Diskussionsbeiträge

Dieter Elixmann

Der Markt für Übertragungskapazität in Nordamerika und Europa
Nr. 224 / Juli 2001

Zusammenfassung

Der Fokus der vorliegenden Untersuchung liegt auf Unternehmen, die Übertragungsinfrastruktur auf der Basis von Glasfasern verlegen bzw. anbieten ("Next Generation Carriers (NGCs)"). Die Studie ist im Kern als empirische Bestandsaufnahme angelegt. Die Ziele des Untersuchung sind erstens eine Identifizierung der wichtigsten Spieler in Nordamerika und Europa, zweitens eine Analyse der wichtigsten Merkmale ihrer Aktivitäten im betrachteten Markt sowie drittens eine Charakterisierung von bestimmenden Faktoren für die Entwicklung der Struktur des Marktes bzw. des Wettbewerbs.

Die Studie identifiziert für Nordamerika insgesamt 24 Marktzutreter, die Glasfaser in ihren Netzen verlegen. Für Europa werden insgesamt 22 Neueintreter in den Markt für Übertragungskapazität identifiziert. In Europa liegt die Länge der Mitte 2000 nutzbaren Netzinfrastruktur in einer Größenordnung von rd. 100.000 Rkm; bezieht man die Planungen für die nächsten 2 – 4 Jahre mit ein, so ergibt sich eine Größenordnung von ca. 270.000 Rkm. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die aggregierte Netzkapazität in den USA heute noch um mehr als den Faktor 3 größer ist als in Europa; gleichwohl zeigen die Ausbauplanungen, dass sich dieses Verhältnis in Zukunft auf unter 2 vermindern wird. Jeder der "großen" Player in den USA tätigt über mehrere Jahre hinweg Investitionen für den Netzausbau von mindestens 1 Mrd. US $. In Europa schwankt die Höhe der Investitionen über die betrachteten Unternehmen hinweg beträchtlich; alle pan-europäischen NGCs zusammen kommen in einer sehr groben Abschätzung für das Jahr 2000 insgesamt auf ein Investitionsvolumen von 15 Mrd. DM. Deutschland wird von den pan-europäischen Unternehmen beim Aufbau der Infrastruktur generell bereits in frühen Bauphasen berücksichtigt.

Das Gros der Unternehmen im Bandbreitenmarkt in Nordamerika und Europa ist börsennotiert (die allermeisten in New York), hat überwiegend Umsätze von (z.T. weit) unter 1 Mrd. US $ und arbeitet (z.T. hochgradig) defizitär. Die wesentlichen strategischen Merkmale der Marktpositionierung der Unternehmen in Europa sind gegeben durch den Kauf von Übertragungskapazität (i.d.R. als dark fiber) auf bestimmten Strecken bei anderen Unternehmen bzw. Swaps von Kapazitäten, das Betreiben von Stadtnetzen und Datenzentren sowie die zunehmende Fokussierung auf "letzte Meile" Aktivitäten.

Insgesamt ergibt die Analyse, dass es mittlerweile sowohl in den USA als auch in Europa eine Fülle von NGCs gibt. Die klassischen Telefongesellschaften sind in beiden Regionen nicht mehr die unumschränkten Spieler in diesem Markt. Insbesondere für Europa kann festgestellt werden, dass die Hoffnungen der Wirtschaftspolitik, durch Liberalisierung ein Marktumfeld zu schaffen, welches offen für Wettbewerb ist und Marktzutritt fördert, mit Blick auf den Markt für grenzüberschreitende Infrastruktur grundsätzlich als erfüllt anzusehen sind. Es muss gleichwohl festgehalten werden, dass die Aktivitäten der NGCs in Europa und speziell auch in Deutschland noch sehr stark geographisch fokussiert sind und ihr Beitrag zum Wettbewerb in der Fläche begrenzt ist.