Diskussionsbeiträge

Peter Stamm, Martin Wörter

Mobile Portale: Merkmale, Marktstruktur und Unternehmensstrategien
Nr. 244 / Juli 2003

Zusammenfassung

Je mehr Datendienste im Mobilfunk angeboten und genutzt werden, desto wichtiger werden mobile Portale, die als Einstiegsseiten Orientierung bieten und den Nutzern einfachen und schnellen Zugang zu mobilen Multimediadiensten gewährleisten. Beste Marktchancen haben mobile Portale, die den Besonderheiten der mobilen Nutzung Rechnung tragen und kontextbezogene Dienste anbieten. Ein mobiles Portal mit großem Nutzerkreis genießt starke Aufmerksamkeit, da die mobilen Endgeräte wie Mobiltelefon oder PDA permanente und persönliche Begleiter sind. Diese Aufmerksamkeit stellt in der digitalen Welt eine knappe und wirtschaftlich höchst interessante Ressource dar.

Während der letzten Jahre gab es bereits zahlreiche Versuche mobile Portale zu etablieren, die jedoch zu einem großen Teil wieder beendet werden mussten. In einer frühen Marktphase sind Konsolidierungen und Selektionen nicht ungewöhnlich. Alle rdings hatten es die Anbieter auch mit äußerst ungünstigen Begleitumständen zu tun. Hierzu zählten vor allem technische Probleme mit WAP, Verzögerungen im UMTS-Netzaufbau sowie die Situation an den Kapitalmärkten. In vielen Fällen wurden jedoch auch die spezifischen ökonomischen Merkmale der mobilen Portale nicht beachtet. Auf Grund der Dominanz fixer Kosten und dem Auftreten von Netz- und Lock-in-Effekten ist es für einen erfolgreichen Portalbetrieb notwendig, innerhalb kurzer Zeit einen großen Nutzerkreis zu gewinnen und Umsätze durch entgeltpflichtige Premiumdienste zu generieren.

Langfristig werden sich, neben einer größeren Anzahl an Spezial Interest Portalen, nur wenige breit positionierte General Interest Portale am Markt behaupten können. Kritische Erfolgsfaktoren sind in erster Linie die Reputation des Anbieters, die Qualität der Dienste und Inhalte, der Offenheitsgrad des Portals sowie die Möglichkeiten zur Personalisierung. Walled Garden Strategien werden dagegen weitgehend vom Markt verschwinden. Zur Entwicklung attraktiver Angebote sind Kooperationen und Allianzen unerlässlich – Stichwort „Co-opetition“. Die Nutzung bekannter und positiv belegter Marken ist ebenso hilfreich wie der Bezug von Vorleistungen im Rahmen von Revenue-Sharing-Vereinbarungen. Große Erwartungen bestehen hinsichtlich der indirekten Finanzierung mobiler Portale durch den M-Commerce, dem ein großes Potenzial beschieden wird.

Die Mobilfunknetzbetreiber besitzen von allen am mobilen Portalmarkt aktiven Unternehmen die beste Ausgangsposition. Durch ihren Vertrieb subventionierter Endgeräte besitzen sie Möglichkeiten zur Integration ihrer Portaldienste in die Gerätesoftware. Sie kontrollieren die technischen Übertragungssysteme und verfügen über die besten Voraussetzungen für das Micropayment von Premiumdiensten. Mit Hilfe ihrer Kundendaten sowie der Möglichkeit einer Ortsbestimmung können sie sehr zielgerichtete Angebote unterbreiten. Der internationale Markenauftritt einiger Netzbetreiber hilft ihnen, Economies of Scale zu realisieren und den internationalen Zugang zu ihren mobilen Portalen zu gewährleisten.

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