vergleich zeigt, dass Europa deutlich weniger Penetration von Superfast Broadband aufweist als die USA und Asien. Learmonth stellte heraus, dass sich insbesondere die Netzqualität, der Preis und die Service-Innovation auf die Nachfrage nach Superfast Broadband auswirken.

Hartwig Tauber (FTTH Council Europe) zeigte in seinem Vortrag zunächst die Ausgangssituation von FTTH in Europa auf und ging auf unterschiedliche Einschätzungen ein, ob und wann FTTH von Nutzern benötigt werde. Er betonte, dass Glasfasernetze einige Zeit bis zu ihrer tatsächlichen Nutzung brauchen, jedoch bisher nur vereinzelt FTTH-Projekte schon seit mehreren Jahren in Betrieb sind (z.B. Bredbandsbolaget mit etwa 65% take-up nach ungefähr 11 Jahren). Tauber hebt die hohe Bedeutung von Marketing hervor, um die Wahrnehmung des Nutzens der Bandbreite zu verbessern und Mißverständnisse zwischen Durchschnittsbandbreite und verfügbarer Bandbreite zu vermeiden. Häufig sind potenzielle Nutzer durch bestehende Laufzeitverträge gebunden. Daraus ergibt sich ein zeitlicher Verzug bei der Adoption hochbitratiger Anschlüsse, den es bei der Evaluierung der Breitbandnachfrage zu berücksichtigen gilt.

Erik Bohlin (Chalmers University, Schweden) präsentierte Ergebnisse einer ökonometrisch ausgelegten Studie über den schwedischen Breitbandmarkt, die sich auf die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen mit 100 Mbit/s bezog und auch die Zahlungsbereitschaft untersuchte. Die Studie führte u.a. zu dem Ergebnis, dass das Nutzungsverhalten und die Bewohnung eines Apartments signifikant positiven Einfluss auf die Breitbandadoption haben. Bezogen auf die Zahlungsbereitschaft für mehr Bandbreite ergab die Studie, dass Nutzer mit häufiger Nutzung und hohem Bewußstein für Übertragungsgeschwindigkeit ebenso wie mobile broadband-Nutzer eine signifikant höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen.

Session III „The Role of Demand-Side Policies"

Unter dem Vorsitz von Ilsa Godlovitch (WIK) leitete Matt Yardley (Analysys Mason, Vereinigtes Königreich) die Session über die Bedeutung nachfrageorientierte Politikansätze ein. Yardley zeigte zunächst, dass die Take-Up-Entwicklung von Standard-Breitband zehn Jahre nach Einführung eine Streuung von 30-40% innerhalb der EU aufweist. Er führte aus, dass die Ziele der Digital Agenda in Bezug auf die NGA-Coverage höchstwahrscheinlich nicht in allen Ländern erreicht werden können. Dabei hob er die besondere Bedeutung nachfrageseitiger Aspekte hervor. So wird die Nachfrage nach Superfast Broadband beispielsweise dadurch gehemmt, dass Konsumenten oft nicht wissen, welche Bandbreite sie gegenwärtig überhaupt nutzen. Den durchschnittlichen Nachfragern reichen meist die Dienste, die sie beziehen und das Interesse an Pay TV ist gering. Yardley zeigte den hohen Einfluss sozio-ökonomischer Faktoren auf die Breitband-Nachfrage auf. Durch nachfrageorientierte politische Instrumente kann mittel- und längerfristig das Potenzial an Superfast Broadband-Nutzern stärker ausgeschöpft werden.

Anschließend ging Scott Marcus (WIK) zunächst auf Coverage- und Adoption-Trends in der EU ein und verdeutlichte auch die Bedeutung der eingesetzten Technologien für die Penetration von Standard- und Superfast Broadband. Dabei spielt z.B. die Verfügbarkeit einer aufgerüsteten Kabelinfrastruktur eine Rolle, wie die Entwicklung in den Niederlanden, Belgien oder Malta zeigen. Anschließend ging Scott Marcus auf Nutzungstrends ein. Er zeigte anhand von Cisco VNI-Daten, dass Video im gesamten Verkehrsaufkommen eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus benötigen einige wenige Haushalte einen großen Anteil des gesamten Breitbandverkehrs. Die Nutzung korreliert dabei nur wenig mit der Übertragungsgeschwindigkeit des genutzten Breitband-Anschlusses. Abschließend führte er aus, dass eine Studie der Florence School of Regulation (Parcu et al.) im Auftrag der IRG zu dem Ergebnis kam, ab einem bestimmten Ausbaugrad breitbandiger Infrastruktur könnten nachfrageseitige Politikansätze möglicherweise stärkere Effekte als angebotsseitige Maßnahmen entfalten.

