Diskussionsbeiträge

Michael Brinkmann, Dragan Ilic

Technische und ökonomische Aspekte des VDSL-Ausbaus, Glasfaser als Alternative auf der (vor-) letzten Meile

Nr. 281 / Oktober 2006

Zusammenfassung

Zu einer der relevantesten Entwicklungen im deutschen Telekommunikations-markt gehört gegenwärtig der Ausbau des Teilnehmeranschlussnetzes mit Glasfaser und die damit verbundene Einführung der Übertragungstechnik VDSL. Die Deutsche Telekom verlegt zur Zeit in 10 und später in 40 weiteren deutschen Großstädten Glasfaser im Teilnehmeranschlussbereich, um auf dieser Basis VDSL einzuführen und Triple Play- Dienste anzubieten.

Neben der „klassischen“ auf Kupfer basierenden Teilnehmeranschlussleitung findet mit dem Glasfaserausbau ein alternatives Übertragungsmedium Einzug in das Anschlussnetz. Die vorliegende Arbeit diskutiert die mit dem VDSL-Ausbau verbundenen strukturellen Veränderungen im Bereich der Teilnehmeranschluss-leitung und stellt die betroffenen Netzelemente im Einzelnen näher dar.

Es erfolgt außerdem eine Abschätzung der Kosten, die durch den VDSL-Ausbau getrieben sind. Vor dem Hintergrund der jüngst konkretisierten (tariflichen) Ausgestaltung des Triple Play-Produktes versucht die Arbeit eine Beurteilung der Wirtschaftlichkeit des VDSL-Ausbaus durchzuführen. Der Fokus richtet sich hierbei insbesondere auf die Frage, welche kritische Menge an VDSL-Anschlüssen realisiert werden muss, damit die gesamten Kosten des Ausbaus gerade gedeckt werden und das gewählte Geschäftsmodell stabil sein kann.

Die Ergebnisse der Berechnungen werfen die Frage auf, ob VDSL nicht der neue „Regelanschluss“ wird und es mittelfristig nicht die dominante Strategie für den Netzbetreiber ist, eine Migration sämtlicher Produkte und Dienste im Teil-nehmeranschlussnetz hin zu VDSL zu forcieren. Nicht zuletzt deshalb ist in diesem Zusammenhang längerfristig auch von einem Übergang hin zu einem All-IP Netz zu sprechen.

Das Anschlussnetz wird von der Migration hin zu einem All-IP-Netz nicht unberührt bleiben und unterliegt in einem solchen längerfristigen Szenario gravierenden Veränderungen. Relevante Zugangsfragen z.B. mit Blick auf bestehenden Zugang zum Hauptverteiler stellen sich damit neu.

Ein solches Szenario existiert bereits in der Realität: Der Blick in die Niederlande zeigt, dass KPN im Begriff ist, ihr gegenwärtiges Telekommunikationsnetz in ein All-IP-Netz migrieren zu lassen. Die Funktionalität bestehender Hauptverteiler fällt weg und nur etwa jeder sechste Hauptverteiler bleibt als Netzknoten mit Konzentrationsfunktion für Breitbandverkehr bestehen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.