Diskussionsbeiträge

Lorenz Nett, Stephan Jay

Entwicklung dynamischer Marktszenarien und Wettbewerbskonstellationen zwischen Glasfasernetzen, Kupfernetzen und Kabelnetzen in Deutschland

Nr. 388/September 2014

Zusammenfassung

Die Breitbandstrategie der Bundesregierung verfolgt das Ziel einer schnellen und weitgehenden Versorgung der Haushalte mit hoch-bitratigen Breitbandanschlüssen. Das Ziel der Bundesregierung ist es, dass mittels eines effizienten Technologiemix eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Download-Geschwindigkeit von mind. 50 Mbit/s bis 2018 entsteht (Die Bundesregierung: Digitale Agenda 2014 – 2017). Derartige Geschwindigkeiten sind leitungsgebunden über Very High Speed Digital Subscriber Line 2 (VDSL2), VDSL2 (vectored) oder Fibre to the Building/Home (FTTB/H) oder aber mit Blick auf Kabelnetze durch ein Upgrading der Netze auf Data Over Cable Service Interface Specification (DOCSIS) 3.0 realisierbar. Ein leitungsgebundener Plattformwettbewerb ist in den Gebieten Deutschlands zu erwarten, in denen Kabelnetzinfrastrukturen bereits vorhanden sind. In diesen Regionen stellt sich die Frage, ob die Deutsche Telekom ihre Netzinfrastruktur auf VDSL2, VDSL2 (vectored) oder gar FTTH (Gigabit Passive Optical Network (GPON)) aufrüstet.

In dem Diskussionsbeitrag betrachten wir den Plattformwettbewerb zwischen einem Telco-Anbieter und einem Kabelnetzbetreiber. Hierbei wird ermittelt, welche Technologie aus Sicht eines Telco-Anbieters die betriebswirtschaftlich Beste ist und wie sich die Gewinne der Anbieter für die jeweiligen Regionen darstellen. De facto wird ein zweistufiges Hotelling-Modell betrachtet. Das Hotelling-Modell ist ein prominenter spieltheoretischer Ansatz zur Modellierung eines Duopols. Auf der ersten Stufe entscheidet das Telco-Unternehmen über die Wahl der Netzinfrastruktur. Hierbei werden drei Alternativen als betriebswirtschaftlich relevant betrachtet: VDSL2, VDSL2 (vectored) und FTTH (GPON). Aus der Wahl der Technologie resultieren spezifische Fixkosten sowie variable Kosten je Anschluss. Kabelnetzbetreiber haben in Deutschland ihr Netz weitgehend auf DOCSIS 3.0 aufgerüstet, so dass davon ausgegangen wird, dass dies die Netzinfrastruktur des Kabelnetzbetreibers ist. Auf der zweiten Stufe stehen die beiden Plattformen im Preiswettbewerb. In Abhängigkeit von der Präferenz der Endkunden für die jeweilige Anschlussart, der Stammkundschaft und der Wettbewerbsintensität ergeben sich Nash-Gleichgewichtspreise, die sowohl die Nachfrage nach der jeweiligen Anschlussart als auch den Gewinn der beiden Unternehmen (Plattformen) bestimmen. Im Endergebnis, d.h. in einem teilspielperfekten Gleichgewicht, wählt diesbezüglich das Telco-Unternehmen die gewinnmaximierende Netzinfrastruktur.

In der Analyse werden 12 für Deutschland spezifische Cluster betrachtet, in denen ein Kabelnetzbetreiber gegenwärtig Breitbandanschlüsse anbietet. Dies sind Regionen mit ähnlichen Strukturparametern mit Blick auf die Teilnehmerdichte. Für diese 12 Cluster wurden mittels des analytischen WIK-Next Generation Access (NGA)-Modells die Kosten (Fixkosten und variable Kosten für einen Breitbandanschluss) für die vier verschiedenen Netzinfrastrukturen ermittelt. Diese Kostenstrukturen zugrunde legend werden die Modellrechnungen für alle 12 Cluster vorgenommen. Die Szenario-Rechnungen variieren aufgrund unterschiedlicher Werte, die für die Nachfrageparameter angenommen werden. Die Ergebnisse geben eine Antwort auf die folgenden Fragen: Welche Form des Netzausbaus FTTH (GPON), VDSL2 (vectored) oder VDSL2 (non-vectored) generiert aus Sicht des Telco-Unternehmens im Wettbewerb mit dem Kabelnetzbetreiber den höchsten Gewinn und wird daher gewählt? Können zwei Netzinfrastrukturen nebeneinander bei Preiswettbewerb Gewinne realisieren? Wie ist die Preisstruktur auf der Endkundenebene und wie verteilen sich die Marktanteile auf die beiden Plattformen?

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.