Meldung

20.12.1991

Nr. 77: Sparen in Deutschland: Präferenzveränderungen und ihre Bedeutung für die Deutsche Bundespost POSTBANK

Dieter Elixmann

Sparen in Deutschland: Präferenzveränderungen und ihre Bedeutung für die Deutsche Bundespost POSTBANK
Nr. 77 / Dezember 1991

Zusammenfassung

Die zum Ende der 80er Jahre durchgeführte Poststrukturreform verpflichtet die POSTBANK zur Eigenwirtschaftlichkeit und stellt klar, daß sie sich "in Wahrnehmung ihrer Aufgaben am Wettbewerb" beteiligt (§ 4 Postverfassungsgesetz). Dies bedingt, daß sich die POSTBANK zunehmend den Erfordernissen des Wettbewerbs im Finanzdienstleistungsbereich stellen muß. Der vorliegende Beitrag untersucht die Strukturmerkmale des Sparmarktes in der Bundesrepublik Deutschland, analysiert deren Veränderungen in den letzten zwei Jahrzehnten und befaßt sich mit der Stellung der POSTBANK im Sparmarkt. Schwerpunkt der Arbeit sind die Veränderungen der Geldanlagepräferenzen der privaten Haushalte; dabei wird sowohl eine nachfrageseitige Perspektive eingenommen als auch die Bedeutung von Sparstrukturveränderungen bei einzelnen Anbietern von Finanzdienstleistungen (u.a. Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Lebensversicherungen, Investmentgesellschaften) untersucht. Die Veränderungen im Sparmarkt werden anschließend auf ihre Auswirkungen für das Passivgeschäft der POSTBANK hin untersucht, das bisher auf die angestammten Bereiche des Spar- und Sichteinlagengeschäfts beschränkt war.

In der Bundesrepublik Deutschland kommt den privaten Haushalten für die Ersparnis und die Geldvermögensbildung nach wie vor ein große Bedeutung zu. In den letzten 20 Jahren hat es ausgeprägte Strukturveränderungen im Sparmarkt in der Bundesrepublik Deutschland gegeben. Es ist ein eindeutiger Trend hin zu höherverzinslichen Anlageformen feststellbar; die Anleger bevorzugen bei ihrem gestiegenen Renditebewußtsein relativ risikolose Anlageformen. Der Rückgang der Bedeutung von niedrig verzinslichen Anlageformen und die steigende Bedeutung höherverzinslicher Anlageformen ist dabei Ergebnis von Präferenzveränderungen bei der breiten Masse der Sparer.

Die POSTBANK hat im Sicht- und Spareinlagenmarkt in den 70er und 80er Jahren im wesentlichen ihre Marktanteilsposition halten können. Im Vergleich zum gesamten Passivgeschäft aller Bankengruppen kann sie jedoch nur in den 70er Jahren ihren Marktanteil einigermaßen halten, seit dem Ende der 70er Jahre ist eine klare Tendenz zu Marktanteilsverlusten feststellbar. Auch bezogen auf die gesamte Geldvermögensbildung in der Bundesrepublik Deutschland ergibt sich, daß die POSTBANK vom "Neugeschäft-Kuchen" immer weniger abbekommt. Es müssen begründete Zweifel angemeldet werden, ob die POSTBANK auf Dauer im Wettbewerb bestehen kann, wenn ihre Geschäftstätigkeit auch künftig auf relativ an Bedeutung verlierende Marktsegmente beschränkt bleibt.