Diskussionsbeiträge

Heike Belitz, Brigitte Preißl, Wolfgang Seufert

Die Entwicklung des Marktes für Telefonendgeräte in Deutschland Anfang der 90er Jahre
Nr. 146 / März 1995

Seit dem 1. Juli 1990 dürfen Telefone für den einfachen Hauptanschluß in Westdeutschland frei verkauft werden. Durch den Übergang vom Monopol zum Wettbewerb entwickelte sich ein Markt, dessen Volumen, Zusammensetzung, Eigenarten und Probleme Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind. Sie schreibt dabei die Ergebnisse einer Studie fort, die vor drei Jahren mit der gleichen Zielsetzung durchgeführt wurde. Die Erwartungen, die mit der Liberalisierung des Endgerätemarktes verbunden waren, betrafen die Bereiche:

  • Marktvolumen,

  • Marktanteil und Wettbewerbsverhalten des ehemaligen Monopolisten,

  • Preisentwicklung und Angebotsvielfalt,

  • Markteintritt ausländischer Anbieter,

  • Telefonproduktion in Deutschland.


Von 1990 bis Mitte 1994 lassen sich folgende Entwicklungen feststellen:

  1. Auf die Liberalisierung folgte eine spürbare Ausdehnung des Marktvolumens. Von 1990 bis 1993 wuchs der Telefonmarkt am einfachen Hauptanschluß um 50 vH auf 9 Mill. Apparate. Hinzu kommen 1,4 Mill. Anrufbeantworter und 0,3 Mill. Kombi-Fax-Geräte. Auch ohne den zusätzlichen Nachfrageimpuls aus den neuen Bundesländern wäre das Marktvolumen für Telefone in diesem Zeitraum um etwa ein Drittel angestiegen. Anders als ursprünglich erwartet, hat dabei der Neubedarf, insbesondere die Nachfrage nach Zweit- und Drittgeräten nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Es überwog der Ersatz alter Telefone durch technisch höherwertige Geräte.

  2. Obwohl Mitte 1994 noch mehr als ein Drittel aller Hauptanschlüsse in Deutschland ohne TAE-Dose waren, hat sich der Absatz von Telefonendgeräten über den Handel dynamisch entwickelt. Der Marktanteil der ab dem 1.1.1995 in die Deutsche Telekom AG umgewandelten DBP Telekom hat deshalb 1993 nur noch bei 55 vH der Absatzzahlen und rund 40 vH des Wertes aller verkauften bzw. neu vermieteten Telefone gelegen. Bei Anrufbeantwortern und Kombi-Fax-Geräten war er noch deutlich geringer. Der immer noch hohe Marktanteil der DBP Telekom ist wettbewerbsrechtlich weiterhin als überragende Marktstellung zu bewerten, die einer Mißbrauchskontrolle bedarf. Mißbräuchliches Verhalten wurde für die Vergangenheit allerdings weder von den befragten Handelsunternehmen noch von den befragten Herstellern moniert.

  3. Die Einkaufspreise der DBP Telekom sind durch den intensiven Wettbewerb unter den Anbietern erheblich gesunken. Die Entwicklung der Verkaufspreise auf dem privaten Markt verlief nach Gerätekategorien unterschiedlich. Im Durchschnitt haben sie sich seit 1990 nahezu halbiert. Billigtelefone konnten nur geringe Marktanteile erzielen. Mehr als zwei Drittel des Umsatzes im Handel entfiel 1993 auf hochpreisige Schnurlostelefone und Telefone mit integriertem Anrufbeantworter. Das Angebot an unterschiedlichen Telefonendgeräten hat sich dabei seit 1990 mehr als verzehnfacht.

  4. Ausländische Anbieter teilten sich 1993 im Handel zusammen etwa die Hälfte des Marktes für Telefone, im ersten Halbjahr 1994 ist ihr gemeinsamer Marktanteil erstmals wieder zurückgegangen. Im Jahr 1993 gingen rund 30 vH der Bestellungen der DBP Telekom an Hersteller mit Unternehmenshauptsitz im Ausland. Die Deutsche Telekom AG beabsichtigt in Zukunft verstärkt Direkteinkäufe im Ausland zu tätigen.

  5. Der scharfe Preiswettbewerb auf dem Teilmarkt der DBP Telekom und auf dem Einzelhandelsmarkt wirkte sich auch auf den Markt für Nebenstellenapparate aus. Die Preissenkungen waren auch Ausdruck eines Kampfes der deutschen Telefonproduzenten um den Verbleib im Markt, bei dem Großunternehmen und kleine Entwicklungsfirmen mit Auslandsproduktion Vorteile gegenüber den mittelständischen Produzenten hatten. Die im Markt für Telefonendgeräte verbliebenen deutschen Herstellerunternehmen haben vor allem durch die Verbesserung ihrer internen und externen Logistik sowohl Kostensenkungen realisiert, als auch ihre Reaktionsfähigkeit auf die Anforderungen der Nachfrager erhöht. Damit ist es bei insgesamt rückläufiger Produktion gelungen, Produktionsstandorte für Telefonendgeräte in Deutschland zu sichern.