Diskussionsbeiträge

Marcus Stronzik, Matthias Wissner

Smart Metering Gas

Nr. 386 / März 2014

Zusammenfassung

Dieser Diskussionsbeitrag beleuchtet den derzeitigen Stand des Themas „Smart Metering Gas" in Deutschland sowie internationale Erfahrungen in diesem Bereich. Das liberalisierte Messwesen in Deutschland trifft dabei auf verschiedene nationale und internationale Regelungen. Diese besitzen derzeit allerdings kaum Potenzial, um eine Verbreitung intelligenter Gaszähler spürbar voranzubringen. Potenzielle Nutzen der Zähler bestehen insbesondere in Energieeinsparungen durch eine bessere Information des Endkunden über Kosten und Verbräuche, Kosteneinsparungen durch Fernsteuerung und –ablesung sowie Lastverlagerungen. In der (deutschen) Praxis sind diese Aspekte allerdings unzureichend erforscht (Einsparungspotenzial), offensichtlich nicht dazu geeignet, Veränderungen beim Kunden auszulösen (Fernsteuerung) oder nicht ökonomisch notwendig (Lastverlagerung). Es existieren lediglich einzelne Anreize aus dem Markt heraus, z.B. eine bessere Kostenkontrolle für Wohnungsbaugesellschaften oder der Einbau im Zuge eines Austausches von Stromzählern. Neben der zumindest unklaren Kosten-Nutzen-Relation für Deutschland existieren weitere Hindernisse, die einer schnelleren Verbreitung von intelligenten Gaszählern im Wege stehen. Hier sind die räumliche Trennung zwischen Strom- und Gaszähler, die Stromversorgung des Gaszählers selbst, fehlende rechtliche Ausgestaltungen zum BSI-Schutzprofil sowie das Auseinanderfallen von Strom- und Gasversorger bzw. von Mieter und Vermieter zu nennen.

Hinsichtlich der internationalen Erfahrungen haben bisher 19 Länder eine Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) durchgeführt, wobei zwölf Länder zu einem negativen Ergebnis gelangen. Die vorliegende Studie konzentriert sich auf Irland, Großbritannien, Italien und Österreich und somit auf Länder, die zu positiven KNA-Ergebnissen hinsichtlich eines Rollouts intelligenter Gaszähler kommen. Ein wesentlicher Ergebnistreiber bei den Analysen sind (bis auf Italien) die Annahmen über die durch intelligente Zähler erzielbaren Energieeinsparungen (z.B. infolge einer höheren Kundenaufmerksamkeit). Vor dem Hintergrund der bestehenden Situation erscheinen die in den vier Ländern ermittelten positiven Nettonutzen für Deutschland jedoch wenig realistisch. Insbesondere die Nutzengenerierung durch mögliche Einspareffekte ist für Deutschland kritisch zu beurteilen. Darüber hinaus sind Probleme im Bereich der Zahlungsmoral und möglicher Zählermanipulationen in Deutschland deutlich weniger ausgeprägt als in den betrachteten Ländern, so dass ein potenzieller Nutzen für Lieferanten weniger ins Gewicht fällt. Somit bleibt fraglich, ob Deutschland durch eine parallele Ausbringung Synergieeffekte in gleichem Maße realisieren kann, wie es vor allem die Beispiele von Großbritannien und Irland vermuten lassen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.