Diskussionsbeiträge

Christin-Isabel Gries, J. Scott Marcus

Die Bedeutung von Bitstrom auf dem deutschen TK-Markt

Nr. 355 / Juni 2011

Zusammenfassung

Bistromzugang spielt als Vorleistungsprodukt im deutschen Breitbandmarkt bisher eine untergeordnete Rolle und stagniert seit seiner Einführung in den Markt auf niedrigem Niveau. Die Gründe für diese Entwicklung und eine möglicherweise veränderte Rolle von Bitstromzugang im Zuge des NGA-Ausbaus stehen im Vordergrund der vorliegenden Studie, die schwerpunktmäßig die Bedeutung von Bitstrom für die Geschäftsmodelle der Wettbewerber im Breitbandmarkt in den Blick nimmt.

Die Analyse der bisherigen Entwicklung macht deutlich, dass die geringe Bedeutung von Bitstromzugang für den Breitbandwettbewerb durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren erklärbar ist. Am bedeutendsten ist dabei die im internationalen Vergleich herausragende Rolle des Zugangs zur entbündelten TAL, der bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt (1998) in den Markt eingeführt wurde. Regulierte Bitstromprodukte waren erst 10 Jahre später verfügbar und konnten angesichts der bereits hohen DSL-Penetration für die weitere Markterschließung keine relevante Rolle mehr spielen. Die wenigen im Markt genutzten Bitstromzugangsprodukte beziehen sich auf Layer 3 und gehen auf die Migration von Resale zu Bitstrom zurück. Dabei spielen neben der DTAG auch alternative Netzbetreiber eine bedeutende Rolle als Bitstromanbieter. Für Layer 2-Bitstromzugang gab es in Deutschland bisher zwar ein Angebot, aber aufgrund von Qualitätsmängeln, Schnittstellenproblemen und Implementierungsschwierigkeiten keine Nachfrage. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass ein wesentliches Hemmnis für den Erfolg von Ethernet-Bitstrom derzeit durch eine Einigung der Marktteilnehmer auf eine umfassende NGA-Interoperationsschnittstelle demnächst überwunden sein kann.

Im Zuge des Ausbaus der Anschlussnetze zu NGA sind grundlegende Veränderungen der Wettbewerbsverhältnisse zu erwarten, die eine zunehmende Bedeutung von Bitstromzugang bewirken könn-ten. Die bisher bekannten Ausbaupläne deuten darauf hin, dass kein einziger Netzbetreiber über eine flächendeckende Infrastruktur verfügen wird. Vielmehr zeichnet sich die Entstehung zahlreicher NGA-Netze ab, die von unterschiedlichen Anbietern betrieben werden und regional begrenzt sind. Der Zugang zu diesen vereinzelten Netzen, auf den nahezu alle relevanten Wettbewerber in Zukunft angewiesen sein werden, wird eine der größten Herausforderungen im NGA-Bereich sein. Die DTAG wird in diesem Wettbewerbsumfeld selbst als bedeutender Nachfrager von Vorleistungsprodukten auftreten. Die zukünftige Entwicklung von Bitstromangebot und -nachfrage ist angesichts vieler ungeklärter Fragestellungen noch sehr unsicher. Tendenziell ist jedoch davon auszugehen, dass Bitstromzugang zukünftig an Bedeutung zunehmen wird. Zum einen wird Bitstromzugang - anders als im kupferbasierten Breitbandmarkt - im NGA von Anfang einer hohen Zahl potenzieller Nachfrager als Vorleistungsprodukt zur Verfügung stehen. Zum anderen begrenzt die derzeit in den Ausbaustrategien der DTAG und relevanter Wettbewerber geplante GPON-Technologie aus heutiger technischer und ökonomischer Sicht die Möglichkeiten einer vollständigen Entbündelung. Daraus ergibt sich, dass Bitstromzugang zukünftig möglicherweise das einzig realisierbare Vorleistungsprodukt in Deutschland sein wird.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.