Diskussionsbeiträge

Dragan Ilic, Stephan Jay, Thomas Plückebaum, Peter Stamm

Migrationsoptionen für Breitbandkabelnetze und ihr Investitionsbedarf

Nr. 380 / August 2013

Zusammenfassung

Breitbandkabelnetze lassen sich auf vielfältige Weise an steigende Bandbreitenbedürfnisse bzw. IP-Dienstpenetration anpassen. In dieser Studie werden insbesondere Maßnahmen fokussiert, welche durch Ausbau von Glasfaser und Verkleinerung der Koaxialsegmente die (geteilte) Bandbreite des einzelnen Kunden erhöhen. Andere Maßnahmen wie die Ausweitung des genutzten Frequenzraums oder der Übergang zu effizienteren Übertragungstechnologien werden nicht untersucht. Diese stehen den Kabelnetzbetreibern jedoch grundsätzlich offen und erweitern den Lösungsraum der Netzplaner.

Selbst ohne den Ausbau des Glasfaseranteils können Kabelnetzbetreiber durch Verkleinerung der Koaxialsegmente und Anpassung der Domänen flexibel auf steigende Bandbreitennachfrage im Netz reagieren. Das Verteilnetz muss hierbei nicht geändert werden. Mit der Migration von Full Service DOCSIS zu mehr in der Fläche verteilten Fibre Nodes bei Deep Fibre und der damit einhergehenden deutlichen Verkleinerung der Koaxialsegmente lassen sich neue Bandbreitenpotenziale erschließen.

Mit dem modifizierten Bottom-Up WIK NGA Kostenmodell werden in der Studie die Investitionen eines Neubaus des Breitbandkabels in Deutschland abgeschätzt. Für den derzeitigen aufgerüsteten Abdeckungsgrad von rund 60 % der Teilnehmer ergibt sich ein Investitionsvolumen von etwa 33 Mrd. € für die Full Service DOCSIS oder Deep Fibre Varianten. Die Investitionen liegen damit etwa 10 % unter dem vom WIK geschätzten Aufwand für ein FTTH/P2P Netz in gleicher Ausdehnung in Deutschland. Beide Werte werden mit dem Modell als Neubaukosten bestimmt. Aus den Neubaukosten werden dann die (für die Analyse relevanten) inkrementellen Investitionen einer Migration zu leistungsfähigeren Architekturen per geeigneter Subtraktion ermittelt. Diese zusätzlichen Investitionen zur Migration einer bestehenden Full Service DOCSIS Architektur zu Deep Fibre sind relativ gering. Sie liegen bei etwa 50 € bis 150 € pro Home Passed bzw. 80 € bis 240 € pro Home Connected.

Die RFoG Architektur – vergleichbar mit FTTB – skaliert mit den derzeit verfügbaren Technologien noch schlecht in der Fläche und erfordert sehr hohe CMTS-Investitionen, welche durch Unteilbarkeiten bei der Bereitstellung von Domänen für Fibre Nodes in jedem Gebäude getrieben werden. Die ökonomische Analyse legt nahe, dass RFoG derzeit nur für große Liegenschaften attraktiv ist, nicht aber in der flächenmäßigen Erschließung.

Eine Analyse der umgerechneten monatlichen Kosten pro Kunde auf Wiederbeschaffungskostenbasis von Full Service DOCSIS und Deep Fibre zeigt, dass diese im relevanten Penetrationsbereich deutlich oberhalb der durchschnittlichen Einnahmen pro Kunde liegen. Zu Wiederbeschaffungskosten angesetzt, sind flächendeckende Kabelnetze daher nicht profitabel. Dies dürfte mittelfristig im Rahmen planmäßiger Ersatzinvestitionen auch dazu beitragen, dass Kabelnetzbetreiber ihre durchschnittlichen Erlöse pro Kunde steigern müssen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.