Diskussionsbeiträge

Thomas Plückebaum

VDSL Vectoring, Bonding und Phantoming: Technisches Konzept, marktliche und regulatorische Implikationen

Nr. 374/Januar 2013

Zusammenfassung

VDSL Vectoring ist ein Verfahren, dass die gegenseitigen Störungen in der Übertragung von VDSL Signalen auf parallelen Kupferdoppeladern zu kompensieren erlaubt und so nahezu die Signalkapazität wiederherstellt, die ein von anderen unbeeinflusstes Signal auf einer einzelnen Kupferdoppelader im Kabel hätte. Dies gilt sowohl für die Bandbreite wie auch die Reichweite, die auf einem Kupferkabel naturgemäß bedämpft und damit begrenzt ist. Es sind Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s down- und 40 Mbit/s upstream zu erreichen, abhängig von der Länge des Anschlussleitung dann auch entsprechend weniger, so dass noch 50 Mbit/s downstream bei ca. 600 m erwartet werden können. Damit erlaubt VDSL Vectoring, ein Kupferkabel voll mit VDSL Signalen zu beschalten, die sich nahe der Qualität einer einzelnen unbeeinflussten Doppelader mit VDSL ohne Vectoring verhalten. Signale, die sich nicht im Frequenzbereich von VDSL befinden (POTS, ISDN, ADSL, HDSL/ SDSL), stören die VDSL Übertragung und somit die VDSL Vectoring Übertragung nicht, bzw. dieser Frequenzbereich kann ausgeblendet werden.

Das volle Ausschöpfen des Vectoring Effektes verlangt, dass alle Doppeladern eines Bündels in einem Kabel, die ein VDSL Signal (genauer, ein Signal im VDSL Frequenzbereich) übertragen, in den Entstör- oder Fehlerkorrekturprozess mit eingebunden werden müssen. Andernfalls wird der erzielbare Bandbreitengewinn deutlich geringer, so dass man sich die Frage stellen muss, inwieweit sich die Zusatzinvestitionen in die Vectoring Komponente am DSLAM und bei den CPE rechnet im Vergleich zu den Zusatzerlösen aus einem geringen Bandbreitenwachstum, dem verbliebenen Zuwachs an Reichweite und im Beschaltungsgrad des Kabels.

Dies führt zu der Forderung der Investoren in VDSL Vectoring Lösungen, die Nutzung von VDSL und VDSL Vectoring zu regulieren bzw. die bestehende Regulierung zum vollständig entbündelten Zugriff auf die KVz-Teilnehmeranschlussleitung so zu verändern, dass die Verwendung des VDSL Frequenzbandes nur einem Betreiber gestattet ist.

Weil ein Node-Level Vectoring, das die Fehlerkorrektur über verschiedene VDSL DSLAMs zu koordinieren erlaubt, erst in mittlerer Zeit marktreif werden könnte, und weil ein Sortieren der Kupferdoppeladern des Anschlussnetzes auf unterschiedlichen Betreibern zugeordnete Doppeladerbündel eines Kabels nicht praktikabel erscheint, sehen wir derzeit keine natürlichen Lösungen, mögliche Konflikte technisch oder organisatorisch regulierend zu vermeiden.

Insoweit sehen wir zur Zeit in Reaktion auf die Forderungen zu einer exklusiven Regulierung drei Handlungsoptionen für die Regulierer:

  • Eigentümer-Monopol (Incumbent-Monopol)
     
  • First Mover Monopol
     
  • Offen für Wettbewerb.
     

Beim Eigentümer-Monopol wird dem marktbeherrschen Betreiber ein exklusives Recht zur Nutzung des VDSL Frequenzbandes für alle KVz zugesprochen. Beim First Mover Monopol erhält der erste Betreiber, der einen KVz mit VDSL ausgebaut hat, das exklusive Recht, dort auch Vectoring einzuführen und kein zweiter Betreiber darf dort das VDSL Frequenzband nutzen. Die dritte Variante ist ein laissez-faire Ansatz, der auf eine Regulierung verzichtet und auf die ökonomische Rationalität der Betreiber vertraut, nicht als Zweiter zu investieren, weil dies nur beiden Parteien zum Nachteil in der anbietbaren Bandbreite gereichen würde. Alle Ansätze unterstellen, dass für die Wettbewerber alternativ zum entbündelten physischen Zugang ein entsprechend technisch und ökonomisch leistungsfähiger Bitstrom nicht diskriminierend zur Verfügung gestellt wird.

Dieser Diskussionsbeitrag beschreibt die technischen und ökonomischen Zusammenhänge des VDSL Vectoring, des Vectoring nutzenden Bonding und des auf beidem aufsetzenden Phantoming. Zudem beschreibt und diskutiert er die vorgenannten Optionen regulatorischen Handelns und versucht damit, einen Beitrag zur aktuell stattfindenden Diskussion zu leisten.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.