Panel-Diskussion „Superfast Broadband Supply and Demand - The Policy Context"

Der erste Konferenztag endete mit einem von Karl-Heinz Neumann (WIK) moderierten Panel, das die Einschätzung unterschiedlicher Akteure zu angebots- und nachfrageseitigen Politikansätzen zum Thema hatte. An dem Panel nahmen Fabrizio Porrino (Europäisches Parlament), René Dönni (BAKOM, Schweiz), Pamela Learmonth (Broadband Stakeholders Group, Vereinigtes Königreich) und Hartwig Tauber (FTTH-Council Europe) teil. Herr Neumann leitete die Paneldiskussion mit der Frage nach der Einschätzung nachfrage- und angebotsorientierter Maßnahmen und ihrer Relevanz ein. Zunächst wies Fabrizio Porrino (Policy Expert, European Parliament, Brüssel) auf die Studien hin, die im Auftrag des Europäischen Parlaments zu breitbandbezogenen Themen durchgeführt wurden. Er thematisierte die Herausforderung, zukunftsgerichtet zu denken und zu handeln, auch wenn gesicherte Prognosen vergleichsweise schwierig sind. René Dönni (BAKOM, Schweiz) warf die Frage auf, welche Einflussfaktoren relevant für die Breitbandnachfrage seien, zeigte zahlreiche Faktoren, die in der Schweiz auf die Angebots- und Nachfragesituation einwirken und dieses Land von anderen stark unterscheiden (z.B. Unterschiede Stadt/ Land). Pamela Learmonth (BSG) stellte fest, dass ein umfassendes Verständnis der Nutzerbedürfnisse und nachgefragten Dienste erforderlich sei, um politische Ansätze zielorientiert zu entwickeln. Darüber hinaus solle auch die Integration von Festnetz und Mobilfunk in angemessener Weise berücksichtigt werden. Hartwig Tauber (FTTH-Council) bestätigte die Problematik von Prognosen zur Breitbandentwicklung. Er betonte die hohe Bedeutung attraktiver Dienste für die Stimulierung der Nachfrage: Nutzer kümmern sich nicht um die Bandbreite, wünschen sich jedoch eine einwandfreie Funktionsweise der von ihnen genutzten Dienste.

Der zweite Konferenztag wurde mit einer Präsentation von Roland Montange (IDATE, Frankreich) eingeleitet. Er gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklung von FTTX basierend auf den im Auftrag des FTTH-Councils durchgeführten Erhebungen von IDATE in 39 Ländern. Ende 2012 lag der Anteil der Superfast Broadband-Anschlüsse an allen Breitband-Anschlüssen bei 21%, wobei auf die FTTH/B-Technologie 69% aller Superfast Broadband-Anschlüsse entfielen. Den Erhebungen von IDATE zufolge gab es Ende 2012 169,8 Millionen Nutzer von FTTx, von denen der größte Teil im asiatisch-pazifischen Raum feststellbar ist. Auf Europa entfielen 30 Mio. Nutzer. Zu den weltweit führenden FTTH/B-Ländern gehören bezogen auf die Anzahl der Nutzer die asiatischen Länder China, Japan und Südkorea, gefolgt von den USA und Rußland. Die VDSL-Technologie hingegen ist in Europa und in den USA von sehr hoher Bedeutung. Weltweit haben die USA die meisten VDSL-Nutzer, gefolgt von der Schweiz, Deutschland und Belgien.

