Diskussionsbeiträge

Mark Oelmann

Regulatorische Marktzutrittsbedingungen und ihre Auswirkungen auf den Wettbewerb: Erfahrungen aus ausgewählten Briefmärkten Europas

Nr. 291 / März 2007

Zusammenfassung

Ziel der Studie ist es, die Auswirkungen nationaler Regulierung auf die Wettbewerbsstruk­tur sowie die Eintrittsstrategien von Wettbewerbern herauszuarbeiten. Die Studie vergleicht Deutschland, Finnland, Großbritannien, Niederlande und Schweden.

In Deutschland spielte insbesondere die sog. D-Lizenz (Höherwertige Leistungen) eine entscheidende Rolle. Die Lizenzbedingungen implizieren tägliche Zustellung und damit eine relativ kostenintensives Geschäftsmodell. Dies hat überwiegend zu lokal begrenztem Markteintritt geführt, die gegenwärtig beobachtbare Marktkonsolidierung wird jedoch voraussichtlich zum Entstehen bundesweiter Anbieter beitragen. Als Hemmnis für eine (noch) dynamischere Wettbewerbsentwicklung sehen wir die Marktunsicherheit in Folge der Verschiebung der vollständigen Marktöffnung (2001) oder der langwierigen Gerichtsverfahren der Deutsche Post gegen ihre Wettbewerber.

Finnland verzichtet seit 1994 auf die Reservierung von Postdiensten. Dennoch entwickelte sich kein Wettbewerb, da Lizenzen mit hohen Universaldienstauflagen verknüpft wurden. So müsste ein Wettbewerber werktäglich zustellen und zusätzlich eine Strafsteuer entrichten, sofern er nur in Agglomerationsräume zustellen würde.

Im Vergleich zu den anderen Ländern ist die britische Regulierungsbehörde bei der Genehmigung von Preisobergrenzen für Produkte des Incumbents sehr restriktiv. Dies, kombiniert mit relativ attraktiven Teilleistungspreisen sowie einer Benachteiligung von Wett­bewerbern bei der Mehrwertsteuer, führte dazu, dass zwar Markteintritt von Konsolidieren, aber bisher kein nennenswerter end-to-end-Wettbewerb zu beobachten ist.

Der reservierte Bereich in den Niederlanden beinhaltet keine adressierten Werbesendungen. Da dieses Segment besonders attraktiv für Wettbewerber ist, konnten sich flächendeckende parallele Zustellnetzwerke bilden. Tatsächlich sind die Niederlande das einzige Land, in dem dies bis dato geglückt ist. Interessant ist, dass die großen Wettbewerber (ebenso wie CityMail in Schweden) lediglich an rund zwei Tagen in der Woche zustellen und damit die Kosten der Zustellung überschaubar halten.

Schweden verzichtet seit 1993 auf die Reservierung von Postdiensten und es bestehen keine anderen legalen Markteintrittsbarrieren. Der Incumbent Posten AB ist hinsichtlich der Mehrwertsteuer nicht bevorteilt: Postdienste aller Anbieter sind voll Mehrwertsteuerpflichtig. Im Ergebnis hat sich mit CityMail ein großer Wettbewerber entwickelt, der die südlichen Agglomerationsräume Schwedens bedient.

Insgesamt zeigte die Analyse, dass die Abschaffung bzw. Verringerung reservierter Bereich zwar eine notwendige Bedingung darstellt, um Wettbewerbspotentiale im Briefmarkt entstehen zu lassen – hinreichend ist die formale Liberalisierung allein jedoch nicht. [only a german version available]

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.