Diskussionsbeiträge

Andrea Liebe, Christine Müller

Energiegenossenschaften im Zeichen der Energiewende

Nr. 383/Januar 2014

Zusammenfassung

Der Transformationsprozess des Energiesystems und seine inhärenten Ziele bergen Veränderungen in der Organisationsstruktur der Akteure über die gesamte energiewirtschaftliche Wertschöpfungskette. Ein Phänomen in diesem Kontext ist der zunehmende Gründungstrend von Energiegenossenschaften. Die dahinterliegenden Zielsetzungen, Implikationen und Wirkungen der neuen Strukturen stellen ein noch offenes Untersuchungsfeld dar. Sie werden in diesem Diskussionsbeitrag in den Kontext der Energiewende eingeordnet und aus einzel- und gesamtwirtschaftlicher Sicht bewertet. Vorgeschaltet erfolgt eine deskriptive Aufarbeitung der Ausprägungen von Energiegenossenschaften. Erzeugungsgenossenschaften stellen die dominierende Form der Energiegenossenschaft in Deutschland dar. Der Fokus der Analysen liegt auf Erzeugungsgenossenschaften in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Aus einzelwirtschaftlicher Perspektive ergibt die Analyse der Motivation für die Gründung von Energiegenossenschaften und der dahinterliegenden Zielsetzungen ein ambivalentes Bild. Erzeugungsgenossenschaften in ihren unterschiedlichen Ausrichtungen können als eine Reaktion auf den Förderrahmen für erneuerbare Energieträger gewertet werden. Die betrachteten Solargenossenschaften zeichnen sich durch einen starken Renditefokus aus. Dieser ist ausgeprägter als bei Genossenschaften gemeinhin üblich. Gleichzeitig fungiert das Genossenschaftsmitglied in diesem Konstrukt aber auch als Eigenkapitalgeber und leistet darüber einen Beitrag zur Realisierung von Investitionen und mithin zur Finanzierung der Energiewende. Bei den Erzeugungsgenossenschaften, die auf den Energieträger Biomasse setzen, steht weniger die Rendite, sondern vielmehr eine unabhängige Energieversorgung im Vordergrund. Die hier geschaffenen Werte für die Mitglieder zeigen sich insbesondere in einer preisgünstigen, dezentralen Energieversorgung, von der sie direkt partizipieren und gleichzeitig die Energiewende mitgestalten.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind Energiegenossenschaften in der Lage, den Herausforderungen der Energiewende zu begegnen und einen Beitrag zu ihren Zielen und ihrer Realisierung zu leisten. Sie geben eine Vielzahl von positiven Impulsen in Hinblick auf Investitionen in Erzeugungskapazitäten und können in signifikantem Maße zur Schaffung von gesellschaftlicher Akzeptanz, insbesondere beim Bau von Erzeugungsanlagen, beitragen. Die Organisationsform der Genossenschaft ist insofern einzigartig, als dass sie im Gegensatz zu anderen Organisationsform die Möglichkeit zur Partizipation mit finanziellen Interessen verbindet. Dies fördert wiederum die Akzeptanz. Gleichzeitig weist sie ein hohes Maß an Stabilität auf. Gleichwohl sind unter Effizienzgesichtspunkten einzelne Aspekte, wie zum Beispiel das Engagement kommunaler Träger in privatwirtschaftlichen Aktivitäten oder Eigenversorgungsbestrebungen kritisch zu sehen.

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