Diskussionsbeiträge

Stephan Jay, Dragan Ilic, Thomas Plückebaum

Optionen des Netzzugangs bei Next Generation Access

Nr. 332 / Dezember 2009

Zusammenfassung

Der Umbau der Teilnehmeranschlussnetze zu Next Generation Access (NGA) bedingt strukturelle Veränderungen der Anschlussnetze, die sich in den Kosten, den regulierten Entgelten und dem Business Case des Betreibers niederschlagen. Ziel der Studie ist es, Netzzugangsoptionen bei verschiedenen NGA-Architekturen zu analysieren und die Ökonomie unterschiedlicher Ausbaustrategien im Vergleich zu einem reinen Bitstrom-zugang zu untersuchen. Zu diesem Zweck werden zunächst unterschiedliche Ausbau-strategien nach Architektur (Fibre-to-the-X) und Technologie (Point-to-Point, Passive Optical Networks) abgegrenzt und spezifische Zugangsbarrieren identifiziert. Im Anschluss wird die Relevanz aktiver und passiver Netzzugangsprodukte für die verschiedenen NGA-Varianten analysiert. Auf dieser Basis wird mit Hilfe eines Bottom-Up-Kostenmodells für das Szenario eines alternativen deutschen Netzbetreibers ein quantitativer Vergleich einer Strategie mit eigener Infrastruktur (vollständiger Neuaufbau als First Mover) und reinem Bitstromzugang am Rande des Kernnetzes durchgeführt.

Die Studie zeigt, dass Netzzugangsbarrieren je nach Architektur/Technologie unter-schiedlich ausgeprägt sind. Dies betrifft zum einen Fragen der Entbündelung am Metropolitan Point of Presence (MPoP) oder dem zum Kunden vorgelagerten Netzknoten Distribution Point. Zum anderen betrifft dies auch den Zugang zu Inhausverkabelung. Aus diesem Grund wird auch die Ladder of Investment mehr Stufen aufweisen, deren jeweilige Relevanz sich je nach Land und eingesetzter NGA-Architektur unterscheiden kann.

Eine Analyse der Business Cases für FTTC und FTTH/P2P zeigt, dass unter den getroffenen Annahmen (darunter gleiches Niveau der Kundenumsätze wie heute) hohe Marktanteile nötig sind, um NGA profitabel zu betreiben. So sehen wir für FTTH/P2P im Rahmen der (konservativen) Modellannahmen nur eine ökonomische Tragfähigkeit für etwa 14% der deutschen Teilnehmer. Erwartungsgemäß erfordert die zukunftssichere FTTH/P2P-Lösung aufgrund des erheblich höheren Neu-Investitionsbedarfs auch höhere Marktanteile als FTTC, da bei den Berechnungen unterstellt wurde, dass der Zugangs-nachfrager bei FTTC im Drop Cable Segment die Kupferdoppelader vom Kabelverzweiger bis zum Kunden von der Deutschen Telekom anmietet und nicht neu verlegt. Wegen der Annahme eines Aufbaus ohne Rückgriff auf existierende Infrastrukturen überschätzt das Modell Investitionen und kritische Marktanteile. Allerdings liegen die dominanten Investitionen bei FTTH/P2P im Drop Cable Segment, in dem zumindest auf Grundlage der DTAG-Erdkabel-Netze kaum Mitbenutzung von Leerrohren zu erwarten ist, was den Grad der Überschätzung relativiert.

Im Vergleich von Eigenbau und Bitstrom produziert ein Eigenbauer bei niedrigen Marktanteilen zu höheren Kosten als der Bitstromnachfrager. Bei höheren Marktanteilen kehrt sich das Verhältnis dann um. Dabei gibt es einen Übergangsbereich, bei dem beide Business Cases profitabel sind, aber der Betreiber mit eigener Infrastruktur noch zu höheren Kosten je Kunde produziert. Das Anreizsystem für die Investition in eigene Infrastruktur kann also bei konsistenten Entgelten (hier LRIC-kostenorientiert modelliert) auch im NGA aufrechterhalten werden.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.