Diskussionsbeiträge

Peter Stamm, Anne Stetter unter Mitarbeit von Mario Erwig

Bedeutung und Beitrag alternativer Funklösungen für die Versorgung ländlicher Regionen mit Breitbandanschlüssen

Nr. 351/Februar 2011

Zusammenfassung

Eine flächendeckende Breitbandversorgung aller Haushalte zählt zu den vordringlichsten infrastrukturpolitischen Zielsetzungen in Deutschland. Noch immer gibt es in dünn besiedelten ländlichen Regionen Haushalte und Unternehmen ohne eine adäquate Zugangsmöglichkeit zu Breitbandinternet. Angesichts ungebrochen steigender Nachfrage nach höheren Datenraten, die in den Ballungsräumen durch die hochbitratigen Kabel- und VDSL-Netze bedient wird, bleiben im ländlichen Raum auch bei einer bestehenden Grundversorgung intelligente Lösungen weiterhin gefragt, die Breitbandinfrastrukturen wirtschaftlich für höhere Leistungen auszubauen.

Im Rahmen dieser Studie wird analysiert, welche Bedeutung der Funk sowohl heute bei der kurzfristigen Schließung von Breitbandlücken hat als auch mittel- bis langfristig beim weiteren Kapazitätsausbau der Breitbandnetze in peripheren Regionen haben wird. In die Analyse werden die drei grundlegenden Einsatzfelder von Funktechnologie zur Breitbandanbindung einbezogen: Mobilfunk, lokale Funknetze sowie Funk in der Breitbandzuführung.

Bei der kurzfristigen Versorgung mit Breitbandzugängen von 1 Mbit/s und mehr leistet der Mobilfunk heute vorrangig in Städten und Ballungsgebieten seinen Beitrag, wo UMTS-Netze bereits mit HSPA und HSPA+ ausgebaut sind. Auf Basis der im Jahr 2010 neu zugeteilten Frequenzen aus der Digitalen Dividende im reichweitenstarken 800-MHz-Band findet zudem gegenwärtig ein Netzausbau mit Mobilfunknetzen im neuen LTE-Standard gezielt in weißen Flecken statt. In dünn besiedelten Orten tragen weiterhin bereits seit mehreren Jahren lokale Funknetze auf Basis von WLAN- und weiterer Funktechnologien einen gewissen Anteil zur Netzanbindung bei. Rund 150, meist kleinere Anbieter haben eine variantenreiche Landschaft lokaler und regionaler Funklösungen geschaffen. Richtfunk ist die dritte wichtige Funktechnologie zur Breitbandanbindung. Die überwiegende Mehrheit der knapp 70.000 Richtfunkstrecken in Deutschland werden in der Breitbandzuführung zu den Mobilfunkbasisstationen eingesetzt.

In der längeren Perspektive werden sich kleine lokale Funknetze als Übergangstechnologie erweisen, die angesichts der steigenden Datenverkehrsnachfrage bald an ihre Leistungsfähigkeitsgrenzen stoßen. Den LTE-Mobilfunknetzen wird hingegen auch langfristig eine gewichtige Rolle beim Breitbandzugang zugesprochen – zunächst mit dem Schwerpunkt auf stationären Breitbandzugängen und später mehr und mehr bei mobilen Anwendungen. Innerhalb der nächsten 2-3 Jahre ist mit einem bundesweiten Ausbau der LTE-Mobilfunknetze zu rechnen. Auch die Bedeutung des Richtfunks bei der Breitbandzuführung wird angesichts des Ausbaus der Mobilfunknetze sowie der zunehmend in kleineren Ortschaften anzutreffenden VDSL-Netze ab dem Schaltverteiler mit Funkzuführung eher zunehmen. Trotz künftiger Investitionen in Glasfaser auch in ländlichen Regionen wird somit Funk seine hohe Bedeutung für Breitband beibehalten und sogar festigen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.