Diskussionsbeiträge

Anne Stetter, Sonia Strube Martins

Der Markt für IPTV: Dienstverfügbarkeit, Marktstruktur, Zugangsfragen

Nr. 328 / Dezember 2009

Zusammenfassung

Die Investitionsstrategien der großen Kabelnetzbetreiber haben die Rahmenbedingungen für die deutschen Telekommunikationsanbieter als Hauptakteure im IPTV-Markt in den letzten drei bis vier Jahren erheblich verändert. Durch entsprechende Aufrüstungen bei der Zuführung, aber auch im Anschlussbereich wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen, Kunden aus einer Hand Triple Play-Angebote machen zu können. Hinzu kommt der steigende Wettbewerbsdruck durch die Anbieter von Satelliten- und Terrestrikangeboten.

In der Analyse wird deutlich, dass das bisherige Geschäftsmodell der TK-Netzbetreiber durch das veränderte Marktumfeld vor großen Herausforderungen steht. Die Erweiterung des Dienstleistungsspektrums der TK-Netzbetreiber um Content-Angebote durch IPTV ist wettbewerbsstrategisch ebenso folgerichtig wie zwingend. Angesichts eines gesättigten Fernsehmarktes stellt sich die Frage, ob der generische Zusatznutzen von IPTV sich in einen Mehrwert beim Kunden verwandeln lässt, der bei diesem eine entsprechende Zahlungsbereitschaft generiert. Die Unsicherheit, die in der Beantwortung dieser Frage liegt, kennzeichnet im Kern die Unsicherheit der Entwicklung des IPTV-Marktes in Deutschland. Die Zahl von qualitativ hochwertigen Free-to-air-Programmen ist so groß, dass die Zahl der IPTV- bzw. Pay-TV-Abonnenten in Deutschland in 2009 insgesamt kaum über 1 Million Nutzern liegen dürfte und damit weit hinter den Erwartungen bleibt. Insgesamt zeigt sich, dass die Besonderheiten des deutschen Marktes für IPTV-Angebote Hürden aufweisen, die einer raschen Marktpenetration entgegenstehen.

Die Einführung von IPTV stellt die Regulierung der betroffenen Märkte vor neue Herausforderungen, die dort, wo es angezeigt ist, durch regulatorische Maßnahmen auf der Vorleistungsebene adressiert werden können. Wettbewerbsprobleme können z. B. im Zusammenhang mit Rundfunkinhalten auftreten, wenn Plattformbetreiber oder Rundfunkanbieter exklusive Rechte für Premium-Inhalte erwerben. Vertikal integrierte Netzbetreiber können Marktmacht auf der Inhalteebene in nachgelagerte Pay-TV oder zukünftig Triple Play-Endkundenmärkte übertragen. Allerdings liegt die Regulierung von Rundfunkinhalten außerhalb der Reichweite des Regulierungsrahmens für elektronische Kommunikationsmärkte. Wettbewerbsprobleme, die im Zusammenhang mit dem Zugang zu Rundfunkinhalten stehen, erfordern vielmehr wirksame wettbewerbsrechtliche Maßnahmen. Auf den Vorleistungsmärkten für Rundfunkübertragung stellt IPTV eine Chance dar, den Wettbewerb zu stärken, da eine zusätzliche Übertragungsplattform eingeführt wird. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird davon abhängen, ob Pay-TV-Plattformbetreiber und Rundfunkanbieter IPTV als ergänzende oder als alternative Plattform betrachten. Falls sich zukünftig Triple Play-Endkundenmärkte durchsetzen, ist zu erwarten, dass Netzbetreiber mit SMP identifiziert werden. Falls sich zeigen sollte, dass der Zugang zu lokaler Netzinfrastruktur auf der Vorleistungsebene als Regulierungs-maßnahme nicht ausreicht, um die Wettbewerbsprobleme zu adressieren, wird es notwendig sein, den Vorleistungsbreitbandzugang so auszugestalten, dass er von alternativen Netzbetreibern für Triple Play-Angebote genutzt werden kann.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.