Diskussionsbeiträge

Dieter Elixmann, Anette Metzler, Ralf G. Schäfer

Kapitalmarktinduzierte Veränderungen von Unternehmensstrategien und Marktstrukturen im TK-Markt
Nr. 251 / März 2004

Zusammenfassung

In den weltweiten TK-Märkten hat es in den letzten 10 Jahren gravierende Veränderungen in der strategischen Ausrichtung der Spieler gegeben. Hierzu haben sicher die Liberalisierung der Märkte sowie die Korporatisierung und Börseneinführung der vormaligen TK-Monopolisten eines Landes beigetragen. Die vorliegende Studie legt ihren Fokus auf eine andere mögliche treibende Kraft für Entwicklungen im TK-Markt. Die zentrale Frage ist, welcher Einfluss von den Bedingungen und Erwartungen im Kapitalmarkt (vor allem von Analysten und Investmentbankern) auf das strategische Agieren börsennotierter TK-Unternehmen zwischen Mitte der 90-er Jahre und dem Jahre 2002 ausgegangen ist. Die Studie zeichnet zunächst empirisch die Dynamik auf den weltweiten Kapitalmärkten in dieser Zeit nach und widmet sich dem enormen Bedeutungswandel, den der TK-Markt hier erfahren hat. Die o.g. Kernfrage der Studie wird dann anhand von vier unternehmensstrategischen Trends (“Positionierungsleitbildern“) untersucht: (1) Zusammenschluss von Incumbents, (2) Ausgliederung von Geschäftsteilen und Börsennotierung, (3) Fokussierung auf ein Nachfragesegment (Mobilfunk bzw. Internet) sowie (4) Einstieg in die UMTS-Technologie. Dabei wird die ökonomische Rationalität dieser Leitbilder sowohl aus der Sicht der jeweils beteiligten Unternehmen als auch aus der Sicht des Kapitalmarktes analysiert.

Unsere Analyse ergibt, dass Unternehmensstrategien im TK-Markt wesentlich durch den Kapitalmarkt getrieben worden sind. Dies gilt insbesondere für die Positionierungsleitbilder (2), (3) und (4). Dieser Einfluss manifestiert sich anhand der folgenden Punkte. Erstens stellte der Kapitalmarkt konkrete Forderungen an das strategische Verhalten von TK-Unternehmen wie dies beispielsweise mit Blick auf den Erwerb von UMTS Lizenzen geschehen ist. Zweitens ist indirekt ein Einfluss insbesondere über die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung in spezifischen TK-Segmenten (z.B. im Hinblick auf die Nachfrage im Bereich Internet) zum Ausdruck gekommen. Drittens wurde die Aktie als neues Instrument der Unternehmensfinanzierung stark gefördert. Dies machte externes Wachstum über M&As ebenso wie die Eigenkapitalfinanzierung von Investitionen über die Börse gerade in Zeiten sich selbst übertreffender Kurssteigerungserwartungen leicht. Viertens hat ein wesentlicher Treiber für die zunächst immer weiter ansteigende Börsenperformance insbesondere von Unternehmen der TK- und Internetbranche darin gelegen, dass diese Unternehmen als Nukleus einer “New Economy“ angesehen wurden. Unternehmensstrategien im TK-Markt sind fünftens durch einen gravierenden Wandel in den Bewertungsmaßstäben weg von Indikatoren der klassischen Fundamentalanalyse hin zu Bewertungen auf Basis von Ebitda, Umsätzen, Kundenzahlen oder unternehmensspezifischen „Nutzungsmerkmalen“ wie z.B. Page Views geprägt worden. Sechstens hat es mit Blick auf die im Kapitalmarkt ausgesprochenen Empfehlungen als auch mit Blick auf die tatsächlichen Portfolioentscheidungen der Investmentbanken und Fondsmanager einen “Bandwagon-Effekt“ gegeben, d.h. es wurde immer mehr als Notwendigkeit angesehen, bei den “neuen erfolgreichen“ Geschäftsmodellen mitzumachen, nicht zuletzt weil auf diese Weise lukrative Beratungsmandate sichergestellt werden konnten.

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