Diskussionsbeiträge

Stephan Jay

Bedeutung von Bitstrom in europäischen Breitbandvorleistungsmärkten

Nr. 299 / September 2007

Zusammenfassung

Vor dem Hintergrund des Einführungsprozess von Bitstrom in Deutschland und der fortgesetzten Diskussion über die Ausgestaltung von Bitstromprodukten zielt die vorliegende Studie darauf ab, die Bedeutung von Bitstrom für Breitbandvorleistungsmärkte zu analysieren. Das Ziel ist es dabei auch, die Positionierung gegenüber anderen Vorleistungen und die Leistungsmerkmale von Bitstrom im Kontext der Ladder of Investment zu untersuchen. Dies geschieht durch konkrete quantitative und qualitative Analyse. Ausgehend von der Bitstromdefinition der European Regulators Group wird eine Bestandsaufnahme hinsichtlich der Verfügbarkeit und Varianten von Bitstrom gemacht. In einem ersten Schritt erfolgt dies auf europäischer Ebene auf Basis von Datenmaterial der European Competitive Telecommunications Association und des 12. Implementierungsberichts der Europäischen Kommission. Die ersten Schlussfolgerungen werden um eine regulierungsökonomische Analyse der historischen Entwicklung in ausgewählten Ländermärkten (Frankreich, Großbritannien, Belgien) erweitert. Dabei werden Erklärungsansätze für die Vorleistungsnutzung und relative Bedeutung der einzelnen Vorleistungen in regulatorischen Entscheidungen und Rahmenbedingungen, sowie strategischen Neuausrichtungen der Wettbewerber im Zeitablauf identifiziert. Aufgrund der Heterogenität der Breitbanddienstleistung an sich und der Realisierung von Bitstrom im speziellen, werden dann in einem dritten Schritt die Bitstromstandardangebote in den fünf europäischen Ländern mit dem höchsten Maß an Bitstromnutzung analysiert (Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien, Belgien). Dabei werden die wesentlichen Gestaltungsparameter identifiziert, verglichen und hinsichtlich ihres Differenzierungspotentials eingeordnet. Im Laufe der Analyse wird deutlich, dass es grundsätzliche Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Resale und Bitstrom gibt. Des weiteren werden in den Ländern regelmäßig nur ein oder zwei Vorleistungen in größerem Maße eingesetzt. Bitstrom hat dabei in vier der fünf großen Industrieländer Westeuropas einen entscheidenden Anteil an der Vorleistungsnutzung. Die historische Betrachtung offenbart grundlegende Umschichtungen der nationalen Vorleistungsnutzung, die sich im Sinne einer Evolution entlang der Ladder of Investment deuten lassen. In keinem Land ist dies allerdings so deutlich nachvollziehbar wie in Frankreich. Beim Vergleich der Standardangebote zeigt sich, dass neben den direkten Verkehrsklassen auch andere Gestaltungsmerkmale die relative Position von Bitstrom gegenüber anderen Vorleistungen definieren. Hinsichtlich der Qualitätsmerkmale als Schlüsselelement kann festgestellt werden, dass die Einflussmöglichkeiten bei IP Bitstrom wesentlich geringer als bei ATM Bitstrom sind. Insbe­son­dere vor dem Hintergrund einer Zunahme des Local Loop Unbundling stellt dies jedoch nicht die Komplementarität von Bitstrom generell in Frage. Die Abwesenheit von Qualitätsmerkmalen bei heutigen IP Bitstrom Angeboten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rolle von Bitstrom mit ausgeprägten Differenzierungs­möglichkeiten in der Zukunft bei wachsender Diensteintegration im NGN eher steigen, denn fallen wird. Insbe­sondere mit der Realisierung von FTTx Strategien mag mit Blick auf einen nachhaltigen, infrastrukturbasierten Wettbewerb der Bitstromzugang gegenüber LLU wieder an Bedeutung gewinnen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.