Diskussionsbeiträge

Martin O. Wengler, Ralf G. Schäfer

Substitutionsbeziehungen zwischen Festnetz und Mobilfunk: Empirische Evidenz für Deutschland und ein Survey internationaler Studien
Nr. 249 / Dezember 2003

Zusammenfassung

Waren Mobilfunkgeräte zu Beginn der neunziger Jahre noch teure, technisch wenig ausgereifte Produkte, die überwiegend von Geschäftskunden genutzt wurden, so erhöhte sich die Nachfrage nach Mobilfunkanschlüssen mit der Einführung der digitalen GSM-Technologie drastisch. Mobilfunkgeräte entwickelten sich im Laufe der neunziger Jahre, nicht zuletzt aufgrund sinkender Preise, zu einem echten Massenartikel und heute existieren in Deutschland mehr Mobilfunk- als Festnetzanschlüsse. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich die Austauschbeziehung zwischen beiden Gütern gestaltet. In welchem Maße kann das Mobilfunknetz das Festnetz substituieren und welche Dynamik entwickelt die Substitution auf der Gesprächsebene?

Für Deutschland existierten bisher kaum empirische Untersuchungen die sich mit der Frage der Festnetz-Mobilfunk-Substitution vertieft beschäftigten. Die verfügbaren Studien behandelten das Substitutionsthema allenfalls mit deskriptiven statistischen Verfahren oder erfassten Deutschland im Rahmen von internationalen Querschnitts­analysen. Das zentrale Anliegen dieser Studie ist es daher, Substitutions- bzw. Komplementaritätseffekte für den deutschen TK-Markt zu erfassen und mit analytischen Verfahren empirisch zu untersuchen. Die Datengrundlage bildet eine extern durchgeführte repräsentative Marktforschungserhebung bei Haushalten und Unternehmen in Deutschland. Die Analyse dieser Daten ist darauf ausgerichtet, das Verhalten und die Wahrnehmung verschiedener Kundengruppen hinsichtlich der Nutzung von Festnetz und Mobiltelefonen zu beschreiben und zu erklären. Darüber hinaus werden internationale ökonometrische Studien zur Frage der Substitution herangezogen. Dies geschieht vor dem Hintergrund die empirischen Befunde für Deutschland im internationalen Kontext einzuordnen und bewerten zu können. Ferner werden die zur Substitutionsanalyse verwendeten ökonometrischen Verfahren dargestellt und bewertet.

Die Studie liefert im Ergebnis detaillierte Informationen zu drei Themenkomplexen des Substitutionssachverhalts:

  • Nutzung und Wahrnehmung von Festnetz- und Mobilfunkdiensten durch verschiedene Kundengruppen (Haushalte und Unternehmen) in Deutschland,
  • Richtung und Ausmaß der Substitution in anderen Ländern,
  • Perspektiven zur Vertiefung der Thematik der Festnetz-Mobilfunk-Substitution.

Die Untersuchung zeigt, dass in Deutschland bereits einige Anzeichen einer Festnetzsubstitution durch den Mobilfunk vorhanden sind. Hält die beobachtete Entwicklung zukünftig an oder verstärkt sich sogar, wie dies die empirischen Ergebnisse für andere industrialisierte Länder nahe legen, so wird die Substitution höchstwahrscheinlich mittel- bis längerfristig auch Einfluss auf den Wettbewerb und die Marktstrukturen ausüben.

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