Diskussionsbeiträge

Christian Growitsch, J. Scott Marcus, Christian Wernick

Auswirkungen niedrigerer Mobilterminierungsentgelte auf Endkundenpreise und Nachfrage

Nr. 345 /September 2010

Zusammenfassung

Eine Reihe von Initiativen sind auf dem Weg, die entweder zu einer deutlichen Senkung oder sogar zur Abschaffung der Mobilterminierungsentgelte (MTRs) führen werden. Ziel der Europäischen Kommission ist eine bessere Harmonisierung der MTRs unter den Mitgliedsstaaten. Ein wichtiger zusätzlicher Treiber hinter diesen Vorhaben ist die Annahme, dass eine Senkung der MTRs für die Mehrheit der Mobilfunkteilnehmer zu fallenden Endkundenpreisen führen wird, was sich wiederum in einer intensiveren Mobilfunknutzung niederschlagen dürfte, und damit zu weniger Wohlfahrtsverlust.

Es gibt starke theoretische Anhaltspunkte dafür, dass niedrigere MTRs zu sinkenden nutzungsbasierten Endkundenpreisen führen werden. Zugleich gehen Experten jedoch davon aus, dass der Rückgang bei den Endkundenpreisen geringer ausfallen dürfte als der Rückgang der MTRs; ein Phänomen, welches als „Wasserbetteffekt" bezeichnet wird. Gleichzeitig argumentieren einige Experten, dass Mobilfunknetzbetreiber versuchen könnten, die aus sinkenden Mobilterminierungsentgelten resultierenden Einnahmeausfälle durch eine Anhebung der Endkundenpreise zu kompensieren. Die Frage, wie sich eine Senkung der MTRs tatsächlich auf die Endkundenpreise auswirken dürfte, ist aus Sicht der Empirie äußerst komplex, da eine große Anzahl unterschiedlicher und zum Teil konfliktionärer Faktoren auf das Ergebnis wirkt.

In unserem Diskussionsbeitrag untersuchen wir auf Basis eines ökonometrischen Modells die Auswirkungen der MTRs auf Endkundenpreise und Nachfrage von 61 Mobilfunknetzbetreibern aus 16 europäischen Mitgliedsstaaten innerhalb des Zeitraums zwischen 2003 und 2008. Unsere primären Datenquellen sind Daten zu den MTRs von BEREC/ERG sowie die Merrill Lynch Global Wireless Matrix. Wegen der Komplexität der Analyse haben wir unabhängige Quellen nationaler Regulierungsbehörden (z.B. aus Spanien und dem Vereinigten Königreich) genutzt, um die Qualität der von uns verwendeten Daten und unserer Ergebnisse und Schlussfolgerungen zu überprüfen.

Unsere Analyse generiert zwei Ergebnisse, die beide in hohem Maße statistisch signifikant sind: Senkungen bei den MTRs führen zu niedrigeren durchschnittlichen Endkundenpreisen. Dieses Ergebnis weist einen Koeffizient von +0,71 auf – die Tatsache, dass der Koeffizient niedriger als +1.0 ist, scheint zugleich die Existenz eines Wasserbetteffekts zu bestätigen. Darüber hinaus führen niedrigere MTRs (vermutlich aufgrund der damit verbundenen niedrigeren Endkundenpreise) zu einer größeren Anzahl originierter Gesprächsminuten. Die langfristige Elastizität (in einer Spanne von -0,52 bis -0,61) liegt dabei wesentlich höher als die kurzfristige Elastizität (-0,097).

Zusammenfassend vertreten wir daher die Auffassung, dass eine weitere Senkung der MTRs eine Erhöhung der Konsumentenwohlfahrt zur Folge haben wird.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.