Diskussionsbeiträge

Patrick Anell , Stephan Jay , Thomas Plückebaum

Nachfrage nach Internetdiensten – Dienstearten, Verkehrseigenschaften und Quality of Service

Nr. 302 / Dezember 2007

Zusammenfassung

Das Verkehrsvolumen von Internetdiensten ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Mit der zunehmenden Verbreitung von DSL-Zugangstechnologien verändern sich nicht nur Dienstearten und Inanspruchnahme, auch angebotsseitig sind die Umstellung auf ein Next Generation Network (NGN) und die Realisierung effizienterer Netzstrukturen zu bewerkstelligen. Die Anforderungen breitbandiger Internetdienste unterscheiden sich dabei grundlegend von denen des Telefonverkehrs, weil sie heterogener Natur sind. Zentrale Unterschiede bestehen hinsichtlich Qualitätsanforderungen, des Bandbreitenbedarfs sowie der Verteilung des Tagesverkehrs und Spitzenlasten. Die Studie geht der Frage nach, welche Anforderungen an Qualitätsmerkmale gestellt werden und wie diese in heutigen und zukünftigen Netzarchitekturen sichergestellt werden können. Darauf aufbauend werden die Unterschiede der Netzdimensionierung von schmalbandigem PSTN und Breitband dargestellt und der Einfluss neuer Dienste erläutert.

Um sowohl die nachfrageseitige Entwicklung des Marktes als auch die kurz- bis mittelfristig bestehenden Anforderungen an die Netzinfrastruktur verstehen und bewerten zu können, werden in der Studie Eigenschaften der Internetnachfrage analysiert. Zunächst werden daher die wesentlichen Dienste identifiziert und anhand Ihrer aktuellen Nutzung quantifiziert. Zudem müssen dienstespezifischen Nutzerprofile erfasst werden, um eine Beurteilung der Auswirkungen auf die Netzdimensionierung vornehmen zu können.

Zusätzlich zu den Nutzungsprofilen werden anschließend die dienstespezifischen technischen Anforderungen an Quality of Service (QoS) dargestellt. Dazu werden die unterschiedlichen Anforderungen der Dienste hinsichtlich Bandbreitenbedarf, Echtzeitanforderungen und Symmetrie herausgearbeitet. Zusätzlich wird eine Einteilung in angemessene Verkehrsklassen vorgestellt, wobei gezeigt wird, dass einige Dienste einen solch heterogenen Charakter aufweisen, dass sie sich nur schwer in standardisierte Klassen einordnen lassen. Im Anschluss daran wird gezeigt, dass die Sicherstellung von hinreichender Qualität über verschiedene Instrumente realisiert werden kann und erheblich vom grundlegenden Netzaufbau im Konzentrationsnetz abhängig ist, in dem sich ein Wandel von ATM Technik zu Ethernet abzeichnet. Die Studie beschreibt daher die wesentlichen Unterschiede verschiedener Strategien zur Bereitstellung von QoS auf ATM-, Ethernet- und IP-Ebene. Es zeichnet sich ab, dass Qualität im NGN (mit Fokus auf Ethernet und IP) nur eingeschränkt garantiert werden kann.

Zuletzt beschreibt die Studie Dimensionierungsstrategien für das schmalbandige PSTN und vergleicht diese mit den Entscheidungskalkülen und Einflussfaktoren der Netzdimensionierung im IP Breitbandnetz. Es zeigt sich, dass die Erweiterung von Breitbandnetzen eine Herausforderung für Netzbetreiber darstellt, da die Architekturen einen sehr flexiblen Umgang mit unterschiedlichen Verkehrsarten erlauben müssen, der es dennoch gestattet, dienstespezifische Qualitäten zu unterscheiden und sicherzustellen.

Die Studie stellt fest, dass es weiteren Forschungsbedarf mit Blick auf die Identifizierung und Zuordnung der Kosten von differenzierter Qualität gibt, wodurch dann auch das Nutzerverhalten nach ökonomischen Prinzipien gesteuert werden kann.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.