Diskussionsbeiträge

Oliver Franz, Daniel Schäffner, Bastian Trage

Grundformen der Entgeltregulierung: Vor- und Nachteile von Price-Cap, Revenue-Cap und hybriden Ansätzen
Nr. 267 / August 2005

Zusammenfassung

Im Rahmen der Implementierung der EU- Beschleunigungsrichtlinien für den Binnenmarkt für Strom (2003/54/EG) und Gas (2003/55/EG) wird in Deutschland die Einführung einer Anreizregulierung für diese beiden Märkte vorbereitet. Ziel der Entgeltregulierung für die Nutzung von Strom- und Gasnetzen ist ein effektiver, fairer, diskriminierungsfreier Netzzugang und somit die Regulierung der Marktstufen Transport und Verteilung.

In diesem Beitrag erfolgt zunächst eine allgemeine theoretische Beschreibung und Analyse von Anreizregulierungsmechanismen mit ihren einzelnen Elementen. Dies geschieht zunächst anhand eines Einproduktfalles, der die grundsätzlichen Zusammenhänge einer anreizorientierten Entgeltregulierung besser verdeutlichen soll. Danach werden mit Price-Caps, Revenue-Caps und hybriden Ansätzen Grundformen der Entgeltregulierung vorgestellt sowie deren Vor- und Nachteile diskutiert. Mit Hilfe der letztgenannten Verfahren wird unter anderem versucht, die (Mengen-) Wirkungen einer Preis- oder Umsatzbegrenzung auszutarieren und somit zusätzliche Vorteile zu generieren. Die individuelle Ausgestaltung der einzelnen Faktoren wirkt sich auch unmittelbar auf die Anreize zu effizienzsteigerndem Verhalten aus. So ergibt sich aus unterschiedlichen Kombinationen der angeführten Elemente insgesamt jeweils eine stärkere bzw. schwächere Anreizwirkung für die regulierten Unternehmen. Besonders berücksichtigt werden muss bei der gesamten Ausgestaltung die Tatsache, dass ausschließlich die Netzentgelte zu regulieren sind.

In der weiteren Darstellung einer anreizorientierten Regulierung für den Mehrproduktfall durch das Setzen von Preis- bzw. Erlösobergrenzen (Price-Caps bzw. Revenue-Caps) wird zunächst betrachtet, welche Produkte und Dienste die Netzbetreiber aus dem Monopol heraus anbieten. Zudem ist zu fragen, ob (erfolgreich entbündelte) Netzunternehmen ohne Kontrolle über den Preis der Energie selbst, die Möglichkeit haben, ihren Umsatz auszudehnen, da dieser zu wesentlichen Teilen durch die Entscheidungen der Nachfrager bestimmt sein dürfte. Die dargestellten anreizorientierten Regulierungsansätze beinhalten unterschiedliche Vorgehens- und Funktionsweisen, was bei deren Anwendung zu differierenden Verhaltensweisen der Unternehmen und somit auch zu anderen Ergebnissen führt. Jeder Ansatz bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich, die teilweise erst im Zusammenspiel mit den Eigenschaften und Strukturen des regulierten Marktes zur Geltung kommen. Aus wohlfahrts-theoretischer Sicht ist die Price-Cap- Regulierung den Ansätzen der Regulierung mit Hilfe einer Erlösobergrenze aufgrund ihrer allokativen Eigenschaften vorzuziehen.

Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend sollte ein Price-Cap- ebenso wie ein Revenue- Cap-Regulierungsverfahren, sobald es die Datenlage erlaubt, mit der Vorgabe von Qualitätszielen verknüpft werden, da Qualitätsminderungen in der Regel kostensenkend und somit gewinnerhöhend wirken.

Bei der Entscheidung für ein Verfahren sind die Relevanz und Bedeutung von theoretischen und praktischen Aspekten der Regulierung abzuwägen. Zum jetzigen Zeitpunkt der Analyse erscheint daher einzig eine Regulierung mittels einer Average-Revenue- Cap als ein Verfahren mit wesentlichen Schwachpunkten. Die Ausgestaltung eines anreizorientierten Regulierungsregimes für die Energienetze wird im vierten Kapitel für die beiden Bereiche Elektrizität und Gas differenzierter dargestellt. Dabei ist aus systematischen Gründen ein für beide Bereiche möglichst einheitlicher und damit in sich geschlossener Ansatz anzustreben. Eine übergreifende Betrachtung kann an dieser Stelle für die Wahl eines adäquaten Vergleichsindexes, die Dauer der Regulierungsperiode sowie die Berücksichtigung von Qualitätsvorgaben durchgeführt werden. Lediglich die Ergänzung durch einen Glidepath-Mechanismus kann bereits in der Einführungsphase der Anreizregulierung für beide Energiebereiche vorteilhaft sein. Nach der bisherigen Bewertung wird für den Strommarkt die Einführung einer Price-Cap-Regulierung als insgesamt praktikabelste Lösung angesehen. Dies erfolgt insbesondere unter der Prämisse, dass die Nachfragemenge weitestgehend exogen vorgegeben und damit kaum durch den Netzbetreiber beeinflussbar ist. Für den Gasbereich kann die Regulierung der Durchleitungsentgelte auf der Ebene der örtlichen Verteilnetzbetreiber mit Hilfe einer Price-Cap erfolgen, auf der Fernleitungsebene ist sowohl die Anwendung einer Price-Cap wie auch die einer Revenue-Cap denkbar.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.