Diskussionsbeiträge

Nr. 408: Wohlfahrtsökonomische Effekte einer Pure LRIC - Regulierung von Terminierungsentgelten

Autoren: Tseveen Gantumur, Iris Henseler-Unger, Karl-Heinz Neumann
Mai 2016

Zusammenfassung

Der Terminierungsmarkt ist dadurch gekennzeichnet, dass die Terminierungsleistung einen eigenen Monopolmarkt bildet und zugleich potentielle Nachfragemacht eine relativ geringe Rolle spielt. Vor dem Hintergrund der strukturellen Besonderheiten des Terminierungsmarktes entsteht die empirische Kernfragestellung, ob der regulierungsinduzierte Rückgang der Mobilterminierungsentgelte (MTRs) und zuletzt die Implementierung des Pure LRIC-Kostenansatzes (LRIC) eine Erhöhung der tatsächlichen Nachfrage in den EU Mobilfunkmärkten hervorgerufen hat. Getrieben von unterschiedlichen Anreizstrukturen der betroffenen Telekommunikationsnetze geht die vorliegende Studie anhand einer quantitativen Analyse ausgewählter EU-Länder der konkreten Fragen nach, inwiefern die Reduzierungen bei MTRs die Verteilung der Sprachverkehrsmengen über die Mobilfunknetze und zwischen den Fest- und Mobilfunknetzen beeinflussen können. 

Seit Jahren erfolgte der Rückgang der MTRs in einem beträchtlichen Ausmaß und in unterschiedlicher Ausprägung über die Zeit und dies auch in den Ländern, die LRIC nicht oder vergleichsweise später eingeführt haben. Es ist festzustellen, dass die sinkenden MTRs und die Implementierung des LRIC-Kostenansatzes Verteilungseffekte innerhalb der Mobilfunknetze und zwischen den Festnetz- und Mobilfunknetzen hervorrufen, jedoch der Gesamteffekt in Bezug auf die Nachfragemengen nahezu unverändert bleibt.  

Die Studie zeigt, dass zum einen das On-net/Off-net Verkehrsungleichgewicht im Zeitraum der Implementierung von LRIC beträchtlich zurückgeht. Dies gilt allerdings für alle Länder unabhängig vom angewendeten Kostenansatz. Neben der Reduzierung von MTRs insgesamt und der Einführung von LRIC im Einzelnen hat auch die vorliegende Marktstruktur bzw. die Existenz von symmetrischen Marktanteilen der Mobilfunknetzbetreiber eine bedeutende Rolle für eine Annährung zu einem Gleichgewicht der Sprach-verkehre der Mobilfunkanbieter. Zum anderen zeigen die quantitativen Erkenntnisse, dass – im Gegensatz zur Behauptung, dass niedrigere Terminierungsentgelte und die auf LRIC gesetzten MTRs die Substitution von Festnetz- durch Mobilfunkleistungen verlangsamen können, in den Ländern, die LRIC anwenden, die Festnetz-zu-Mobilfunk Substitution sowohl vor als auch nach der Einführung von LRIC stark ausgeprägt ist. Dies steht im Einklang mit der weiteren Erkenntnis, dass die durch On-net/Off-net Preisdifferenzen verursachte Netzwerkexternalitäten, zwar in einem geringeren Ausmaß, allerdings noch weiterhin bestehen. Schließlich zeigen die ersten Erkenntnisse auf aggregierter Ebene einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Rückgang der MTRs und der Erhöhung von Post-paid Kunden, jedoch nur eine schwache Auswirkung des MTR-Rückgangs auf die Gesamtnutzung der Sprachverbindungen, was mit der Marktreife der EU-Mobilfunkmärkte zu erklären sein dürfte. 

Im Hinblick auf das Wettbewerbsverhalten lässt sich einerseits festhalten, dass die Erhöhung des Off-net Verkehrs in einer erhöhten Substituierbarkeit der Mobilfunknetze resultieren sowie mithin zur Reduzierung der Markmacht der einzelnen Mobilfunknetze führen dürfe. Um das Potential der Beeinträchtigung des Wettbewerbs zwischen den Fest- und Mobilfunknetzen zu vermindern, scheint andererseits neben den MTR-Reduzierungen die Entwicklung von komplementären Fest- und Mobilfunkdiensten sowie Incumbent-Vorteile von wesentlicher Bedeutung zu sein.  Die Erkenntnisse dieser Studie sollen im Weiteren einer Prüfung statistischer Signifikanz im Rahmen ökonometrischer Analysen unterzogen werden, sobald relevante Daten es zulassen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.