Diskussionsbeiträge

Hilke Smit

Reform des UPU-Endvergütungssystems in sich wandelnden Postmärkten
Nr. 238 / Juni 2002

Zusammenfassung

Ein zentrales Charakteristikum des internationalen Postwesens stellte in der Ver­gangen­heit die Existenz mehr oder minder großer nationale Gebietsmonopole für die Postbetreiber dar. Dies impliziert zwangsläufig, dass die internationalen Sendungs­strö­me nicht von einem Postbetreiber ‚end to end‘ in Analogie zur nationalen Beförde­rungsleistung entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Absender zum Emp­fänger bearbeitet werden können, sondern statt dessen eine Kooperation zwischen unterschiedlichen Postbetreibern[1] notwendig ist. Auch heute noch bildet aufgrund der weiterhin bestehenden Monopol- und Exklusivrechte, aber auch aufgrund der Unmög­lichkeit eines flächendeckenden weltweiten Netzaufbaus die Kooperation der Postbe­treiber untereinander den Kern des internationalen Postwesens.

Die Abwicklung eines solchen kooperativen Netzes bedarf der vertraglichen Definition und Absicherung. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die internationale Koopera­tionsleistung der Postbetreiber untereinander zu vergüten ist. Um die internationale Ko­operation nicht durch ein komplexes Abrechnungssystem zu belasten, einigten sich die Länder auf Ebene des Weltpostvereins zunächst auf die vollständige Einbehaltung der Einlieferungsgebühr für abgehende Sendungen bei gleichzeitiger Verpflichtung, einge­hen­de internationale Sendungen ohne gesonderte Vergütung durch die einliefernden Postverwaltungen zu befördern und zuzustellen. Dieses System scheiterte jedoch an be­stehenden Ungleichgewichten der zwischen den Ländern ausgetauschten Sendungs­ströme. Vor diesem Hintergrund wurde 1969 auf Ebene des Weltpostvereins ein System von Endvergütungen implementiert.

Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die Entwicklung dieses Endvergütungssystems über die Zeit darzustellen und hinsichtlich seiner Lösungsfähigkeit der Probleme der Vergütung internationaler Kooperationsleistungen (beispielsweise Verzerrungen des Preissystems und der Sendungsstromallokation durch nicht kostenorientierte Ver­gü­tungs­sätze oder aber Wettbewerbsverzerrungen, die vom Endvergütungssystem im Zuge der Öffnung der Märkte ausgehen) zu analysieren. Dabei wird zunächst die grundsätzliche Funktionsweise von Endvergütungssystemen anhand der ersten Ver­suche des Weltpostvereins, Endvergütungssysteme zu implementieren, aufgezeigt. Sie bildet den Hintergrund für die Darstellung der Probleme, die mit der Implementierung und Anwendung eines Endvergütungssystems verbunden sind. Hierauf aufbauend wird dann in einem weiteren Schritt die Entwicklung des Endvergütungssystems des Weltpostvereins sowie alternativer Endvergütungssysteme über die Zeit dargestellt und hinsichtlich ihrer Lösungsfähigkeit gerade auch vor dem Hintergrund sich wandelnder Postmärkte analysiert.

[1] Hier ist eine Kooperation zwischen dem Postbetreiber des Absenderlandes, des Transitlandes sowie des Bestimmungslandes notwendig.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.