Session IV „Broadband Strategies of German Carriers"

Die Session über Breitbandstrategien deutscher Netzbetreiber wurde von Ulrich Stumpf (WIK) moderiert. Dr. Adrian von Hammerstein (Kabel Deutschland) stellte in seiner Präsentation „Cable is Broadband" die hohe Bedeutung von Kabelnetzen für den Breitbandmarkt heraus. Er zeigte zunächst, dass Kabel in Deutschland nicht nur führend als TV-Plattform ist, sondern auch von wachsender Bedeutung im Breitbandmarkt (2012: 16%). Adrian von Hammerstein wies darauf hin, dass die Breitbandnachfrage stark durch Applikationen und multiple devices angetrieben wird. Er verdeutlichte, dass video-basierte Dienste mit einem sehr hohen Bandbreitenkonsum verbunden sind (insbesondere Ultra HDTV mit 32 Mbit/s). Kabel Deutschland kann inzwischen 90% der bereits aufgerüsteten Haushalte (d.h. 12, 5 Millionen Haushalte) mit Bandbreiten von 100 Mbit/s versorgen. 40% der an 100 Mbit/s anschließbaren Haushalte haben den Dienst nachgefragt. Er erwartet längerfristige Bandbreiten im Kabelnetz von 20 Gbit/s download und 3 Gbit/s upload.

Vesta von Bossel (Deutsche Telekom) stellte anschließend die „integrated network strategy" der Deutschen Telekom vor. Bezogen auf FTTH/B strebt die Deutsche Telekom Übertragungsraten von bis zu 200 Mbit/s download und 100 MBit/s upload an, die bis Ende 2013 für ca. 400.000 Haushalte verfügbar sein sollen. Der Glasfaserausbau findet in etwa 30 Städten statt. Parallel verfolgt die Deutsche Telekom den weiteren Ausbau von FTTC. Derzeit ist VDSL mit Übertragungsraten von bis zu 50 Mbit/s in 50 Städten sowie in ländlichen Gebieten verfügbar. Das Ziel bestehe darin, bis 2016 unter Einsatz von Vectoring eine Verfügbarkeit für 24 Mio. Haushalten zu erreichen. IPTV (Entertain) ist für etwa 22 Mio. Anschlüsse verfügbar. Bezogen auf LTE wird Ende 2013 eine Verfügbarkeit für 60% der Bevölkerung erwartet. Es werden bis Ende 2013 10.000 LTE sites betrieben. Die Datenraten betragen 75-150 Mbit/s (bei (LTE800/1800/2600)und können in 150 Städten angeboten werden. Von Bossel stellte anschließend das Potenzial von Vectoring und die hohe Bedeutung der BNetzA-Entscheidung für die Ausschöpfung dieses Potenzials heraus.

Als Beispiel für eine erfolgreiche Glasfaserstrategie aus dem Bereich der regional tätigen Carrier stellte Jens Prautzsch (MNet, Deutschland) die Strategie des bayrischen Carriers M-Net vor. Derzeit erreicht das Netz etwa 50% der Haushalte in Bayern, d.h. etwa 3 Millionen Haushalte sind an M-Net anschließbar. In einem Technologievergleich zeigte Prautzsch auf, dass nur Fttb/H keine Beschränkungen hat, während Cable, VDSL und LTE als „shared Medium" limitiert sind. Er zeigte, dass der Verkehr am Internetknoten in Frankfurt seit 2009 um 800% gestiegen ist und sieht als bedeutendste Treiber die steigenden Online-Aktivitäten, parallele Nutzung, steigende upload Nachfrage, Nutzung von IPTV (HD) und Streaming Content.

Session V „Migration Strategies of European Carriers"

In der nachfolgenden Session, die Thomas Plückebaum (WIK) moderierte, standen Migrationsstrategien europäischer Carrier im Fokus.

