Diskussionsbeiträge

René Arnold, Sebastian Tenbrock

Bestimmungsgründe der FTTP-Nachfrage

Nr. 387/August 2014

Zusammenfassung

Im Rahmen dieses Diskussionsbeitrages wird die Forschungsfrage verfolgt, inwieweit nachfragegetrieben Einflussfaktoren den FTTP-Ausbau (FTTH und FTTB) beeinflussen. Daher soll untersucht werden, welche Einflussfaktoren in den Ländern die Ausbauaktivitäten maßgeblich vorangetrieben haben. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland hinsichtlich des FTTP-Angebotes und der FTTP-Nachfrage deutlich unterhalb des europäischen Durchschnittes. Da ein direkter Zusammenhang zwischen den FTTP- bzw. NGA Take Up Raten und dem jährlichen Wachstum des Pro-Kopf-Datenvolumens im Rahmen der Untersuchung nicht aufgedeckt werden konnte, wurden weitere mögliche Determinanten identifiziert, die sich auf die FTTP-Adoption in einem Land auswirken können.

Neben der Zahlungsbereitschaft und dem relativen Preisverhältnis zu DSL- und Kabelnetzanschlüssen wurden die Qualität des FTTP-Netzes, die zeitliche Entwicklung auf dem Markt, die genutzten Dienste und Anwendungen sowie das Ausmaß der staatlichen Eingriffe in den Markt als mögliche Determinanten für die Adoption von FTTP-Anschlüssen untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass allen identifizierten Einflussgrößen eine mögliche Wirkung auf die FTTP-Adoption unterstellt werden kann. Allerdings ist davon auszugehen, dass das Ausmaß des Einflusses in verschiedenen Ländern variiert und je nach Land eher angebotsseitigen oder nachfrageseitigen Faktoren eine vorrangige Bedeutung zukommt.

Daher wurden fünf Länderfallstudien durchgeführt, um die Wirkung der sechs Determinanten in den nationalen Märkten zu analysieren. In zwei Ländern sind die Fortschritte beim Ausbau eher durch angebotsseitige Faktoren zu erklären: Die sehr positive Entwicklung des FTTP-Marktes in Südkorea wird auf den frühen Ausbau und den starken staatlichen Interventionsgrad zurückgeführt. Auch in Schweden kann die erfolgreiche Entwicklung durch den sehr frühen Start der Ausbauprogramme in Kombination mit einem relativ hohen Ausmaß an staatlichen Eingriffen erklärt werden. Die eher unterdurchschnittlichen Fortschritte der Ausbauaktivitäten in zwei europäischen Staaten werden ebenfalls auf angebotsseitige Determinanten zurückgeführt: In den Niederlanden wird die leicht unter dem europäischen Mittel liegende Marktentwicklung vor allem dadurch begründet, dass ein starker intermodaler Wettbewerb durch andere konkurrierende Breitbandlösungen vorherrscht und Kabelnetztechnologien fast ubiquitär verfügbar sind. Die unterdurchschnittliche Entwicklung im UK wird dadurch erklärt, dass der FTTP-Ausbau dort erst spät und sehr fragmentarisch stattgefunden hat und gleichzeitig ein starker intermodaler Wettbewerb durch andere Breitbandtechnologien vorliegt. Dagegen wird die positive Marktentwicklung in den USA durch nachfrageseitige Einflussgrößen begründet: Spezifische Marktgegebenheiten wie die hohe Nachfrage nach TV- und videobasierten Diensten und eine hohe Zahlungsbereitschaft für schnelle Internetanschlüsse sind für die dortigen Fortschritte beim FTTP-Ausbau verantwortlich.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.