Diskussionsbeiträge

Anna Maria Doose, Dieter Elixmann, Rolf Schwab

Das VNB-Geschäftsmodell in einer sich wandelnden Marktumgebung: Herausforderungen und Chancen

Nr. 340/April 2010

Zusammenfassung

Die vorliegende Studie befasst sich mit dem Geschäftsmodell „Verbindungsnetzbetreiber" (VNB), d.h. mit dem Angebot von Call-by-Call und Preselection (Betreiber(vor)auswahl), und adressiert dazu eine Reihe von Themen. Erstens sind die technischen Grundlagen der Dienstbereitstellung durch VNBs in der PSTN/ISDN-Welt erarbeitet worden. Zweitens ist mit Blick auf die heutige Marktbedeutung dieser Dienste in Deutschland festzuhalten: Seit 2006 ist insgesamt ein signifikanter Nutzungsrückgang sowohl bei Call-by-Call als auch bei PreSelection zu beobachten. Bezogen auf die gesamten Verbindungsminuten in Deutschland entfallen in 2009 auf diese beiden Kategorien noch rd. 10 % (rd. 19 Mrd. Minuten). Damit ist die Bedeutung des VNB-Geschäfts in Deutschland in den letzten fünf Jahren um rd. Zwei-Drittel geschrumpft. Drittens gilt mit Blick auf die Marktstruktur: Es sind insgesamt (Stand: März 2010) 114 Betreiberkennzahlen an 105 Unternehmen vergeben, die sich im Wesentlichen den folgenden Typen von Marktteilnehmern zuordnen lassen: Spezialisten, d.h. Unternehmen deren Fokus im Wesentlichen nur auf dem VNB-Geschäft liegt; den Anbietern von Auskunfts- und Mehrwertdiensten (AMWD); den lokal und regional fokussierten Carriern (City Carrier); den nationalen Carriern mit Retailfokus sowie den Carriern mit Groß- bzw. Geschäftskundenfokus. Preselection- Dienste werden heute noch von mehr als 30 Unternehmen angeboten. Davon entfällt aber ein signifikanter Anteil auf Reseller. Viertens sind rechtlich-regulatorische Themen für die Marktaktivitäten von VNBs adressiert worden. Fundamentale Bedeutung für das VNB-Geschäft in der Zukunft wird die künftige Entscheidungspraxis der Bundesnetzagentur haben mit Blick auf die Auferlegung einer Verpflichtung für die Deutsche Telekom AG zur Ermöglichung von Call-by-Call und PreSelection für ihre Anschlusskunden. Zentrales Anliegen der Studie sind mittel- und längerfristige Aspekte für das VNB-Geschäftsmodell. Dazu werden fünftens vertieft die technischen Gegebenheiten von Call-by-Call in einer NGN/IP-basierten Netzumgebung analysiert. Sechstens werden eine Reihe von Einflussgrößen für das VNB-Geschäftsmodell „morgen" diskutiert: (1) Migration zu IP/NGN und die sich daraus ableitende (und eventuell veränderte) Regulierung der Vorleistungen für das VNB-Geschäft; (2) Anschlussentwicklung bei der DTAG als Rahmengröße für das zukünftige Marktpotenzial des VNB-Geschäfts; (3) „Zwangsmigration" der verbleibenden PSTN-Anschlüsse bei der DTAG; (4) Gesprächssubstitution durch Mobilfunk und VoIP; (5) künftige Entwicklungen bei Endkundenpreisen (Flatrate-Angebote) sowie mobilen Terminierungsraten; (6) Imageaspekte (Kundenschutz). Es sind Möglichkeiten der Re-Positionierung für das VNB-Geschäftsmodell in der Zukunft denkbar, z.B. verstärkte Investitionen in eigene Netzinfrastruktur, Erweiterung um das Angebot von Breitbandzugängen; „Mobile Virtual Network Operator" als Zusatzkomponente für das VNB-Geschäft; Erweiterung des Produktportfolios um Aktivitäten aus anderen Märkten. Praktisch werden diese Varianten aber aus unserer Sicht eher eine geringe Relevanz haben. Insgesamt bleibt die Positionierung der VNB-Marktteilnehmer auch für die Zukunft bestimmt durch die (extrem) kurzfristige Optimierung der Verteilung der Verkehrslast auf Terminierungspartner (Spot-Geschäft) und den entsprechenden Anpassungen an marktliche Erfordernisse.

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