Diskussionsbeiträge

Alex Kalevi Dieke, Petra Junk, Antonia Niederprüm, Martin Zauner

Preisstrategien von Incumbents und Wettbewerbern im Briefmarkt

Nr. 331 / Dezember 2009

Zusammenfassung

Das Ende der Exklusivlizenz der Deutsche Post AG (DPAG) im Jahr 2008 bedeutete für den deutschen Postmarkt nicht nur die vollständige Öffnung des Briefmarkts für den Wettbewerb. Damit einher ging auch das Ende der Ex-Ante-Preiskontrolle für Massen-sendungen (ab 50 Stück Einlieferungsmenge), die den Großteil der gesamten Brief-menge Deutschlands darstellen. Diese veränderten Rahmenbedingungen erlauben deutliche Veränderungen der Preispolitik.

Das Ziel dieser Studie besteht in der Diskussion der zukünftigen Entwicklung von Preisstrategien im deutschen Briefmarkt sowie der Erörterung etwaiger regulatorischer Problemfelder. Dazu wurden zunächst verschiedene Preisstrategien von Incumbents und Wettbewerbern europäischer Briefmärkte untersucht und kategorisiert. Es ergaben sich die folgenden Ergebnisse:

  • Incumbents verfolgen bei ihrer Preispositionierung grundsätzlich entweder Premium- oder Mehrwertstrategien bzw. Mischformen dieser Strategien. Zudem nutzen sie vielfach Preisdifferenzierungen, wie Mengenstaffelungen der Tarife, geographische Differenzierungen nach der Zustellzone der Sendungen (Zonenpreise), Preisnachlässe für die Inkaufnahme längerer Brieflaufzeiten, Preisdifferenzierungen zwischen Individualsendungen und inhaltsgleichen Sendungen oder die Gewährung von Funktionsrabatten für Sendungsvorbereitung durch die Kunden.
     
  • Wettbewerber verfolgen weitestgehend Mehrwert- und/oder Tiefpreis-strategien und verfügen über weniger differenzierte Preisstrukturen. Sie verwenden überwiegend quantitative Preisdifferenzierungen und Mindesteinlieferungsmengen, und verzichten weitgehend auf andere Differenzierungsoptionen. In Deutschland übernehmen Wettbewerber generell die Produktstruktur des Incumbent und differenzieren (wie die DPAG) zwischen Individualsendungen und inhaltsgleichen Sendungen. Andere Wettbewerber (insbesondere im Ausland) veröffentlichen keine allgemeinen Preislisten, sondern handeln spezifische Konditionen mit ihren Kunden aus.

In Deutschland werden zonale und zeitliche Differenzierungen von der DPAG bisher nur im Bereich Pressedistribution verwendet. In Zukunft könnte sie diese Differenzierungsformen auch auf andere Sendungen übertragen, etwa auf Infopost. Insbesondere bei Zonen-preisen ist aus regulatorischer Sicht zu prüfen, inwieweit die Preisdifferenzierung Kostenunterschiede widerspiegelt oder aber der Behinderung von Wettbewerbern dient.

Des weiteren ist für Deutschland zu erwarten, dass die DPAG wie ihre Wettbewerber Kunden verstärkt individuelle Angebote machen. Dadurch steigt die Intransparenz im Markt, für Kunden wie auch bezüglich der Preisaufsicht. Infolge dessen ist ein etwaiger Missbrauch bei der Preisbildung schwerer ermittelbar. Hier stellt sich die Frage, ob die Rechte der Bundesnetzagentur zur Einsichtnahme in Verträge und damit ihre Kontrollmöglichkeiten ausreichend sind.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.