Diskussionsbeiträge

Konrad Zoz

Modellgestützte Evaluierung von Geschäftsmodellen alternativer Teilnehmernetzbetreiber in Deutschland

Nr. 287 / Januar 2007

Zusammenfassung

Im Zentrum des vorliegenden Diskussionsbeitrags stehen endkundenorientierte Teilnehmernetzbetreiber (TNB). Für ein solches Geschäftsmodell ist ein generisches Modell entwickelt worden. Ziel der Modellierung ist, den Unternehmenserfolg eines solchen Unternehmens abzubilden. Das Modell ist als Excel-Tool realisiert.

Der vorliegende Diskussionsbeitrag gibt erstens einen kurzen Überblick zum Festnetzwettbewerb in Deutschland. Zweitens wird der Modellaufbau, die Modellstruktur und die konkrete Umsetzung der wesentlichen Bausteine des Modells vorgestellt und es werden die wesentlichen qualitativen bzw. quantitativen Annahmen beschrieben. Das Modell bezieht sowohl die Umsatz- als auch die Kostenseite des TNB ein. Wesentliche Charakteristika des im Modell erfassten TNB-Geschäfts sind der Netzausbau (insbesondere die Erschließung von HVT), die Bereitstellung von Anschlüssen bzw. von Sprach- und Datendiensten sowie die Kundengewinnung. Modelliert ist darüber hinaus ein integriertes Angebot von TNB- und VNB (Verbindungsnetzbetreiber) –Leistungen. Drittens erfolgt eine empiriegeleitete Ableitung von drei Typen von Teilnehmernetzbetreibern, die sich hinsichtlich ihres geographischen Fokus, der Netzverfügbarkeit, der Kundenzahl und dem Angebot von Call-by-Call Leistungen unterscheiden. Die Ergebnisse von Basisrechnungen mit dem Modell für diese drei TNB-Typen zeigen, dass unter durchaus realistischen Parameterannahmen alle drei TNB-Typen ein positives Ergebnis aufweisen. Es werden Umsatzrenditen ("Gewinn" bezogen auf Umsatz) in der Größenordnung von 4,5 % – 5,5 % erreicht. Dies zeigt, weitgehend unabhängig vom TNB-Typ, generell die Solidität des Geschäftsmodells "TNB". Anders gesagt, auch kleine lokal fokussierte bzw. mittelgroße regional ausgerichtete Geschäftsmodelle sind ebenso wirtschaftlich überlebensfähig wie ein deutschlandweites Angebot. Entscheidend ist in allen Fällen ein "genügend hoher" Marktanteil am Kundenpotential bei den tatsächlich ausgebauten HVT. Viertens fokussieren wir auf umfangreiche Sensitivitätsanalysen. Diese belegen die Robustheit des Modells bei Variation wesentlicher Parameter. Fünftens gehen wir auf Ergebnisse von ausgewählten Szenarien für Änderungen der Unternehmensstrategie ein. Diese beziehen sich (jeweils partial betrachtet) auf die Veränderung der Kundenzahl, der Anzahl ausgebauter HVT, der TAL-Miete, der IC-Tarife sowie auf den Wegfall des Call-by-Call Geschäfts. Die beiden Wachstumsstrategien (Erhöhung der Anschluss­kundenzahl und HVT-Ausbau) zeigen starke Gewinn- sowie Umsatz- und Kostenreaktionen. Es zeigt sich in beiden Szenarien, dass die Steigerung der Telefonanschlusskundenzahl den größten Gewinnbeitrag generiert. Neukunden, die zusätzlich zum Telefonanschluss auch einen DSL-Anschluss nachfragen, tragen zusätzlich zu Gewinnsteigerungen bei, aber nicht in dem gleichen Ausmaß wie dies im Telefonkundengeschäft der Fall ist. Bei einer Erhöhung der TAL-Miete zeigen sich bedingt durch den hohen Anteil der TAL-Miete an den Kosten der vorgestellten TNB durchgängig deutliche Gewinnsenkungen. Bei einer Erhöhung der Zusammenschaltungsentgelte tritt nur bei dem Netzbetreiber mit erheblichem VNB-Geschäft eine starke Gewinnsenkung ein.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.