Diskussionsbeiträge

Stefano Lucidi, Ulrich Stumpf

Regulatorische Ansätze zur Vermeidung wettbewerbswidriger Wirkungen von Triple-Play-Produkten

Nr. 369 / Juni 2012

Zusammenfassung

Mit zunehmenden Übertragungsbandbreiten, der flächendeckenden Verfügbarkeit von Breitbandanschlüssen und der weitgehenden Digitalisierung haben in den letzten Jahren Triple-Play-Angebote weiter an Bedeutung gewonnen. Telekommunikationsanbieter und Kabelnetzbetreiber locken mit Paketangeboten bestehend aus einem Telefonanschluss, einem schnellen Internet-Zugang und Fernsehen. Kabelnetzbetreiber sind durch Triple-Play-Bündel zu ernsthaften Konkurrenten von Telekommunikationsunternehmen geworden. Triple-Play-Angebote rücken daher verstärkt in den Fokus europäischer Regulierungsbehörden und werden bei zukünftigen Marktanalysen eine nennenswerte Rolle spielen. Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit zwei daraus erwachsenden Herausforderungen für die Telekommunikationsregulierung: i) Erfordert die zunehmende Verbreitung von Triple-Play-Produkten eine Anpassung der regulatorischen Marktabgrenzung? ii) Welche Wettbewerbsprobleme gehen von Triple-Play-Produkten aus und wie sollen Bündelprodukte regulatorisch behandelt werden?

Mit zunehmender Bedeutung von Triple-Play-Angeboten stellt sich die Frage, ob eine eigenständige Marktabgrenzung für Bündelangebote und damit einhergehend eine Anpassung der Marktanalysen gerechtfertigt ist, oder ob sich die relevanten Märkte nach wie vor auf einzelne Komponenten eines Bündels beziehen. Mit Hilfe des traditionellen Instruments zur Bestimmung der Marktabgrenzung, dem sogenannten Hypothetischen Monopolisten-Test (HM-Test), wird diese Frage auf Basis von Preisdaten aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien näher untersucht. Die Analyse konzentriert sich auf einen Ausgabenvergleich von Triple-Play-Produkten mit Kombinationen aus Double-Play-Angeboten und Einzeldiensten von unterschiedlichen Anbieten. Eine separate Marktabgrenzung für Triple-Play-Produkte ist nicht gerechtfertigt, wenn Konsumenten bei einer hypothetischen Preiserhöhung des Triple-Play-Produktes dieses „auseinanderpflücken" und auf alternative Kombinationen ausweichen würden.

Da Triple-Play-Angebote sowohl regulierte Produkte (Telefon und Internet) als auch nicht regulierte Produkte (TV) enthalten, stellt sich die Frage, ob bestehende Regulierungsmaßnahmen ausreichen, um eventuelle Wettbewerbsprobleme zu behandeln. Wettbewerbswidrige Gefährdungen können hauptsächlich durch Marktmachtübertragung aufgrund von Zugangsverweigerung zu Vorleistungsprodukten oder Marktmachtübertragung durch Preis-Kosten-Scheren bzw. durch Kampfpreise entstehen. Der Diskussionsbeitrag behandelt sowohl die technische als auch wirtschaftliche Replizierbarkeit von Triple-Play-Angeboten durch alternative Wettwerber.

Die rasante Entwicklung von Multiplay-Produkten hält an und mit Quadruple-Play-Angeboten, der Erweiterung von Triple-Play um Mobilfunkanwendungen, wird die nächste Herausforderung in den Blickpunkt der Regulierung rücken.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.