Didier Dillard (Orange, Frankreich) zeigte zunächst die Ausgangssituation für Superfast Broadband in Frankreich auf, wo der Ausbau von Superfast Broadband erst vergleichsweise spät begonnen hat. Aufgrund der gegenwärtigen Regulierungsbedingungen ist es Orange nun möglich, FTTH bis zum Jahr 2020 für 60% der französischen Bevölkerung auszubauen. Ende Oktober 2013 hatte Orange mit seinem Ausbauplan in etwa 360 Städten begonnen, die insgesamt 10 Mio. Haushalte umfassen. Dillard stellte Charakteristika der Superfast Broadband-Nutzer heraus: FTTH-Kunden verbrauchen mindestens zwei Mal soviel Datenvolumen wie DSL-Kunden und haben eine deutlicher höhere IPTV-Penetration. Allerdings kann derzeit für glasfaserbasierte Anschlüsse kein höherer Endkundenpreis als für DSL erzielt werden. Dillard hob hervor, dass für den Ausbau von Superfast Broadband ein Technologiemix von FTTC-VDSL, FTTH, Satellit und LTE genutzt werden muss. Es stelle sich allerdings die Frage, ob Kupferkabel und Glasfaser längerfristig parallel existieren können und unter welchen Bedingungen ein Übergang von Kupfer zu Glasfaser stattfinden kann.

Frederick de Backer (Telefonica, Spanien) stellte in seiner Präsentation die Perspektive von Telefónica vor. Er zeigte zunächst die Ausgangssituation im spanischen Breitbandmarkt und die Positionierung der bedeutendsten Marktteilnehmer auf. Telefonica steht vor der Herausforderung, Kunden von Standard-Breit¬band-Anschlüssen auf Superfast Broadband zu migrieren. De Backer führte aus, dass die Preise für Standard-Breitband-Anschlüsse niedrig sind und dadurch auch eine geringe Zahlungsbereitschaft für Superfast Broadband bestehe. Es sei also wichtig, den Wert von Superfast Broadband zu steigern, beispielsweise durch attraktive Inhalte, IPTV oder specialised Services. Daraus ergibt sich, dass Zugang zu Content zukünftig ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein wird. Für die Migration zu Superfast Broadband könnte es nach Einschätzung von de Backer hilfreich sein, Hauptverteiler im Kupferkabelnetz (innerhalb eines vernünftigen Zeitrahmens) zu schließen. Allerdings gibt es regulatorische Vorgaben für die Schließung der bestehenden Hauptverteiler, die für Telefónica eine kostenintensive Übergangsphase bedeuten. De Backer forderte, dass die Regulierung zumindest in wettbewerbsintensiven Gebieten begrenzt sein sollte.

Session VI „Content as a Driver for Broadband Demand"

René Arnold (WIK) leitete die Session über Content als Treiber für Breitand-Nachfrage mit einem kurzen Vortrag über die hohe Bedeutung von Video für den Bandbreitenverbrauch und die Breitand-Nachfrage ein. Er zeigte anschließend ein Video, das zukünftige Anwendungen und die Vision der digitalen Welt veranschaulichte.

Anschließend gab Martin McDermott (Akamai, Deutschland) einen kurzen Überblick über Akamai und den vierteljährlich publizierten „State of the Internet-Report", eine statistische Auswertung des Internet-Verkehrs, der über Akamai abgewickelt wird. In Deutschland wiesen im 2. Quartal 2013 75% der Breitband-Verbindungen mehr als 4 Mbps Bandbreite auf (Q2 2011: weniger als 50%). 15% der in Deutschland festgestellten Verbindungen sind schneller als 10 Mbps. Im internationalen Vergleich weist Japan kontinuierlich die höchsten Übertragungsraten auf, während die USA und Deutschland in den letzten Jahren stark aufgeholt haben und Frankreich nach wie vor zurückliegt.

James Waterworth (CCIA, Belgien) stellte in seiner Präsentation die Bedeutung von Content aus der Sicht von Content Providern vor. Zunächst zeigte er, dass Content Provider wie z.B. Google im Vergleich zu Netzbetreibern weitaus höhere Investitionen tätigen als vielfach angenommen wird. Anschließend führte er anhand einer empirischen Untersuchung von ICM aus, dass Zugang zu Content der wichtigste Beweggrund für Nutzer ist, zu einem höherbitratigen Internet-Anschluss zu wechseln. Dies gilt vor allem für Nutzer von Video-Diensten und Online-Spielen. Abschließend führte er aus, dass Netzneutralität für Content Provider wichtig sei, um zukünftige Investitionen zu tätigen.

