Diskussionsbeiträge

Stephan Jay, Karl-Heinz Neumann, Thomas Plückebaum unter Mitarbeit von Konrad Zoz

Implikationen eines flächendeckenden Glasfaserausbaus und sein Subventionsbedarf

Nr. 359 / Oktober 2011

Zusammenfassung

Die bisherigen Analysen wie auch die Einlassungen potenzieller Investoren haben gezeigt, dass ein flächendeckender Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland bei dem derzeit üblichen Entgeltniveau absehbar nicht profitabel sein kann. Das Ziel des in diesem Diskussionsbeitrag vorgestellten Forschungsvorhabens ist die Analyse der ökonomischen Implikationen und des Subventionsbedarfes eines flächendeckenden Glasfaserausbaus in Deutschland mit relevanten glasfaserbasierten Telekommunikationsanschlussnetzen.

Die Versorgung von 43 Millionen Anschlüssen in Deutschland mit FTTB/H und ein Betrieb bei 70 % Penetration erfordert in einer Greenfieldbetrachtung Investitionen in Höhe von 70 bis 80 Milliarden Euro. Die Unterschiede im Investitionsvolumen zwischen den modellierten Architekturen sind relativ gering. GPON erfordert die geringsten Investitionen, aber GPON over P2P benötigt nur wenige Prozent mehr und P2P selbst nur etwa 5 % mehr. Der Grund für die geringen Unterschiede liegt darin, dass die Segmente mit dem höchsten Investitionsanteil Drop-Kabel, Hauszuführung und Inhausverkabelung in allen FTTH Architekturen identisch sind. Sensitivitäten zeigen, dass die Mitnutzung existierender Leerrohre des deutschen Kupfernetzes – selbst wenn sie kostenlos ist - in den weniger dicht besiedelten Regionen nur begrenzte Einsparungen bringt, weil sie dort nur in geringem Maße verfügbar sind. Dieser Effekt könnte durch (kostenlosen) Zugang zu anderen Infrastrukturen vergrößert werden.

Die Profitabilität von NGA hängt in kritischer Weise von der Penetration, also der Netzauslastung bzw. der Nachfrage nach Festnetzanschlüssen ab. Investoren müssen hohe Penetrationsraten erzielen, die bei dem von uns unterstellten Vollausbau deutlich über 40 %, oft sogar bei 60 % und mehr liegen. Selbst bei hohen Penetrationsraten von 70 % sind die Kosten in weniger dicht besiedelten Regionen noch zu hoch, um bei marktüblichen Preisen einen profitablen Betrieb zu gestatten. Die Grenze des profitablen Ausbaus liegt daher je nach NGA-Architektur und Szenario zwischen 20 % und 45 % der deutschen Teilnehmer. Um die Flächendeckung dennoch zu erreichen, könnten die Endkunden höhere Preise in Kauf nehmen. "Auf dem Land" müsste ein NGA-Anschluss dann bis zu 70 Euro im Monat kosten. Alternativ ist denkbar, dass die Endkunden einen einmaligen Investitionsbeitrag leisten, der je nach Cluster zwischen wenigen Hundert bis über 2.000 € beträgt. Das Gesamtvolumen einer externen Subventionierung dieser Zuschüsse liegt bei ungefähr 14 Milliarden Euro.

Alternativ zur Preisdifferenzierung wäre auch eine Abgabe denkbar, die von allen NGA-Nutzern in gleicher Höhe eingesammelt wird. Die Höhe der Abgabe hängt entscheidend vom gewählten einheitlichen ARPU und der Penetration ab. Beim Basis-Szenario mit 70 % Penetration und 38 € monatlichem ARPU müssten alle Kunden 6 € im Monat mehr zahlen, um den flächendeckenden Ausbau mit FTTH/P2P zu subventionieren.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.