Diskussionsbeiträge

Franz Büllingen, Christin-Isabel Gries, Peter Stamm

Stand und Perspektiven der Telekommunikationsnutzung in den Breitbandkabelnetzen

Nr. 286 / Januar 2007

Zusammenfassung

Die Aufrüstung und Nutzung der Kabelfernsehnetze für Telekommunikationsdienste wie Breitbandinternet und Telefonie ist in Deutschland vergleichsweise schwach ausgeprägt und bleibt deutlich hinter dem zurück, was in internationalen Vergleichsmärkten bereits seit Jahren Stand ist. Die international einmalige, historisch bedingte Unterteilung in die Netzebenen 3 und 4, die zu einer zersplitterten Anbieterlandschaft geführt hat, wirkt sich bis heute hemmend auf die Aufrüstung der Netze und das Angebot von Telekommunikationsdiensten aus. Dennoch sind in jüngerer Zeit deutliche Veränderungsdynamiken in der Kabelbranche erkennbar.

Zum einen haben, im Rahmen enger wettbewerbsrechtlicher Grenzen, mehrere Fusionen der Anbieter stattgefunden, die sowohl zu einem horizontalen als auch zu einem vertikalen Konsolidierungsprozess geführt haben. Die Gruppe der großen NE-4-Betreiber hat sich auf die beiden Unternehmen Orion Cable und Primacom reduziert, die sich weitgehend auf die Regionen des größten NE-3-Betreibers Kabel Deutschland konzentrieren. Den beiden anderen NE-3-Betreibern Unity Media und Kabel BW ist es gelungen, beachtliche NE-4-Bestände in ihren Regionen zu übernehmen und somit die wirtschaftlich besonders bedeutsame vertikale Integration voranzubringen.

Zum zweiten rüsten die drei NE-3-Unternehmen derzeit ihre Netze in hohem Tempo auf. 2006 werden knapp 50% ihrer anschließbaren Wohneinheiten modernisiert sein. Diese Zahl soll bis zum Jahr 2009 auf 90 bis 100% gesteigert werden. Zum dritten drängen die Kabelnetzbetreiber in den aufgerüsteten Regionen mit wettbewerblichen Diensteangeboten in den Markt. Vor allem mit Bündelangeboten von Breitbandinternet und Telefonie (Double Play) sowie digitalen Fernsehdiensten (Triple Play) werden die Konkurrenzangebote der Telefonnetzbetreiber preislich z. T. deutlich unterschritten.

Schließlich eröffnet die Simulcast-Vereinbarung zwischen Kabelnetzbetreibern und Programmanbietern zu Beginn 2006 erstmals einen Migrationspfad hin zu einer vollständig digitalisierten Programmwelt. Bereits heute werden auf dieser Basis in einigen Regionen bis zu 260 digitale Programme vermarktet. Es bleibt abzuwarten, ob es den Kabelnetzbetreibern gelingt, durch die Bündelung attraktiver Inhalte und Telekommunikationsdiensten in absehbarer Zeit Kunden in großer Zahl zum Wechsel zu bewegen.  

Offen ist auch, wie die veränderte digitale Programm- und Dienstewelt und ihre Marktwirksamkeit sich auf das Verhalten der NE-4 Netzbetreiber auswirken werden. Denn die Zersplitterung bleibt das zentrale Hemmnis für die Vermarktung von TK-Diensten im Kabel und die wirtschaftlich erforderlichen Reichenweiten und Skaleneffekte.

Anhand eines Marktvergleichs mit den USA und den Niederlanden macht die Studie deutlich, dass geschickte Vermarktung und attraktive Bündelprodukte ein erhebliches Steigerungspotenzial des ARPU um mehrere Faktoren ermöglichen.

Der Diskussionsbeitrag steht zum Download zur Verfügung.