Diskussionsbeiträge

Christian M. Bender, Alex Kalevi Dieke, Petra Junk, Antonia Niederprüm

Produktive Effizienz von Postdienstleistern

Nr. 395 / November 2014

Zusammenfassung

Ein wesentliches Ziel der Postreformen in ganz Europa sowie der Bemühungen um Liberalisierung und Privatisierung ist die Steigerung der produktiven Effizienz der ehemals defizitären Postverwaltungen. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs und sinkender Sendungsmengen im Briefsegment stehen die Postdienstleister heute unter Druck, ihre Kosten zu senken und ihre Prozesse effizienter zu gestalten. Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie die relative Effizienz und Produktivitätsentwicklung von acht europäischen Postdienstleistern: Deutsche Post, La Poste, Österreichische Post, Post Danmark, Posten Schweden, PostNL, Royal Mail und Schweizerische Post.

Die Studie analysiert einerseits mit Hilfe quantitativer Methoden die produktive Effizienz der Unternehmen und stellt sie zueinander in Relation. Andererseits erfolgt eine qualitative Analyse, in der die technologischen Entwicklungen und Modernisierungsmaßnahmen beim Betrieb von Briefnetzen dargestellt und bewertet werden.

Die zur Verfügung stehenden Daten ermöglichen keine belastbaren quantitativen Aussagen zur relativen Effizienz der betrachteten Unternehmen. Je nach verwendeter Methode und Zielgröße unterscheiden sich die Effizienz-Rankings der Unternehmen signifikant. Insgesamt korrelieren die Effizienz-Indikatoren stark mit der Sendungs-mengenentwicklung, d.h. Unternehmen mit hoher Sendungsmenge erscheinen als effizienter. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass PostNL seinen Produktionsfaktoreinsatz besser und La Poste seine Produktion weniger gut an die Sendungsmengenentwicklung angepasst hat als die übrigen betrachteten Unternehmen.

Die qualitative Analyse zeigt, dass die betrachteten Postdienstleister in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine Vielzahl an Modernisierungsprogrammen zur Produktivitäts- und Effizienzsteigerung durchgeführt haben. Diese Modernisierung der Briefnetze erfolgte dabei nach ähnlichem Muster, jedoch bestehen Unterschiede hinsichtlich des Beginns und des Umfangs der Modernisierung. Die Deutsche Post, Post Danmark, Posten und PostNL begannen frühzeitig, ihre Infrastruktur und Prozesse zu rationalisieren und sind dabei am weitesten fortgeschritten. Demgegenüber sind die Umstrukturierungsmaßnahmen bei der Österreichischen Post, La Poste, Royal Mail und der Schweizerischen Post weniger weit fortgeschritten, so dass diese Unternehmen noch größere Effizienzpotentiale aufweisen.

Die Deutsche Post weist im internationalen Vergleich ein hohes Maß an produktiver Effizienz auf. Neben der frühzeitigen Modernisierung und Rationalisierung der Infrastruktur und Prozesse im Briefsegment und umfangreichen Ersatzinvestitionen in den letzten Jahren steht die Deutsche Post zudem einem nur relativ moderaten Sendungsmengenrückgang gegenüber. Dies wirkt sich zusätzlich positiv auf die Auslastung und damit die Produktivität aus.

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