Diskussionsbeiträge

Dieter Elixmann, Ulrike Schimmel unter Mitarbeit von Anette Metzler

Next Generation Networks" and Challenges for Future Competition and Regulatory Policy
Nr. 248 / November 2003

Zusammenfassung

Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen traditionellen PSTN/ISDN Netzen und Next Generation Networks (NGNs). NGNs basieren auf einem paketvermittelnden Netz und verarbeiten Sprach-, Daten und Videoverkehr gleichzeitig. In solch einem Netz sind die Transport- und Kontrollfunktionen getrennt, die Netzfunktionen sind dezentral angesiedelt, die Intelligenz liegt mehr und mehr in Endgeräten und Standards sind offen. NGNs werden vermutlich auf einer Schichtenstruktur bestehend aus vier Schichten beruhen. Die starke Disaggregierung von NGNs ermöglicht eine weitgehende Spezialisierung von Marktteilnehmern auf verschiedene funktionale Bereiche der Bereitstellung von Diensten und Applikationen. Insbesondere kann ein Wettbewerber eigene Dienste und Applikationen unabhängig vom Transportnetz spezifizieren. Darüber hinaus können Dienste durch Endnutzer kreiert werden. Dies führt im Ergebnis zu einer Multi-Schichten, Multi-Netzbetreiber und Multi-Service Provider Welt.

NGNs werden zu einer Verwischung von traditionellen PSTN/ISDN Konzepten führen. Dies betrifft insbesondere die Funktionsherrschaft über einzelne Netzbestandteile sowie das Betreiben ein(es) Netz(es). Die Kontrolle über ein Netz wird sich nicht länger direkt an physikalischen Netzbestandteilen festmachen lassen. A-priori wird es ein breites Spektrum von zulässigen dienste- bzw. netzbezogenen Zusammenschaltungspunkten geben. In einer voll entwickelten NGN-Umgebung werden Service Provider zumindest konzeptionell Zugang zu Funktionen der Kontroll- und Nutzerebene sowie zu Netzmanagementfunktionen benötigen. Aufgrund ihrer Dezentralisierung werden NGNs aller Wahrscheinlichkeit nach die Abgrenzung neuer TK-Märkte erfordern. Darüber hinaus können neue Möglichkeiten und Anreize für vertikale Integration eine viel differenziertere Art und Weise der Definition und Bewertung der missbräuchlichen Ausnutzung einer Marktstellung als heute sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen sie erfordern. Einmal abgesehen vom tatsächlichen Bestehen von “essential facilities“, wird die Entbündelung in einer NGN-Umgebung eine Reihe von neuen Herausforderungen mit sich bringen. Die starke Disaggregierung von NGNs macht die Aufgabe der Sicherstellung der Netzintegrität sehr komplex. Darüber hinaus wird zumindest die Migration zu NGNs absehbar durch herstellerspezifische Dienste- und Netzarchitekturmerkmale charakterisiert werden. Zusammen mit der Dynamik des technischen Fortschritts und in der Folge viel kürzeren Produktlebenszyklen als in der PSTN Welt ist daher der Raum für regulatorische Eingriffsmöglichkeiten mit Blick auf Entbündelung in NGNs beschränkt, wenn Regulierung technologieneutral sein soll. Zusätzlich wird potenziell die Zahl der in einen regulatorischen Entbündelungsfall involvierten Wirtschaftseinheiten zunehmen.

Mit Blick auf Verpflichtungen zur Zusammenschaltung in (Ende-zu-Ende) IP-basierten Netzen sehen wir einen Unterschied zwischen der Zusammenschaltung von internationalen oder nationalen Backbones von ISPs auf der einen Seite und der zwischen großen nationalen ISPs und kleinen regionalen oder lokalen ISPs auf der anderen Seite. Mit Blick auf Interoperabilität sollte die Entwicklung von Normen und Standards zuallererst dem Markt überlassen werden. Regulierung wird jedoch eine bedeutende Aufgabe haben den Prozess der Standardisierung zu organisieren und zu überwachen sowie geeignete Konfliktlösungsmechanismen zu entwickeln. [Full version only available in English]

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