Diskussionsbeiträge

Hilke Smit

Auswirkungen des e-Commerce auf den Postmarkt
Nr. 237 / Juni 2002

Zusammenfassung

Die Entwicklung des e-Commerce im Allgemeinen führt auch auf dem Postmarkt zu vielschichtigen Veränderungen. Diese betreffen einerseits sinkende Sendungsvolumina aufgrund der Substitution des postalischen Versandes durch den elektronischen Versand von Daten bei digitalisierbaren e-Commerce Transaktionen. Andererseits werden jedoch hinsichtlich jener Transaktionen, die den Handel physischer Güter betreffen, steigende Sendungsvolumina im Bereich postalischer Dienstleistungen erwartet. Dieses gilt sowohl für den B2B als auch für den B2C Bereich und ist insbesondere auf die Tendenz einer Verringerung der Größe der Sendungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Bestellhäufigkeit zurückzuführen. Der B2C Bereich profitiert darüber hinaus von einer Verschiebung der Sendungsmengen vom B2B Bereich auf den B2C Bereich in Folge der durch den e-Commerce veränderter Strukturen der Wertschöpfungsketten.

Vor diesem Hintergrund hat der vorliegende Diskussionsbeitrag die sich wandelnde Position der Postdienstleister sowohl im Brief- als auch im Paketmarkt vor dem Hintergrund der e-Commerce Entwicklung zum Gegenstand.

Um die zusätzlichen Sendungsvolumina auf sich zu ziehen, bestehen bei den Postdienstleistern Tendenzen, ihr Leistungsspektrum zunehmend sowohl entlang der gesamten e-Commerce Fulfilmentkette als auch in den Bereich der dem Fulfilment vorgelagerten e-Commerce Dienstleistungen auszudehnen. Dieser Wandel der Postdienstleister hin zu umfassenden Fulfilmentdienstleistern wird im vorliegenden Diskussionsbeitrag zunächst allgemein diskutiert und im Anschluss daran anhand von Fallbeispielen verdeutlicht. Dem e-Commerce muss vor diesem Hintergrund eine positive Auswirkung auf die Innovationsaktivitäten der Postdienstleister zu geschrieben werden.

In einem weiteren Schritt wird untersucht, inwieweit die Auswirkungen des e-Commerce auf das Sendungsvolumen des Brief- und Paketmarktes dazu führen, dass sich die Markt- und Wettbewerbsstrukturen in den Märkten verändern. Dabei wird von der Hypothese ausgegangen, dass die steigenden Sendungsvolumina bei den Anbietern zu einer Abschwächung ihres Wettbewerbsnachteils hinsichtlich der Ausnutzung von Skaleneffekten führen können und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit in Folge des e-Commerce steigen könnte. Die Analyse kommt dabei zu dem Schluss, dass diese Erwartung zum einen aufgrund des nur geringen Anteils der e-Commerce Sendungen am Gesamtsendungsvolumen und zum anderen aufgrund fortbestehender Markteintrittsbarrieren beispielsweise in Form von Reputationsvorteilen der DPAG, Vorteilen der Verbundproduktion von Brief- und Paketdiensten als auch bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen relativiert werden muss. Es besteht daher weder im Brief- noch im Paketmarkt eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Veränderung der Markt- und Wettbewerbsstrukturen in Folge der e-Commerce Entwicklung. Vielmehr führen die durch den e-Commerce generierten Sendungsvolumina eher noch zu einer Verfestigung der derzeitigen Wettbewerbsposition der DPAG.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.