Oliver Werner (WDR, Deutschland) gab in seiner Präsentation „Broadcast and Broadband for Radio and TV" zunächst einen kurzen Überblick über die Zugangsplattformen zum Fernsehen in Deutschland (2013: 46% der Haushalte Kabel, 46% Satellit, 11% DVB-T und 5% IPTV, z.T. parallel genutzt). Etwa ein Drittel der deutschen TV-Haushalte nutzt dabei schon HD-Empfang auf einem HD-Fernseher. Anschließend ging Oliver Werner auf IPTV als managed service ein. Der Trend geht zu einer zunehmenden Anzahl verschiedener (mobiler) Empfangsgeräte und einer steigenden Vielzahl an Audio- und Videodiensten. Bei der Fernsehübertragung gilt es daher, z.B. eine zunehmende Anzahl von mobilen Betriebssystemen zu berücksichtigen, um den Empfang für alle Endgeräte zu realisieren. Eine besondere Herausforderung stellen Nachfragespitzen dar, wie sie z.B. durch die UEFA Euro 2012 verursacht wurden. Die Zukunft liegt laut Werner im Hybrid Broad(er)casting , einer Kombination aus Broadcast und IP-Internet.

Session VII "Financing of Broadband Investment"

Zunächst erörterte Gabrielle Gauthey (Alcatel-Lucent, Frankreich) die wichtigsten Branchentrends und stellte die finanziellen Herausforderungen des Breitbandausbaus heraus. Je nach Berechnung variieren die Investitionen in den Ausbau von Superfast Broadband in Europa zwischen 73 und 290 Mrd. Euro, um die Ziele der Digital Agenda zu erfüllen. Für einen profitablen Business Case ist insbesondere der kosten-effiziente Aufbau der Infrastruktur und die Nachfrageseite von Bedeutung. Bei einer Penetration von 20% bedeuten 5% mehr Nachfrager 15% Reduktion von CAPEX/Nutzer. Der Betrachtungszeitraum privater Investoren ist jedoch sehr kurz, während für den Ausbau von Superfast Broadband ein wesentlich längerer Zeitraum (etwa 40 Jahre) betrachtet werden müsse.

Harald Gruber (EIB) führte anschließend heraus, dass die EIB als öffentliche Bank aller europäischen Mitgliedsländer in Breitbandinfrastruktur investiert, weil diese für Wirtschaftswachstum eine hohe Bedeutung hat. Ein großer Teil des NGA-Netzausbaus – vor allem in dünn besiedelten Gebieten - ist nicht finanziell profitabel. Daher kann nur etwa ein Drittel des Finanzierungsbedarfs über den Kapitalmarkt abgedeckt werden. Investoren müssen davon überzeugt werden, dass der Betrachtungszeitraum für Investitionen in Glasfaserinfrastruktur auf mindestens 15 Jahre ausgeweitet werden muss (anstelle der üblichen 5 bis 10 Jahre). Gruber zeigte abschließend erfolgreich realisierte Fttx-Projekte, an deren Finanzierung die EIB beteiligt war (darunter Iliad, Fastweb, Deutsche Telekom, MNet).

Harald Stöber (Vodafone) stellte den BB Glasfaserfonds vor, der sich auf die Finanzierung von Glasfaserprojekten in Städten mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern konzentriert. Auch in diesen kleineren Städten gibt es laut Stöber hochprofitable Ausbaugebiete, die basierend auf einer umfangreichen Datenauswertung identifiziert werden können. Zu den kritischen Faktoren für den profitablen Breitbandausbau gehört z.B. die Zahl der Haushalte/Haus und der durchschnittliche Abstand zwischen Häusern. Basierend auf umfangreichen Marktanalysen wurden 400 Top Städte ausgewählt, die günstige Bedingungen für einen profitablen Business Case bieten. Umgesetzt werden soll der Investitionsansatz der BBmbH, indem Standardisierung gezielt zur Senkung von Komplexität und Kosten genutzt werden soll, eine zentrale Marketing&Sales-Struktur organisiert wird, der Betrieb zentralisiert und an einen einzelnen Betreiber outgesourct wird.

Karl-Heinz Neumann (WIK) dankte abschließend allen Referenten und Konferenzteilnehmern für die interessanten Beiträge und Diskussionen und kündigt die nächste WIK-Konferenz für März 2014 in Brüssel an.

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