Diskussionsbeiträge

Nr. 404: Die Bedeutung von TAL-Preisen für den Aufbau von NGA

Autoren: Karl-Heinz Neumann, Stephan Schmitt, Rolf Schwab unter Mitarbeit von Marcus Stronzik
März 2016

Zusammenfassung

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es konkurrierende Hypothesen über die Wirkung der Höhe der Teilnehmeranschlussleitung (TAL)-Preise auf die von den Netzbetreibern getätigten Investitionen in moderne NGA-Netzwerke. Dabei gilt es, wie die Modellanalysen zeigen, unterschiedliche Effekte auf die Investitionsanreize von Incumbents und Wettbewerber, die die TAL nachfragen, zu unterscheiden. Wir analysieren dazu im einzelnen den Einfluss des Replacement Effekts, des Wholesale Revenue Effekts, des Business Migration Effekts und des Finanzierungseffekts.

Ziel dieser Studie ist es, zunächst die konkurrierenden Hypothesen in der wissenschaftlichen Literatur genau zu beschreiben. Mittels einer quantitativen Wirkungsanalyse, die sich auf ökonometrische Analysen stützt, soll versucht werden, den Einfluss der Höhe des TAL-Preises auf die Investitionstätigkeit in FTTH, also reine Glasfaserzugangsnetze, abzuschätzen. Um eine gute statistische Grundlage zu haben, wird der ökonometrisch-statistische Testansatz europaweit angelegt.

Die empirische Analyse basiert auf einem unbalancierten („unbalanced Panel") Datensatz mit länderspezifischen Informationen zu 27 EU-Ländern über den Zeitraum 2009-2014. Zur Untersuchung der relevanten Hypothese bedienen wir uns Standardmethoden der Paneldatenökonometrie. Im Unterschied zu anderen Studien bilden wir FTTH-Investitionen über die Proxy-Größe „Differenz der FTTH Homes passed" zwischen zwei Perioden ab. Diese Größe kommt näher an die relevante Variable als die in anderen Studien verwendeten Proxy-Größen.

Ein relevanter Einfluss des TAL-Preises auf FTTH-Investitionen kann nach unseren Ergebnissen als gesichert angesehen werden. Doch bleibt die Struktur des Einflusses komplex. Simplistische Zusammenhänge, die immer und unter allen Randbedingungen gelten, haben sich nicht bestätigt.

Vor allem ist der Zusammenhang zwischen TAL-Preisen und FTTH-Investitionen nicht linear. Nach unseren Ergebnissen erweist sich vielmehr ein nicht-linearer umgedreht u-förmiger Zusammenhang als relativ robust. Danach gibt es bis zu einem Wendepunkt einen positiven Einfluss eines steigenden TAL-Preises auf FTTH-Investitionen und danach einen negativen Einfluss. Die genaue Lage dieses Wendepunktes ist mit unseren Daten nicht beliebig robust bestimmbar und hängt von den Modellspezifikationen ab.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.