Diskussionsbeiträge

Marcus Weinkopf, Werner Neu


Regulatory Issues Concerning Relations Between Monopoly and Competitive Services of DBP Telekom

Nr. 71 / September 1991 Zusammenfassung: Die Reform des Telekommunikationssektors in der Bundesrepublik Deutschland erfordert einen neuen regulatorischen Rahmen, der die Bereitstellung von Monopol- und Wettbewerbsdiensten durch das neue Unternehmen DBP Telekom regelt. Ein zentrales Problem in diesem Regulierungsprozeß wird die Kontrolle von Finanzausgleichen zwischen Monopol- und Wettbewerbsdiensten sein. Der Ansatzpunkt unserer Analyse ist zunächst die Identifizierung möglicher Anreize für ein Angebot bestimmter Dienste zu Preisen unterhalb der Zusatzkosten. Eine der grundlegenden Annahmen bei unseren Überlegungen besteht darin, daß durch die Regulierung keine Störung des Gewinnmaximierungsanreizes erfolgt, wie dies z.B. bei einer Rentabilitätsregulierung der Fall wäre. In unserem Modell argumentieren wir mit geplanten Preisen und Erlösen. Dadurch werden unvorhergesehene Entwicklungen, die das Verhalten des Unternehmens ex ante nicht beeinflussen, aus der Betrachtung ausgeblendet. In unserer Analyse unterscheiden wir zwischen einem temporären und einem permanenten Defizit. Letzteres liegt nur dann vor, wenn der diskontierte Strom von Erlösen minus Zusatzkosten eines Dienstes über den gesamten Planungshorizont negativ ist. Ein Anreiz zur Hinnahme temporärer oder permanenter Defizite besteht für das Unternehmen nur dann, wenn das Vorliegen bestimmter Interdependenzen zu einer Erhöhung des Gesamtgewinns führt, wenn einzelne Dienste zu Preisen unter Kosten angeboten wird. - Eine intertemporale Interdependenz kann Anreize zum penetration pricing oder zum predatory pricing auslösen. Bei beiden Strategien bietet das Unternehmen einen Dienst vorübergehend zu einem Preis unterhalb der Zusatzkosten an, gefolgt von einer überproportionalen Anhebung in den Folgeperioden. Wenn die zukünftige Nachfrage mit dem Absatz voheriger Perioden positiv korreliert ist, kann diese Strategie zu insgesamt höheren Gewinnen führen, als wenn das Angebot jederzeit zu Preisen oberhalb der Zusatzkosten erfolgt.

- Eine Interdependenz zwischen einzelnen Diensten kann Anreize zur permanenten Quersubventionierung eines Wettbewerbsdienstes hervorrufen. Im Fall von Nachfragekomplementaritäten zwischen einem Monopoldienst und einem Wettbewerbsdienst kann der zusätzliche Absatz des Wettbewerbsdienstes infolge einer Preisreduktion zu zusätzlicher Nachfrage im Monopolbereich führen und dabei zusätzliche Deckungsbeiträge generieren, die den Betrag der Quersubventionierung mehr als wettmachen. In Anbetracht der dynamischen Natur der meisten nicht reservierten Telekommunikationsmärkte erscheint der Fall temporärer Preissetzung unter Kosten als weniger bedeutsam für die Regulierung der DBP Telekom. Außerdem bringt er analytisch keine neuen Aspekte, die über die bereits in der Literatur behandelten hinausgehen. Wir sind jedoch der Meinung, daß der zweite Fall von großer Bedeutung sein könnte, da zweifellos eine Reihe von Nachfragekomplementaritäten zwischen den von der DBP Telekom angebotenen Monopoldiensten und verschiedenen Wettbewerbsdiensten bestehen. Hinsichtlich der Quersubventionierung im Falle bestehender Nachfragekomplementaritäten testen wir verschiedene Regulierungsansätze und stellen fest, daß ein flexibler regulatorischer Ansatz, der nicht allein auf strikten Kostendeckungsstandards oder Preisbildungsrestriktionen für Wettbewerbsdienste beruht, und der gleichzeitig mit einer wirksamen Regulierung der Preise für Monopoldienste verbunden wird, sowohl das Nichtdiskriminierungsgebot Wettbewerbern gegenüber als auch den Schutz der Monopolkunden gegen mißbräuchliche Preispolitik in geeigneter Weise gewährleistet. Eine frühere Version dieses Papiers wurde auf der 5th European Communications Policy Research Conference 1990 in Porquerolles, Frankreich, präsentiert. Nur in englischer Sprache erhältlich.